Die Niederlande bleibt dabei: Poker ist Glücksspiel
Trotz einer mathematischen Formel dreier Hochschulprofessoren, die den Glücksfaktor im Verhältnis zum Geschicklichkeitsfaktor untersucht, beharrt die niederländische Politik darauf, das Poker ein Glücksspiel sei.
Vor knapp zwei Monaten verkündete der niederländische Professor für Mathematik, Ben van der Genugten (Bild rechts unten), in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen eine Formel, die den Glücksfaktor verschiedener Spiele mit dem Geschicklichkeitsfaktor vergleicht.
Die Formel im Detail
Das Ergebnis der Formel war, das Poker ein enorm hohen Geschicklichkeitsfaktor aufweise und die Einstufung als Glücksspiel nicht korrekt sei. Im exakten lautet die Formel:
Geschick = Lerneffekt / (Lerneffekt + Chanceeffekt)
Dabei wird der Lerneffekt als die Differenz der Pokerfähigkeiten eines Anfängers und eines perfekten Spielers definiert. Spiele, die reinweg vom Glück abhängen, besitzen den Lerneffektfaktor 0, während Spiele mit erhöhtem Geschicklichkeitsfaktor naturgemäß einen höheren Lerneffekt haben. Für Poker legten die Professoren nach eingehenden Untersuchungen und Tests an Probanden einen Faktor von 0,3 fest. Dem Schachspiel wiesen die Professoren beispielsweise einen Lerneffektfaktor von 0,4 zu.
Politik ignoriert Erkentnis der Wissenschaft
Gespannt wartete man auf politische Reaktionen zu der vorgestellten Formel. Nun äußerte sich der niederländische Justizminister Ernst Hirsch Ballin zu Wort. Dieser stellte klar, dass die Niederlande nicht daran interessiert seien, das Thema vor den höchsten Gerichtshof zu bringen.
Außerdem verwies er seinerseits auf eine Studie der Universität Twente, nach der Poker ein erhöhtes Suchtpotential aufweise. Die bestehende Regelung werde daher beibehalten und kein offenes Lizenzierungsverfahren angestrebt.
Kampf gegen Onlinepoker geht weiter
Stattdessen kündigte man an, in Zukunft härter gegen Onlinepokerräume vorzugehen, die ihre Dienste nach Auffassung des Ministers illegal anbieten würden. Das die Pokerräume da natürlich anderer Meinung sind, liegt auf der Hand. Sie berufen sich ihrerseits auf die Römischen Verträge, nach denen ein Unternehmen seine Dienstleistungen in der gesamten Europäischen Union anbieten darf, wenn es in einem der Mitgliedsstaaten eine Lizenz besitzt.
Die Gerichte müssen entscheiden
Besonders brisant ist der Zusammenhang für ein derzeit in den Niederlanden laufendes Verfahren gegen zwei private Anbieter von Pokerturnieren, die sich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft berufen.

