Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Der US-Pokermarkt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Die in der letzten Woche erzielte Einigung zwischen der Groupe Bernard Tapie und dem US Department of Justice ist auch der Wegbereiter für einen zukünftigen Wiedereintritt von Full Tilt Poker in den amerikanischen Markt. Was unternehmen die anderen Pokerräume und wie sieht die Zukunft des US-Pokermarktes aus?

Der Hintergrund

DOJ Bis vor Kurzem waren die Vereinigten Staaten noch der größte Online-Pokermarkt der Welt. Am 15. April 2011 reichte das US-Department of Justice (DOJ) jedoch Klage gegen die drei größten Pokerräume ein, die US-Spielern zur Verfügung standen.

Den Anbietern wurde unter anderem Bankenbetrug vorgeworfen sowie die Verletzung eines in 2006 in Kraft getretenen Gesetzes, das den Online-Glücksspielmarkt der USA reguliert: der Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA).

Die Auswirkungen für zwei der drei angeklagten Anbieter waren recht schnell klar: PokerStars zahlte US-Spielern die hinterlegten Gelder zurück und führte seinen weltweiten Betrieb fort. Die Vermögenswerte von UB/Absolute Poker werden in naher Zukunft höchstwahrscheinlich liquidiert und der Anbieter wohl nie wieder seinen Betrieb aufnehmen.

Interessanter waren allerdings die Auswirkungen für Full Tilt Poker: Das eigentlich in jeglicher Hinsicht florierende Unternehmen hatte aufgrund von erheblichem Missmanagement nicht genügend Kapital, um seine Schulden gegenüber den Spielern zu bezahlen. Einige Monate nach den Anklagen wurde klar, dass das Unternehmen aufgekauft werden muss, um seinen Betrieb weiterhin fortführen zu können und die geschuldeten Spielergelder auszuzahlen.

Der Präzedenzfall des Tapie-Deals

ftp In der letzten Woche haben die Groupe Bernard Tapie (GBT) und das DOJ einen Deal unterschrieben, der es der französischen Investorengruppe in naher Zukunft erlaubt, Full Tilt Poker für insgesamt $80 Millionen zu kaufen (zusätzlich muss die GBT die Verantwortung für Schulden gegenüber Nicht-US-Spielern übernehmen).

Der Deal erlaubt Full Tilt Poker (unter neuem Management) ausdrücklich eine Rückkehr in den US-Markt, sobald die USA Online-Poker legalisieren. Das stellt einen äußerst interessanten Präzedenzfall hinsichtlich anderer Online-Pokerräume dar, denn es deutet darauf hin, dass auch andere Anbieter höchstwahrscheinlich irgendwann wieder in der Lage sein werden, ihre Dienste US-Bürgern anzubieten.

Es scheint zwar klar, dass Anbietern, die sich bisher keiner rechtlichen Probleme in den USA ausgesetzt sahen, eine Rückkehr in den US-Markt genehmigt wird, allerdings steht in dieser Hinsicht auch ein großes Fragezeichen hinter PokerStars - ein Unternehmen, das nach wie vor von Personen betrieben wird, die in den USA erheblichen rechtlichen Problemen gegenüberstehen.

Der Deal zwischen der GBT und dem DOJ könnte aber auch ein positives Zeichen für die Zukunft von PokerStars sein, denn die erzielte Einigung zeigt, dass das DOJ bereit ist, auch im Falle eines angeklagten Anbieters eine Rückkehr zu erlauben. Daher scheint es wahrscheinlich, dass auch PokerStars nach Zahlung einer beträchtlichen Strafe seinen Weg zurück in den US-Markt finden könnte.

Die Hürden einer Rückkehr und ihre Lösung

handshake Im Moment betreiben die größten Casinos der Vereinigten Staaten viel Lobbyismus, um Online-Poker in den USA zu legalisieren. Die große Mehrheit der Insider der Industrie erwartet definitiv irgendeine Form der Legalisierung innerhalb der nächsten Jahre - und zum ersten Mal sieht es so aus, als ob ein solcher Schritt schon bald vollzogen werden könnte.

Grundsätzlich gibt es in dieser Hinsicht zwei Interessengruppen, die versuchen werden, sich ihr Stück am Online-Glücksspielmarkt der USA zu sichern: Auf der einen Seite stehen die Unternehmen, die bereits amerikanische Lizenzen besitzen, auf der anderen Seite ausländische Unternehmen, die bereits Online-Pokerseiten betreiben.

Einige der vorgeschlagenen Gesetzesentwürfe, um Online-Poker in den USA zu legalisieren, beinhalten Klauseln, die diktieren, dass zunächst nur Unternehmen mit amerikanischen Lizenzen Zugang zum US-Markt gewährt wird. Allerdings haben die meisten US-Casinos keinerlei Erfahrung im Bereich des Online-Glücksspielmarktes. Diese Erfahrung können viele der weltweit betriebenen Unternehmen vorweisen, ebenso verfügen sie über die nötige Infrastruktur, Software und Spielerbasis - aber dürften eben im Falle der geschilderten Gesetzgebung zunächst keine Lizenz beantragen.

Die Lösung dieses Problems könnte in strategischen Partnerschaften zwischen ausländischen Pokerräumen und amerikanischen Casinos liegen. Jede Partei würde genau das mit in die Partnerschaft bringen, was dem anderen Partner noch fehlt.

Deals, Deals, Deals

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Das MGM Grand

Hier ein Auszug von bereits vereinbarten Partnerschaften zwischen US-Casinos und ausländischen Anbietern:

• Bwin.Party, MGM Resorts und Boyd Gaming - Die neueste vereinbarte Partnerschaft. Diese drei Unternehmen werden einen neuen Betrieb gründen (Anteilsaufteilung: 65% Bwin.Party, 25% MGM, 10% Boyd), um einen amerikanischen Online-Pokerraum auf den Markt zu bringen.

• 888Poker und Caesar's Entertainment - Dies war der erste Deal dieser Natur und wurde im März 2011 von der Glücksspielaufsicht Nevadas genehmigt. Caesar's ist zwar das weltweit größte Casino-Unternehmen, aufgrund privater Besitzer stehen spezifische Details dieser Partnerschaft der Öffentlichkeit jedoch nicht zur Verfügung.

• Playtech (iPoker-Netzwerk) und die California Online Poker Association - Playtech hat bereits einen Deal vereinbart und erklärt, dass man eine Seite betreiben wird, sollte Kalifornien innerstaatliche Legalisierung von Online-Poker in die Wege leiten. Man kann davon ausgehen, dass eine solche Seite auch bereit wäre, in den gesamten USA zu operieren, wenn man die entsprechende Gesetzgebung auf nationaler Ebene verabschiedet.

Gescheiterte Partnerschaften

• PokerStars und Wynn Resorts - Rund drei Wochen vor dem Black Friday gab Steve Wynn bekannt, dass Wynn Resorts eine Partnerschaft mit PokerStars eingehen werde, um die Seite PokerStarsWynn.com zu gründen, die nach entsprechender Gesetzgebung US-Spieler akzeptieren würde. Nach den Anklagen des Black Friday zog sich Wynn jedoch aus dem Deal zurück.

• Full Tilt Poker und Station Casinos - Im Falle von Full Tilt Poker und Station Casinos war die Situation nahezu identisch. Eine Übereinkunft wurde kurz vor dem Black Friday erreicht und Station Casino zog sich zurück, als das Full Tilt-Management angeklagt wurde.

Ein Blick in die Zukunft

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Foxwoods Resort Casino

Während einige der oben aufgeführten Unternehmen bereits Partnerschaften vorweisen können, stehen zusätzliche Deals zwischen weiteren Größen der Industrie noch aus. Das ist vor allem hinsichtlich PokerStars und Full Tilt Poker äußerst interessant.

Diese beiden Anbieter besitzen definitiv die beste Software und zum ersten Mal sieht es so aus, also ob sie tatsächlich zu gegebener Zeit in den US-Markt zurückkehren dürfen.

Größen der amerikanischen Casinoindustrie wie Wynn Resorts, Las Vegas Sands und der Mashantucket Pequot Tribe, welcher das Foxwoods Resort Casino (das größte der USA) betreibt, müssen sich entscheiden, ob sie ihre eigenen Onlinedienste entwickeln oder sich auf die Suche nach Partnerschaften begeben wollen.

Diese Unternehmen sollten recht interessant für Anbieter sein, die noch keine richtige Möglichkeit haben, einen eventuellen Zugang zum US-Markt zu erhalten, beispielsweise das Microgaming-Netzwerk und Everest Poker.

Eine Sache ist sicher - niemand will auf der Strecke bleiben und den entscheidenden Schritt verpassen. Hoffentlich kehren bald die Tage zurück, an denen Amerikaner und Europäer gemeinsam an denselben virtuellen Tischen Platz nehmen und darüber debattieren, welche Region die größeren Fische hervorbringt.

von Matt Kaufman