Die HUD-Debatte ist eskaliert
Bei partypoker hat man HUDs und herunterladbare Handverläufe verboten und damit für immensen Aufruhr innerhalb der Pokercommunity gesorgt.

Eine der großen Debatten, mit denen man sich schon seit Jahren in der Online-Pokerszene befasst, dreht sich um die vor allem bei ambitionierten Spielern beliebten Heads-Up Displays (HUDs). Für einige sind sie völlig fair, hat doch im Grunde jeder Zugriff darauf. Andere wiederum sehen darin einen unfairen Vorteil oder schlichtweg ein schlechtes Image für das Spiel, das Hobbyspieler von den Tischen vergrault.
Nun hat man bei partypoker in dieser Woche drei große Änderungen vorgenommen, wodurch besagte Debatte noch einmal deutlich eskaliert ist:
- Sämtliche Spieler mussten ihren Screenname wechseln
- Die Nutzung von HUDs wurde explizit untersagt
- Die Option zum Herunterladen von Handverläufen wurde entfernt
Alle drei Maßnahmen haben zum Ziel, den Vorteil von Spielern zunichte zu machen, die auf eine große Datenbank von Handverläufen zurückgreifen. Der Wechsel der Screennames hat bewirkt, dass zuvor gesammelte Handverläufe nutzlos wurden. Das Verbot von HUDs wird dafür sorgen, dass neu gesammelte Statistiken durch getrackte Hände nicht in Echtzeit direkt an den Tischen gegen Spieler verwendet werden können. Das Fehlen der Download-Funktion für Handverläufe, die nach wie vor in der Software eingesehen werden können, soll das Teilen von eben jenen Handverläufen unterbinden.
Wer auf der Suche nach weiteren Beweggründen für den radikalen Schritt von partypoker ist, muss nur einen Blick in den Twitter-Account von partypoker-LIVE-Boss Rob Yong werfen. Der hat bei seinen Antworten im nachfolgend verlinkten Twitter-Feed kein Blatt vor den Mund genommen, was uns eine faszinierende Lektüre beschert, wenn man denn wissen will, in welche Richtung sich partypoker nun genau bewegen will:
Mon 17th June @partypoker bans HUDS, stops downloading of hand histories + all players choose new alias https://t.co/L5WbWApmaa Are you;
— robyong (@rob_yong_) June 16, 2019
Grinder mit hohem Spielvolumen sind selbstverständlich gegen das HUD-Verbot, sorgen die Echtzeit-Statistiken doch überhaupt dafür, dass man eine Vielzahl von Tischen mit akzeptabler Edge spielen kann. Einige sehen darin einen unfairen Vorteil, da der Großteil der statistischen Daten gar nicht bewusst von den Nutzern während des Spielens beobachtet wird. Für andere ist die Nutzung eine Aushebelung des Nachteils, den Multitabler bewusst eingehen, wenn sie in Kauf nehmen, aufgrund der schieren Anzahl an Tischen nicht auf alle den Fokus richten zu können.
Egal ob das der Fall ist oder nicht, man kann schwer argumentieren, dass HUDs oder Software generell eine Art Einstiegsbarriere für potenzielle Online-Spieler darstellen. Ob nun korrekterweise oder nicht sehen einige in HUDs schlicht einen unfairen Vorteil. Yong aber argumentiert, dass sich ein neuer Spieler wieder direkt von Poker abwenden könnte, wenn er realisiert, dass er nach seiner Ersteinzahlung einem Gegner gegenüber gesetzt wird, der bereits zahlreiche statistische Informationen zu seinem Spiel hat.
I don’t think HUDs as big advantage as everyone thinks TBH. I think it’s just as important for the good of poker that these tools go from a image standpoint as well as giving players and edge. Show a new players this ? pic.twitter.com/Iqyw7TndXq
— robyong (@rob_yong_) June 17, 2019
Das Gegenargument lautet, dass ein HUD erst richtig zum Tragen kommt, wenn ein Regular auf einen anderen Regular trifft, da Hobbyspieler schlichtweg gar nicht das Spielvolumen produzieren, das erforderlich ist, damit die Informationen in einem HUD tatsächlich verlässlich werden.
Einige Grinder bringen aber trotz dessen Verständnis für das HUD-Verbot auf, vereinzelt wurde der Schritt sogar begrüßt. Deutlich mehr Kritik mussten partypoker und Yong allerdings für die Entfernung von herunterladbaren Handverläufen einstecken. Yong erklärte, dass man damit das Teilen von Handverläufen unterbinden will, was bekanntlich eine Rolle bei der unfassbaren Verlustserie von Viktor Blom gespielt hat.
Look at what happened to @ViktorBlom - they shared his HH and colluded him out of $5M.
— robyong (@rob_yong_) June 17, 2019
Viele Argumente wurden vorgebracht, dass der Download von Handverläufen Spielern dabei hilft, das eigene Spiel abseits der Tische zu verbessern. Der Großteil der Kritik aber kam vor allem auf, weil Trackingsoftware auch dabei hilft, Betrug und die Nutzung von Bots zu unterbinden. Die Aufdeckung vieler Betrugsfälle der Vergangenheit, darunter der Superuser-Skandal bei UltimateBet und Absolute Poker, wurde erst von Trackingsoftware überhaupt ermöglicht. Das Team hinter Hold'em Manager, die verständlicherweise ein Interesse daran haben, dass die Nutzung von HUDs erlaubt bleibt, hat die Speerspitze bei dieser Seite der Debatte gebildet.
Konfrontiert mit diesem Argument haben Yong und andere Repräsentanten von partypoker, darunter auch unser Ex-Coach pleno1, lediglich versucht die Gegenseite davon überzeugen, dass man Vertrauen in das Sicherheitssystem bei partypoker stecken kann und es nichts zu befürchten gebe. Und das obwohl Nick Jones von pokerfuse aufgezeigt hat, dass 25% der vor Kurzem gesperrten Bots bei partypoker durch Spielerberichte und nicht von internen Systemen identifiziert wurden:
100 out of 413 accounts closed for bots or collusion in last 6mnths came from player reports.
That's 24% - I wouldn't classify that as "very unlikely" but rather "actually very likely to happen".
In fact, it happened at a rate of one time every other day. pic.twitter.com/aNcjIdG8bg
— Nick Jones (@pokerprojones) June 18, 2019
Interessanterweise hat man im MPN-Netzwerk in dieser Woche die eigene Entscheidung revidiert und den Download von Handverläufen wieder ermöglicht. Nach eigenen Worten habe man schlichtweg einen Fehler gemacht, wolle die Partien für Spieler wieder transparenter machen, ihnen dabei helfen das eigene Spiel zu verbessern und gesetzliche Vorschriften in Bezug auf Datenportabilität erfüllen:
We got it wrong.
Tomorrow we are changing our policy on Hand Histories and tracking software. Read more here: https://t.co/EHUO2yhIzh pic.twitter.com/D38zCHEazS
— MPN (@ThrillOfPoker) June 17, 2019
Das Thema, wie man faire Rahmenbedingungen für alle schaffen kann, geht also in die nächste Runde. Es scheint, dass jeder Anbieter auf eigene Weise versucht, allzu skrupellosem Spielerverhalten Einhalt zu gebieten, ob nun mittels blinder Lobbys, anonymer Tische, neuen Formaten, reduzierten Rakeback-Prämien oder Einschränkungen von Drittanbieter-Software. Man kann zweifellos sagen, dass Online-Poker ein Imageproblem hat, zu dem auch die Nutzung von HUDs beigetragen hat. Die Zeit wird aber zeigen, ob nicht ein viel größerer Imageschaden dadurch zustande kommen kann, dass Spieler nicht mehr in der Lage sind, auf eigene Faust Betrug aufzudecken in den Partien, an denen sie teilnehmen.
Auf welcher Seite der Debatte steht ihr? Ist das HUD-Verbot richtig, sollten Handverläufe aber weiterhin zum Download bereit stehen?