Der Tod von Poker-Sponsorings? Teil 2
Im zweiten Teil seiner Miniserie über den möglichen Rückgang von Poker-Sponsorings beleuchtet Barry Carter solche Modelle, die der Branche auch im Jahr 2012 noch Vorteile bringen könnten.
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| Prominente Pokerspieler bringen weitere Aufmerksamkeit an die Tische. |
Zu Beginn dieser Woche malte ich ein ziemlich negatives Bild über Sponsorings für Pokerspieler bei den aktuellen Rahmenbedingungen der Szene. Ich vertrat dabei die Meinung, dass die meisten dieser Sponsorings eine Verschwendung des von den Kunden gezahlten Rakes darstellen. Rake, der für viele andere Dinge deutlich besser genutzt werden könnte, als einem ohnehin bereits erfolgreichen Pokerspieler ein Freeroll für große Turniere zu finanzieren.
Heute möchte ich mich auf die Bereiche von Sponsoring konzentrieren, die nach wie vor funktionieren. In manchen Fällen denke ich nach wie vor, dass das Geld woanders besser genutzt werden könnte. Aber deswegen kann man keinesfalls gleich von Verschwendung reden, denn es ginge viel schlimmer.
Einer meiner Hauptgründe für meine massive Kritik am aktuellen System des Spieler-Sponsorings ist, dass die Spieler an sich gar keine Stars sind, die neue Spieler dazu animieren, Poker zu spielen und Geld einzuzahlen. Genauso wenig bewegen sie bereits existierende Spieler dazu, den Pokerraum zu wechseln oder auf einer bestimmten Seite mehr zu spielen. Für den Rest der Welt sind die meisten bekannten Pokerspieler absolute Nobodys.
Hiervon gibt eine offensichtliche Ausnahme: Spieler, die bereits Prominente sind. Die Reichen und Berühmten aus der Welt des Sports und der Unterhaltung, die den heiligen Gral eines Sponsorings bereits erhalten, ohne vorher auch nur das Spiel überdurchschnittlich beherrschen zu müssen.
Das mag für den Otto-Normal-Grinder zwar eine bittere Pille sein, wenn er selbst keinen Sponsor findet. Boris Becker dagegen muss nur flüchtiges Interesse am Spiel zeigen und wird dafür von PokerStars unter Vertrag genommen - und er ist dabei um ein Vielfaches effektiver als es viele andere Spieler jemals sein könnten.
Bereits existierende Fan-Gemeinden
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| Liv Boeree ist der Traum eines jeden Sponsors. |
Stars wie Boris Becker oder der von 888poker gesponserte Spieler Shane Warne haben bereits eine Fan-Gemeinde. Tatsächlich erreichen sie ganze Generationen, die sie zu Anhängern des Pokerspiels machen können.
Prominente erscheinen außerdem regelmäßig in Beiträgen im TV und in Zeitungsartikeln. Sollten sie es mal wieder in die Mainstream-Medien schaffen und tragen dabei ein Pokerlogo, dann ist das deutlich mehr wert als wenn ein normal gesponserter Spieler ein WPT-Event gewinnt.
Wenn es darum geht, den Wert eines gesponserten Spielers in die richtige Perspektive zu rücken, stelle ich stets folgende Frage: "Wenn du morgen einen Pokerraum eröffnen würdest, wen würdest du lieber deine Seite repräsentieren lassen: Phil Laak oder Lady Gaga?" Wenn eure Antwort auf diese Frage "Unabomber" lautet, dann ist euch Geld egal.
Natürlich muss man nicht weltberühmt sein, um als Pokerspieler einem Sponsoring eine Wirkung zu geben. Aber man muss etwas mehr zu bieten haben als die Fähigkeit, Karten zu spielen. Ein perfektes Beispiel hierfür ist Liv Boeree, die zwar zunächst mal eine sehr gute Pokerspielerin ist. Darüber hinaus hat sie aber weitere Vorzüge, welche den Graben zwischen Poker und dem Rest der Welt überbrücken können.
Sie ist eine attraktive Frau, die nicht nur auf ihre Fans eine anziehende Wirkung hat, sonder auch auf die Aufmerksamkeit der allgemeinen Öffentlichkeit. Ihre Ausbildung ist mit einem abgeschlossenen Astrophysik-Studium überdurchschnittlich, wodurch sie als Thema für Beiträge in Medien interessant wird. Und zuletzt ist sie eine talentierte Gitarristin und Heavy Metal-Fan, wodurch sie eine Art Prominente in Rockmusik-Kreisen wurde.
Daneben gibt es natürlich noch die Hand voll Spieler, die bereits durch ihre Prominenz innerhalb der Pokerszene einen besonderen Status haben. Spieler wie Phil Hellmuth und Daniel Negreanu. Oder Spieler, die in ihren Heimatländern einen ähnlichen Status haben wie ElkY und Joe Hachem. Diese Jungs sind die Gesichter des Pokerspiels und haben genug Starpotenzial, was an sich einen Sponsoring-Deal rechtfertigt.
Sponsorings für Loyalität
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| Randy Lew is part of the new breed of sponsored players |
Zu guter Letzt gibt es einen Bereich, in dem der hart arbeitende Grinder von nebenan, der keine Berühmtheit werden will, auch heute noch ein Sponsoring erwarten kann und gleichzeitig einen Mehrwert schafft - der "hauseigene Profi aus Loyalität".
Viele Pokerräume haben erkannt, dass es einen hohen Wert hat, den Spielern einen Sponsoren-Vertrag zu verschaffen, die maßgeblich dazu beigetragen haben, das Marketing-Budget überhaupt zu begründen. PokerStars, PartyPoker und PKR sind allesamt Beispiele für Pokerräume, die Loyalität mit einem Sponsoring belohnen.
Diese Praxis hat eine ganze Reihe an Vorzügen. Zunächst stiftet es Loyalität in der Community des Pokerraums selbst. Die Spieler dort können eine Verbundenheit zum Profi entwickeln, schließlich ist er einer von uns.
Zweitens schafft es für Spieler aller Könnensstufen eine Art Ziel, auf das sie hinarbeiten können. Das bedeutet einen Grund mehr, intensiver zu spielen und mehr Rake zu erzeugen. PokerStars zum Beispiel erwählte nicht nur einfach die größten Gewinner für ein Sponsoring, sondern auch Low Stakes-Spieler wie chipstar1 und viel Rake erzeugende Grinder wie nanonoko.
Der dritte Vorteil ist, dass Spieler aktiv dazu beitragen, den Pokerraum quasi kostenlos zu bewerben. Ich kenne viele Spieler, die kostenlos Aufnäher von PokerStars oder PKR bei Turnieren tragen, weil sie sehr gerne ebenfalls in das gesponserte Team kommen möchten. Um zu beweisen, dass sie es verdienen, tun sie dies.
Der vielleicht beste Grund, solche Sponsoring-Verträge grundsätzlich zu rechtfertigen, ist die Tatsache, dass die Spieler dafür einen Großteil durch ihre Aktivität an den Tischen bereits selbst gezahlt haben. Es ist viel einfacher, dem Wert eines Sponsorings zu entsprechen, wenn der neue Pro bereits den größten Teil des für einen solchen Deal nötigen Rakes selbst erspielt hat.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Schlüssel zu einem nachhaltigen Sponsoren-Vertrag im Jahr 2012 eine Art weiterer Vorzug ist, den ein Spieler neben seinem Können im Spiel selbst mitbringen muss. Bist du außerhalb der Pokerwelt berühmt? Bist du eine attraktive Frau? Vermittelst du einer Zielgruppe, dass Poker so anziehend ist wie Frauen und Videospiele oder repräsentierst du eine Region, in der Poker noch nicht so verbreitet ist? Hast du eine große Fan-Gemeinde in sozialen Netzwerken? Hast du bereits eine enorme Summe an Rake erspielt? Wer eine dieser Fragen beantworten kann, der hat diesen Vorzug vielleicht.
Es gibt also nach wie vor zahlreiche Sponsoring-Modelle, die einem Pokerraum einen zusätzlichen Wert bescheren. Genauso sollte die Community nach wie vor hinter einem gesponserten Spieler stehen dürfen, ohne den bitteren Beigeschmack zu haben, dass hier jemand ihren Rake für ein Freeroll verbrennt. Einfach nur ein Sponsoring zu haben, weil man gut Poker spielt, funktioniert im Jahr 2012 aber schlicht und ergreifend nicht mehr.
von Barry Carter


