Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Die Zukunft von sozialer Distanz beim Live-Poker

Die Coronavirus-Pandemie wird wohl noch monatelang Einschränkungen im sozialen Miteinander zur Folge haben. Den Ablauf von Live-Partien könnte der Virus dabei langfristig ändern.

Kurz vor der endgültigen Eskalation der Lage hatte die Vereinigung der Turnierdirektoren noch Empfehlungen für Veranstalter ausgesprochen, die nach wie vor an ihrem Angebot von Live-Poker festhielten. Mittlerweile dürfte jedes Turnier in den Hauptmärkten abgesagt und ein Casinobesuch ohnehin von staatlicher Seite untersagt sein. Dennoch liefern uns die Empfehlungen einen Einblick darauf, wie sich die Live-Partien wohl gestalten werden, wenn sich die Welt allmählich von der Pandemie erholt:

Der Verweis auf absolute Sauberkeit wird niemanden überraschen. Die Zukunft von Live-Poker und dem Leben an sich wird von uns allen erfordern, dass wir unsere Hände häufiger waschen und unsere Umgebung so gut wie möglich keimfrei halten. Bevor es zur flächendeckenden Absage kam, hatten die meisten Veranstalter bereits bekannt gegeben, dass man bei Turnieren und Events für ausreichend Desinfektionsmittel für alle Spieler sorgen würde, während man auch das Equipment regelmäßig reinigen und die Kartendecks deutlich häufiger austauschen wollte.

Weniger Spieler pro Tisch

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Mehr Distanz zwischen den Plätzen

Noch interessanter für die Zukunft von Live-Poker dürfte allerdings der in der Krise in den Fokus gerückte Aspekt sozialer Distanz sein. Es ist grundsätzlich natürlich nicht möglich, ein Pokerturnier auszurichten, ohne dass Menschen beieinander sitzen und miteinander in Kontakt kommen. Man kann aber dafür sorgen, dass es nicht so beengt zugehen muss, wie es in der Vergangenheit der Standard war. Vor Jahren war es nicht ungewöhnlich, dass man bis zu elf Menschen an einem einzigen Tisch platziert hat. Aktuell empfehlen die Turnierdirektoren, ohne Berücksichtigung der Krisenzeit, neun oder weniger Spieler pro Tisch. Warum aber nicht noch weitergehen?

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um 6-max-Tische zum neuen Standard zu machen? Es gibt viele Spieler (hauptsächlich online), die sich genau das für spannendere Partien ohnehin wünschen, aber es scheint auch davon abgesehen ein guter Kompromiss, wenn es darum geht, den Ablauf von Poker nicht zu sehr auf den Kopf zu stellen, aber dennoch die neue Zeitrechnung nach einem derart global grassierenden Virus zu berücksichtigen. Die WHO empfiehlt einen Abstand von mindestens einem Meter zu Leuten, die krank sein könnten, was beim Live-Poker aber nur schwer in Gänze umzusetzen ist. 6-max anstelle von Full Ring könnte aber die machbare Alternative sein.

Für die Veranstalter bedeuten Shorthanded-Events natürlich ein Mehr an Kosten, die aber bei Weitem nicht so hoch ausfallen, wie manch einer vielleicht denken mag. In Gesprächen mit Turnierdirektoren, die 6-max-Turniere organisiert haben, hat sich herausgestellt, dass man zwar mehr Tische benötigt, sich die Tische aber auch schneller auflösen, wodurch ein Teil der Mehrkosten wieder eingespart werden.

Elektronische Tische?

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Ist das die Zukunft von Live-Poker?

Eine Maßnahme, mit der man das Risiko einer Virusverbreitung beim Live-Poker massiv verringern könnte, wäre die Einführung elektronischer Tische. Es wäre ein überaus starker Anreiz, nachdem sich die Tische in der Vergangenheit nicht durchsetzen konnten. Man bräuchte keinen Dealer, hätte automatisch also noch mehr Platz, zudem würden keine Chips und Karten regelmäßig die Hände wechseln. Mich beschleicht aber das Gefühl, dass ein solches Setup nicht auf viel Begeisterung bei den Menschen stoßen würde. Zu vielen dürfte das Handhaben der Chips und Karten als Teil des Erlebnisses fehlen, darüber hinaus würden etliche Mitarbeiterjobs in den Casinos verloren gehen. Das regelmäßige Händewaschen und ein Mehr an Hygiene dürfte deutlich kosteneffektiver sein, um die Verbreitung eines Virus einzudämmen.

Im Gesamtzusammenhang ist die Frage, wie sich Poker aufgrund von COVID-19 verändern wird, natürlich trivial. Allerdings dürfte der Coronavirus beim Live-Poker ähnliche Einschnitte wie der Black Friday beim Online-Poker hinterlassen. Es bleibt zu hoffen, dass die Pokerindustrie die richtigen Schlüsse aus der Pandemie zieht und ihre Verantwortung nicht zur Seite schiebt, auch nach Überstehen der Krise für mehr Sicherheit zu sorgen, was die mögliche Verbreitung von Viren betrifft.