Die beste Art Poker zu lernen: Software
Zum Abschluss unserer Artikelreihe zu den Vor- und Nachteilen verschiedener Lernmethoden werfen wir einen Blick auf Solver-Software, die das Spiel an den Pokertischen grundlegend geändert hat.

Heute beenden wir eine vierteilige Artikelreihe, bei der wir einen Blick auf die Vor- und Nachteile der verbreitetsten Lernmethoden im Spiel geworfen haben. Den Anfang hatten Videos und Streams gemacht, im Anschluss folgten traditionelle Pokerbücher und Handdiskussionen. Nun richten wir abschließend den Blick auf Pokersoftware, insbesondere neuartige Solver-Technologie.
Darunter fallen etliche verschiedene Tools wie zum Beispiel GTO-Postflop-Solver wie PIOSolver und PokerSnowie oder ICM-Software wie der HoldemResources Calculator und ICMIZER. Solver an sich gibt es schon eine ganze Weile, aber erst in den letzten Jahren wurden Bedenken aus Ecken der Pokerszene laut, dass sie dem Spiel schaden würden, indem sie es unschlagbar oder zumindest sehr langweilig machen würden.
Persönlich habe ich kein Problem mit irgendeiner Form von Solver-Software, solange man sie nicht in Echtzeit an den Tischen nutzen kann. Es ist eine Sache, die "korrekte" Antwort auf einen Spot zu liefern, aber ob ein Spieler auch in der Lage ist, die Daten korrekt zu interpretieren, steht auf einem anderen Blatt. Wie bei jeder Lernform kann ein schlechter Spieler die Orientierung und Hilfe, die ein Solver bieten kann, falsch anwenden und seinem Spiel eher schaden.
Die "korrekte" Antwort auf Pokerfragen

Solver sind für fähige Spieler jedoch die beste Art zu lernen, weil sie – wie schon der Name verrät – eine Lösung für einen Spot liefern. Abseits von GTO-Situationen ist natürlich aber der jeweilige Read entscheidend. Man kann einen Bubblespot von ICMIZER durchrechnen lassen, liegt man jedoch bei der gegnerischen Shovingrange falsch, wird einem die Analyse auch nicht viel bringen.
Verwendet man Solvertools jedoch richtig, kann man sehr viel von ihnen lernen und sein Spiel auf ein neues Niveau bringen. Auch dem Mental-Game kommt es zugute, wenn man weiß, dass man die mathematisch richtige Entscheidung getroffen hat und lediglich Pech hatte oder dass man sein Spiel nach wie vor verbessern kann, weil man mithilfe von Solvern Fehler darin erkennt.
Solver sind also vor allem für fleißige lernbereite Spieler geeignet, die die Arbeit am Spiel abseits der Tische genauso genießen wie die Zeit an den Tischen, weil man mit den Tools sehr tief in die Materie eintauchen kann. Ich kenne ein paar Super High Roller, die am Tag 16 Stunden in die Arbeit mit GTO-Solvern stecken, wenn sie nicht am Spielen sind. Ein weiterer Vorteil, der sich durch Softwaretools bietet, ist, dass man auch eigenständig mit ihnen arbeiten kann ohne Coach oder gleichgesinnte Spieler. Zudem handelt es sich um eine weniger passive Form des Lernens, vergleichbar vielleicht mit einer Puttingrange beim Golf, bei der man eine Hand "üben" kann, ohne Geld zu riskieren.
Eine große Einstiegsbarriere

Wer lernbereit ist und genau darin den Weg zum Erfolg sieht, der wird mit Solvern zweifellos sein Glück finden. Sieht man die Arbeit am Spiel abseits der Tische aber eher als Pflicht statt Kür, dann könnte die erhoffte Wirkung ausbleiben. Manche Tools erfordern viel Lernbereitschaft, auch was die vielfältigen Funktionen der Software selbst betrifft, die durchaus überwältigend und abschreckend wirken können.
Für neue Spieler besteht auch eine Einstiegsbarriere aufgrund der Anschaffungskosten, da die meisten guten Solver recht teuer sind oder ein monatliches Abonnement erfordern. Bedenkt man, wie günstig Bücher sind oder dass Twitch-Streams, Videos und der Zutritt zu Diskussionsforen sogar komplett gratis sind, dürften Solver nicht zuletzt wegen ihrer Komplexität wohl die schlechteste Lernmethode darstellen, wenn man gerade erst am Anfang seiner Pokerlaufbahn steht.
Meint man es jedoch ernst mit Poker und will man vorankommen, wird man an Solvern nicht vorbeikommen. Sie werden nicht verschwinden und weiterhin stark beeinflussen, wie das Spiel gespielt wird. Während sie also nicht für jedermann sind, kann man sie als ambitionierter Spieler schlichtweg nicht ignorieren.
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