EPT Dortmund: Rückblick
Fünf Tage war Dortmund das europäische Pokermekka und unzählige internationale Topstars fanden ihren Weg an die Tische im Casino Hohensyburg. Am Ende stand ein Traumfinale mit drei Deutschen auf dem Treppchen.

Schon vor der Eröffnung durch Turnierdirektor Thomas Kremser und den legendären Worten "Shuffle-up and Deal" vermeldete die PokerStars European Poker Tour Dortmund ihre ersten Rekorde. Über 150 Onlinequalifikanten hatten auf PokerStars einen Seat gewonnen – Rekord. Und nach Tag 1B war auch klar, dass mit 644 Teilnehmern ein neuer Teilnehmerrekord feststand.

Ein größeres, teureres und prestigeträchtigeres Turnier ist in Deutschland nicht zu finden, und so war es nicht verwunderlich, dass fast alles was Rang und Namen hat in der deutschen Pokerwelt, sich im Pott einfand.
Internationale Stars wie Johan Storakers Mike McDonald, Luca Pagano, William Thorson, Max Pescatori, Andreas Hoivold oder Dario Minieri sorgten außerdem für das nötige Flair eines EPT-Majors.
Das am Ende aber ausgerechnet zwei deutsche Youngsters für einen Knall sorgen sollten, hatten vorher wohl die wenigsten vermutet - oder nur im stillen zu hoffen gewagt. Doch genau dies gelang Sandra Naujoks und Holger 'tonding' Kanisch, die am Ende für ein deutsches Traumfinale sorgten.
Bereits Tag 2 deutete an, dass es die drei sein sollten, die dem Turnier ihren Stempel aufdrücken wollten. Holger übernahm an dem Tag durch eine mehr als solide Leistung den Chiplead, Marc setzte sich auf Rang 2, und Sandra auf Rang 3.

An Tag 3 musste sie sich am TV Featured Table mit Größen wie Luca Pagano (Bild rechts mit Sandra) und Mike McDonald herumschlagen, die sie am Final Table wieder sehen sollte. Auch hier spielte sie solides Poker und ließ sich auch von großen Namen nicht einschüchtern.
Aber auch tonding (Bild links) fiel nicht nur durch sein Spiel, sondern auch durch seine psychologische Abgeklärtheit in den entscheidenden Situationen auf, und am Ende stand, zumindest für die deutsche Pokerwelt, schon so etwa wie ein Traum-Heads-up.
Beide Spieler hatten den Sieg verdient, und vor dem Duell hätte man wohl keinen klaren Favoriten nennen können.
Und so entwickelte sich das Finale dann auch zunächst. tonding ging mit einer Führung von 3.735.000 zu 2.905.000 bei Sandra ins Heads-up. Wirklich dominieren konnte das Spiel dann aber zu Beginn keiner, auch wenn Holger das bessere Poker spielte. Die Karten ließen keine Vorentscheidung zu, bis es zum ersten All-in kam.
Preflop limpte Sandra (Bild rechts) in den Pot, und Holger checkte seine Option im Big Blind. Beim Flop 5-6-7 spielte Sandra die mögliche Straße an. tonding raiste, Sandra reraiste All-in und Holger callte instant mit Pocket-Jacks. Sandra drehte die Asse um, und hatte Holger genau da, wo sie ihn haben wollte. Ein Jack kam nicht mehr, und Sandra hatte einen deutlichen Chiplead. Holger blieben mit knapp 450.000 Chips nur rund 11 BB und es schien schon fast so, als würde nun alles ganz schnell gehen.
tonding hatte aber alles andere vor, als nun sein Glück in der sinnlosen Offensive zu suchen und spielte sich durch wirklich gutes Poker wieder ran. In dieser Phase hatte Holger das Spiel über einen langen Zeitraum fest im Griff und machte den deutlich stärkeren Eindruck. Die klare Führung, und damit wohl auch der Sieg, lagen bereits in der Luft, wäre da nicht der Suckout gekommen.
Mit ging tonding nach Raise und Reraise All-in und lag gegen
bei Sandra vorn. Der Flop
war noch unspektakulär, aber der Turn
brachte das Twopair, tonding blieb "nur" Platz 2,
und Sandra Naujoks gewann als zweite Frau nach Vicky Coren einen
EPT-Titel.
Doch nicht nur Sandra Naujoks und Holger 'tonding' Kanisch hatten für Aufsehen gesorgt. Besonders ein Tisch war immer wieder besonders stark umkreist und zog die größte Aufmerksamkeit auf sich. Florian '' Langmann, gerade erst neuer ShootingStar, spielte ebenfalls ein super Turnier und musste erst auf Platz 9 als unglücklicher Final Table-Bubbleboy an die Rails.
Bei seinem Ausscheiden saß (links im Bild mit William Thorson)
shortstacked am Tisch und pushte bei Blinds von 15.000/30.000 und einer
Ante von 2.000 seine verbliebenen 170.000 Chips UTG sitzend all-in. Bis
zum Big Blind foldeten alle Spieler, doch Luca Pagano callte das All-in
mit . Florian Langmann zeigte
und bereits beim Dealen des Flops sollte Hoffnung aufkeimen, da die erste Karte, die zu sehen war, die
war.
Doch die Hoffnung auf einen Double-up währte nur kurz. Der Flop brachte auch eine zum Vorschein und auf dem Board
sollte Team PokerStars Pro Luca Pagano sogar Two Pair bekommen.
Auf seinem Weg an den „vorläufigen Final Table“ eliminierte Florian
unter anderem Jan 'jan1000' Collado (Bild rechts), der zweifelsohne eine weitere
Überraschung des Turniers und der letzten Monate darstellt.
Einige Male sah man Jan nun bereits auf größeren Liveevents und (fast) jedes Mal spielte er sich in die Geldränge. Mehrfach erreichte er dabei den Final Table. Bis zu einem Sieg scheint es also auch bei Jan nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Natürlich klar, dass auch wir uns an Jans Fährte hefteten und euch in Zukunft ein Interview mit dem Youngster liefern.
Aus der Riege der internationalen Stars sorgte vor allem Vorjahressieger Mike McDonald für Begeisterungsstürme. Bereits bevor er den Final Table erreichte schwärmten alle von dem jungen Kanadier, der einfach sehr sympathisch rüber kommt, immer die Zeit für ein kurzes Pläuschchen hat, und mit seinem Spiel in Dortmund gefiel. Dortmund scheint für McDonald dabei einfach ein besonders gutes Pflaster zu sein, aber auch in anderen Turnieren wird man mit McDonald wieder rechnen müssen. Ein Sieg wäre natürlich die Sensation gewesen und wohl auch eine für lange Zeit einmalige Leistung. Doch auch so sorgte McDonald für großes Staunen über seine Performance.
Einer der größten McDonald-Fans, die ich auf der EPT traf, war unser Communitymitglied remoh, der bereits einige NL200 und NL400 Videos für PokerStrategy produzierte, und uns vor Ort mit seinen messerscharfen Analysen das eine oder andere Mal tatkräftig zur Seite stand. Qualifiziert hatte sich remoh (rückwärts gelesen übrigens "Homer") über die Punkte bei Stars. 530.000 FPP kostete ihn der Spaß, für den er in den Sommerferien "drei bis vier Monate" druchgrindete.
Zu einer Platzierung in den Geldrängen reichte es für remoh zwar leider nicht, aber wir konnten ein ausführliches Interview mit ihm führen, dass in den kommenden Tagen hier bei PokerStrategy.com erscheint.
Leider war trotz des großen Erfolges nicht alles Licht bei der EPT Dortmund. Hier und da waren auch einige Schatten zu sehen. So wurde von den Spielern immer wieder die schlechte Organisation an den ersten Tagen bemängelt, die mitunter zu einem riesigen Chaos und der verspäteten Eröffnung führte. Hier muss man Turnierdirektor Thomas Kremser loben, der alles in seiner Macht stehende Unternahm, um die Organisation des Casinos schnellstmöglich auf Vordermann zu bringen.

In einer Hand, in der man selbst nicht involviert ist, laut aus einem Buch vorzulesen, mag zwar für manche Medienwirksam erscheinen, hat aber an einem Final Table aus Fairnissgründen nichts verloren.
Da das Turnier allem in allem aber einfach ein tolles Event war, da es einen heiden Spaß gemacht hat und in einer wahren Sensation endete, stechen klar die positiven Aspekte der EPT Dortmund ins Auge.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlich bei PokerStars - und hier insbesondere bei Nina, Henning und Sven - bedanken, die uns mit unkomplizierter Hilfe zur Seite standen.
Ein ganz großer, und mir persönlich auch sehr wichtiger Dank geht außerdem an sirquentin und timorb, die mit selbstlosen Einsatz die ganze Tour erst ermöglichten.
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