Dominik Nitsche: "Ich will ein High Roller gewinnen"
Im Interview sprechen wir mit einem der erfolgreichsten deutschen Spieler über Bracelets, Swap-Deals, die Arbeit an seinem Spiel und die Freiheiten, die ihm Poker ermöglicht hat.
Im Vorfeld der UKIPT und EPT in Dublin hatte uns Dominik '
Gesagt, getan! Wie gestern berichtet, konnte sich der deutsche PokerStratege den Sieg beim "€2.200 UKIPT High Roller" schnappen und durch weitere Top-Platzierungen beim Turnierfestival insgesamt rund €400.000 einsacken. Im Interview erfahrt ihr mehr über einen der aktuell besten deutschen Spieler:

PokerStrategy.com: Sorry, aber diese Aktion hat für viele Lacher gesorgt. War das dein bisher schnellster Turnierabgang?
Dominik '
PokerStrategy.com: War es der schlechteste Swap-Deal, den du je mit einem anderen Spieler gemacht hast?
Dominik '
PokerStrategy.com: Was war der bisher beste?
Dominik '
"Hellmuths Rekord schlage ich nie"

PokerStrategy.com: Glaubst du, dass die Profis Live-Turniere überhaupt nachhaltig spielen könnten, wenn es Staking oder Swaps nicht geben würde?
Dominik '
Aber das wäre nichts für mich. Ich spiele lieber um siebenstellige Preisgelder, selbst wenn es bedeutet, dass ich dafür ein paar oder manchmal auch sehr viele Anteile verkaufen muss.
Für mich persönlich ist das einfach profitabler als eigenständig niedrigere Stakes zu spielen. Ich bekomme außerdem in der Regel immer einen Mark-up, sodass es die Sache noch besser macht!
PokerStrategy.com: Denkst du, dass Poker insgesamt profitabler wäre, wenn Staking und Swapping nicht erlaubt wären? In diesem Fall würde es sicherlich weniger Pros in den Teilnehmerfeldern geben.
Dominik '
Wenn man sich Events mit günstigeren Buy-ins wie zum Beispiel die EPT anschaut, würde ein Verbot von Staking die Teilnehmerfelder wohl auf unter 200 pro Station bringen. Wäre das ein Turnier, das für mich mehr +EV ist? Ich denke schon. Je weniger Pros, desto besser.
PokerStrategy.com: Du hast in jungen Jahren bereits drei Bracelets auf deinem Konto. Ist der Gewinn der Armbänder das ultimative Ziel für dich im Hinblick auf deine Pokerkarriere?
Dominik '
Natürlich werde ich im Sommer versuchen mein viertes Bracelet zu gewinnen, aber ich weiß, dass ich schon sehr viel Glück hatte, überhaupt drei zu gewinnen. Weitere Bracelets zu gewinnen, ist für mich als No-Limit-Spieler einfach zu unrealistisch, um daraus ein konkretes Ziel zu machen. Ich werde es aber auf jeden Fall weiterhin versuchen.
PokerStrategy.com: Es gibt also keinen langfristigen Plan, um den Rekord von Phil Hellmuth zu brechen?
Dominik '
Ich will es beim No-Limit Hold'em in die Spitze schaffen, bevor ich irgendwelche anderen Varianten anfange und ich habe noch einen weiten Weg vor mir.
Es war zudem früher deutlich einfacher ein Bracelet zu gewinnen, als man die Dinger noch bei 2-Table-SNGs vergeben hat, bei denen nur fünf Spieler wussten, was sie eigentlich tun. Heutzutage kennt praktisch jeder zumindest die grundlegende Pokerstrategie, sodass es deutlich härter ist zu gewinnen.
"Mein Selbstvertrauen kommt von der Arbeit an meinem Spiel"

PokerStrategy.com: Schon in jungen Jahren bist du sehr erfolgreich, kannst um die Welt reisen und bist dein eigener Chef. Wenn es Poker morgen nicht mehr geben würde, glaubst du, dass es deinem nächsten Karriereschritt helfen oder schaden würde?
Dominik '
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, irgendwann noch einmal einem üblichen Berufsleben nachzugehen und für jemand anderes zu arbeiten. Poker hat mir alle Freiheiten gegeben, die ich im Leben haben will.
PokerStrategy.com: Wie behält man die Füße auf dem Boden bei derartigem Erfolg in jungen Jahren?
Dominik '
Wenn ich auf meinen Pokertag zurückblicke, gibt es immer mindestens zwei bis drei Hände, mit denen ich nicht glücklich bin. Das muss nicht einmal bedeuten, dass ich einen Fehler in diesen Händen gemacht habe. Es kann auch einfach ein Spot sein, in dem ich mir nicht sicher war, wie ich meine Range spielen soll.
Viel von meinem Selbstvertrauen beim Poker ist auf die tägliche Arbeit an meinem Spiel zurückzuführen. Das gibt mir stets eine ungefähre Idee davon, wie ich meine Range in bestimmten Spots spielen sollte.
Wenn es dann zu einem Spot kommt, den ich nicht komplett durchblicke, schreibe ich ihn mir auf, gehe nach Hause und rechne das Ganze durch, damit ich es beim nächsten Mal besser weiß.
PokerStrategy.com: Vielen Dank für das Interview, Dominik, und viel Erfolg auf deinem weiteren Weg!