Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Die Verlockung von 100% Rakeback

Barry Carter hat einen Blick auf die neue Promoaktion von GGPoker geworfen und geht der Frage auf den Grund, ob die 100% Rakeback die richtigen Spielern erreichen...

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Den besten High Rollern bei GGPoker winken 100% Rakeback

Vor Kurzem hat GGPoker ein neues SuperRanking-Leaderboard für die Super MILLION$ vorgestellt, ein regelmäßiges High-Roller-Turnier beim Marktführer mit einem Buy-in von $10.300. Dabei erhalten die drei erfolgreichsten Spieler des Jahres 2023 bei dem wiederkehrenden Turnier einen 100% Rakeback-Deal für das gesamte Jahr 2024.

Mittlerweile sind derart hoch dotierte Rakeback-Deals nicht mehr besonders gängig. Seit den Zeiten, als PokerStars noch den Supernova-Elite-Status vergab, hat sich die Pokerbranche erheblich gewandelt. Hohe Rakeback-Deals führen zu tougheren Partien, da sie vermehrt gute Spieler an die Tische locken – und Regulars spielen bekanntlich oft viele Tische gleichzeitig. So wurden bereits Maßnahmen wie die Einschränkung von Multitabling und das Verbot von HUDs ergriffen, um Regulars mit sehr hohem Spielvolumen entgegenzuwirken.

Dass man in der heutigen Zeit also eine Promoaktion mit 100% Rakeback für ein gesamtes Jahr einführt, erscheint recht überraschend. Es ist aber ein durchaus genialer Schachzug von GGPoker, da es sie technisch eigentlich nichts kostet, für die Gewinner jedoch einen enormen Mehrwert darstellen kann.

Werden die falschen Spieler belohnt?

Mein einziges Problem mit der Promo ist, dass der Traum von 100% Rakeback für die meisten Spieler kaum zu erreichen ist. Die Aktion zielt nicht auf Spieler ab, die sich diese Belohnung am meisten wünschen.

Für die Turnierspieler, die um einen Platz auf dem Podium des Leaderboards kämpfen, ist ein Rakeback-Deal sicher nicht so entscheidend wie zum Beispiel für Cashgame Spieler. Allerdings stellt die Aussicht, das ganze Jahr 2024 rakefrei Turniere spielen zu können, auch für Turnierspieler einen massiven Anreiz dar – gerade in Zeiten immer tougher werdender Partien.

Es gibt wahrscheinlich weltweit nur eine Gruppe von 20 High-Stakes-Spielern, die eine reelle Chance haben, die Promotion für sich zu entscheiden. Für diese üblichen Verdächtigen wäre ein besserer Rakeback-Deal mutmaßlich nur ein kleiner Bonus.

Regulars auf den Midstakes sowie Spin-&-Go-Grinder würden von dieser Aktion am meisten profitieren – Spieler also, für die das Volumen den vielleicht wichtigsten Erfolgsfaktor darstellt.

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Mit SuperNova Elite konnte man sechsstellige Summen einstreichen

In den guten alten Zeiten war es selbst für Breakeven-Spieler durchaus möglich von einem guten Rakeback-Deal zu leben. Der heilige Gral dieser Zeit war der Supernova-Elite-Status bei PokerStars, der einem sechsstelligen Wert entsprach. Alle Spieler, die über $200.000 Rake erzeugen konnten, wurden mit diesem Status ausgezeichnet. Der große Konkurrent Full Tilt Poker hat derweil die sogenannte Red-Pro-Sponsorings vergeben, die 100% Rakeback und $30 für jede Stunde an den Tischen des Anbieters umfassten.

Hohes Rakeback schlecht für das Spiel?

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Red Pros bei Full Tilt bekamen 100% Rakeback und $30 pro Stunde

Mit Poker gehen viele Ungewissheiten einher, sodass die garantieren Rakeback-Zahlungen einen festen Baustein ausmachten, den Pokertraum am Leben zu erhalten. Man konnte sein Jahr planen. Solange man sein Spielvolumen eingehalten hat und nicht broke ging, konnte man sich in der Spitze auf einen schönen, sechsstelligen Zufluss freuen.

Wenn aber GGPoker schon 100% Rakeback als Marketinginstrument einsetzen möchte, wäre es meiner Meinung nach viel besser, diese lukrative Chance dem allgemeinen Spielerpool zugänglich zu machen und nicht nur einer Reihe an High Rollern. Es gibt bei GGPoker bereits monatliche Leaderboards für jede Variante. So wären auch jährliche Belohnungen für die eifrigsten Spieler denkbar.

GGPoker würde sich damit allerdings auf dünnes Eis begeben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Promos, die auf reinem Spielvolumen basieren, anfällig für ungewünschtes, wenn nicht gar betrügerisches Spielverhalten sind. So wurde zum Beispiel auch einem ehemaligen Red Pro bei Full Tilt Accountsharing nachgewiesen. Vielleicht kann man aber einen Mittelweg finden, der es auch Midstakes-Spielern erlaubt, 100% Rakeback zu erreichen, ohne dass dabei ausschließlich das Volumen gewertet wird.

Wenn ich in meiner Zeit in der Pokerbranche eins gelernt habe, dann dass Gewissheit für viele verlockender ist als die Chance auf einen enormen Gewinn. Deswegen ist 100% Rakeback für viele auch heute noch deutlich reizvoller als die Möglichkeit, bei einem Mega-Event wie dem PSPC um eine mögliche, aber doch sehr unwahrscheinliche Millionensumme zu spielen.