Der beste Spieler ohne Major-Titel? - Interview mit Martin Jacobson
Heute sprechen wir mit dem professionellen Pokerspieler Martin Jacobson, der trotz hervorragender Turnierergebnisse in den vergangenen drei Jahren noch nicht ein großes Event gewinnen konnte.
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| Martin Jacobson |
Der Sieg bei einem WPT-, EPT- oder WSOP-Turnier wird von vielen Spielern als absoluter Höhepunkt des Turnierpokers bezeichnet. Diejenigen, die das bereits erreicht haben, gehören zu einer exklusiven Gruppe von Spielern, die von ihren Kollegen nicht nur neidisch angeschaut und viel Aufmerksamkeit in den Pokermedien bekommt. Die Turniersieger können sich auch meist über einen Sponsorendeal freuen.
Aber ist das wirklich alles? Braucht man unbedingt einen großen Pokertitel? Ein Spieler, der das vielleicht etwas anders sehen könnte, ist Martin Jacobson. Für den schwedischen Pokerprofi hat es bislang noch nie zum ganz großen Wurf gereicht, doch immer wieder liest man von ihm und seinen guten Ergebnissen.
Jacobson konnte zwar noch keinen der drei oben genannten Major-Titel gewinnen, doch seit 2008 schaffte er es bei Events der drei großen Turnierserien siebenmal an den Final Tisch. Drei Mal kam er sogar ins Heads-Up:
| Datum | Event | Platz | Preisgeld |
| Oktober 2008 | EPT Budapest | 4. | 197.904€ |
| Mai 2009 | WPT Venice | 2. | 238.840€ |
| Juni 2009 | WSOP Event # 34 | 8. | $65.486 |
| August 2010 | EPT Vilamoura | 2. | 297.985€ |
| Januar 2011 | EPT Deauville | 2. | 560.000€ |
| April 2011 | EPT Berlin | 4. | 230.000€ |
| September 2011 | WPT Paris | 6. | 88.900€ |
Wir haben uns mit Jacobson kurz vor dem Start des WSOPE Main Events unterhalten und ihn zu seinem großartigen Final Table-Run befragt.
PokerStrategy.com: Martin, du belegst konstant bei großen Turnieren die vorderen Plätze, konntest aber noch nie einen Major-Titel gewinnen. Kann man sagen, dass du die "besten Turnierergebnisse ohne Major-Titel" eingefahren hast?
Martin Jacobson: (Lacht.) Ich habe ehrlich gesagt keine Vorstellung, denn ich habe das jetzt nicht überprüft. Aber sollte es stimmen, wäre das eine coole Sache. Das würde doch bestimmt als Weltrekord durchgehen, oder?
PokerStrategy.com: Wie fühlt sich so etwas an - bist du frustriert darüber, bislang noch keinen Titel gewonnen zu haben oder betrachtest du deine Ergebnisse trotzdem als starke Leistung?
Martin Jacobson: Natürlich blicke ich positiv auf das Erreichte zurück. Es kommt mir mehr darauf an, dass ich konstant Erfolg habe und Final Tables erreiche als einen großen Titel zu gewinnen und ansonsten nichts Zählbares in den vergangenen drei Jahren.
Konstanz ist außerdem ein netter Selbstvertrauensboost, der sehr wichtig ist, um sein bestes Spiel zu zeigen. Der einzige Zeitpunkt, bei dem ich etwas frustriert bin, ist der Moment nach dem Ausscheiden. Aber: Wenn man an einem Wettbewerb teilnimmt, kommt es - sollte man nicht gewinnen - nicht auf die Platzierung an. Man ist dann immer mehr oder weniger enttäuscht.
"Ich könnte mein Heads-Up-Game definitiv verbessern, um mich beim nächsten Mal in eine bessere Position zu bringen."
PokerStrategy.com: Hast du dein Spiel nach den ganzen Final Tables verändert?
Martin Jacobson: Ich denke nicht, dass man das sagen kann. Ich versuche von Turnier zu Turnier mein Spiel zu verbessern. Die Zeiten, in denen ich am meisten mein Spiel verbessere, sind die Zeiten, in denen ich weit bei Turnieren nach vorne gelange. Je weiter man bei einem Turnier kommt, desto mehr ist man fokussiert und desto höher ist automatisch die Aufmerksamkeit. Ich denke, dass das Hand in Hand mit der Lernfähigkeit geht.
Bei jedem Turnier versuche ich immer mein A-Game zu bringen und die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen. Ich nehme mir immer einen Tag Zeit, um ein Turnier in Ruhe noch mal durchzugehen.
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| Sieben Final Tables, $2,6 Millionen Preisgeld - aber ein Titel fehlt noch |
PokerStrategy.com: Bei drei großen Events hast du den zweiten Platz belegt. Wie zufrieden bist du mit deinem Heads-Up-Spiel?
Martin Jacobson: Ich könnte mein Heads-Up-Game definitiv verbessern, um mich beim nächsten Mal in eine bessere Position zu bringen, wenn ich die absolut letzte Etage eines Turniers erreiche. Doch davon abgesehen denke ich auch, dass das Kartenglück in diesen Matches nicht auf meiner Seite war.
Etwas, dass ich beim nächsten Mal anders machen könnte oder möglicherweise machen werde: Geduldiger sein, auf große Hände warten und beispielsweise weniger mit schlechten Händen bluffen.
"Das Fehlen der Titel fühlt sich eher wie ein Luxusproblem an als eine Sache, über die man sich beschwert."
PokerStrategy.com: Bei all diesen Final Tables: Welchen denkst du, hättest du gewinnen sollen und welcher Turniersieg hätte dir am meisten bedeutet?
Martin Jacobson: Ich denke, dass ich die WPT Venice im Jahr 2009 gewinnen hätte sollen. Ich habe die Gegner auf meinen Weg in das Heads-Up regelrecht weggefegt und war sehr zuversichtlich, da ich gegen einen Spieler antreten musste, der das gesamte Turnier über sehr tight agierte.
Leider wurde er etwas looser und hatte das Kartenglück auf seiner Seite und auch wenn ich der Meinung bin, dass ich nicht viel anders hätte spielen können, war ich direkt danach sehr enttäuscht. Das Ganze passierte dann noch zweimal in den nächsten beiden Jahren!
Das Turnier, das mir am meisten bedeutet hätte, wäre die EPT Berlin gewesen. In einer EPT Season zweimal auf Platz zwei zu landen und einen Turniersieg einzufahren, wäre ziemlich sick gewesen. Besonders in der Reihenfolge.
PokerStrategy.com: Denkst du, dass du gut gerunnt bist und so viele Final Tische erreicht hast oder eher, dass du schlecht gerunnt bist und so viele Titel verpasst hast?
Martin Jacobson: Ich denke, dass ich besonders bei ausschlaggebenden Situationen sehr gut gerunnt bin. Ich habe weniger 10. bis 27. Plätze belegt und stattdessen einige Final Tables erreicht. Das Fehlen der Titel fühlt sich eher wie ein Luxusproblem an als eine Sache, über die man sich beschwert.
PokerStrategy.com: Zeigen deine Leistungen, dass du zu den besten Spielern gehörst oder fehlt dir dazu der Major-Titel?
Martin Jacobson: Ich denke schon und ich gehe davon aus, dass viele professionelle Spieler zustimmen würden. Auch wenn es nicht oft vorkommt, dass ein schlechter Spieler ein großes Turnier gewinnt, ist es deutlich unwahrscheinlicher, dass es der gleiche Spieler mehrmals an den Final Tisch schafft. Da müsste er nicht nur bei einem Turnier unfassbar viel Glück haben, sondern gleich bei mehreren.
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