Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

EPT Interview: Lee Jones und Andy Black

Lee Jones, Autor und EPT Host, sowie der irische Pokerprofi Andy Black beantworteten uns während der EPT Dublin einige Fragen.

Kurzinterview mit Andy Black:
Andrew Black stammt aus Belfast, Nordirland, ist 42 Jahre alt und wohnt inzwischen in Dublin.
Beim $10.000 Main Event der WSOP 1997 betrat er erstmals die große internationale Bühne. Dort wurde Black von dem späteren Turniersieger und der inzwischen verstorbenen Pokerlegende Stu Ungar aus dem Turnier geworfen und belegte den 14. Platz.

PokerStrategy: Wie war es, gegen Stu Ungar zu spielen, dem vielleicht besten Pokerspieler der Welt?

Andy: Gegen Stu Ungar zu spielen, war super. Es gibt Gerüchte, dass ich AK hatte, während Stu AQ hielt - aber das stimmt nicht. Er hat mich einfach ausgespielt!

Stu hat eine besondere Art gehabt, zu spielen und hat meist sehr schnell gespielt, während die anderen Spieler oft sehr lange überlegen.

Im folgenden Jahr kehrte Black zurück zur WSOP, doch sein Traum vom Sieg wurde nicht wahr. Black zog sich für fünf Jahre zurück und wurde buddhistischer Mönch.

PokerStrategy: Welche Bedeutung hatten diese 5 jahre für dein Pokerspiel?

Andy: Der Buddhismus macht mich sinnlicher und zugleich scharfsinniger, was eigentlich paradox ist.

2005 kehrte er sehr erfolgreich ins Pokergeschäft zurück: Nachdem er bereits bei zwei Turnieren im Geld landete, kam sein nächster Angriff auf das Main Event. Zwischenzeitlich war Black überlegener Chipleader am Final Table und am Ende belegte er den fünften Platz, was ihm $1.750.000 einbrachte. Seitdem konnte er weitere 1,5 Millionen Dollar bei Turnieren auf der ganzen Welt wie der WSOP, EPT und den Aussie Millions gewinnen.

PokerStrategy: Du reist sehr viel. Wie ist es, ein Turnier in der Heimat zu spielen?

Andy: Ich liebe es in meiner Heimatstadt zu spielen und wohne ca. eine Meile von hier entfernt. Es ist super, dass ich nach dem Spiel zu Hause in mein eigenes Bett fallen kann. Ich liebe Dublin, weil es hier ruhig, entspannt und locker ist.

Nachdem er sich bereits an Tag 1A für den heutigen Tag quailiziert hat, war er an Tag 1B mit seinem Sohn Zack zu Besuch am Schauplatz des Turniers. Heute muss auch Andy Black wieder ran: Zu Beginn des Tages liegt er mit 45.675 Chips auf Platz 18.

Interview mit Lee Jones:

Lee Jones ist der Autor des Buchs „Winning Low Limit Hold'em", welches wohl von fast jedem PokerStrategen, der sich für Fixed Limit interessiert, gelesen wurde.

 

PokerStrategy: Lee, dein Buch Winning Low Limit Hold'em hat für die viele Spieler den Grundstein der Pokerausbildung gelegt. War dir bewusst wie gut dein Buch ist?

Lee Jones: Ich fühle mich natürlich geehrt, dass mein Buch so gut angekommen ist und kann es kaum glauben, dass es wirklich der Grundstein für einige Spieler war. Ich wollte damals eigentlich nur ein Buch schreiben, welches die Anfänger besser verstehen können als die damals bestehende Literatur.


PokerStrategy: Welche Bücher hast du damals gelesen um das Wissen für WLLH umzusetzen?

Lee: Das wohl wichtigste Buch für mich war „Hold'em Poker for Advanced Players" von David Sklansky und Mason Malmuth. Die Strategien und Theorien waren sehr gut und haben mir viel beigebracht. Jedoch fand ich, dass die Bücher von Sklansky recht schwer zu lesen sind. Inhaltlich waren sie wirklich äußerst gut, aber halt nicht von jedem interessierten Spieler zu verstehen.
Hinzu kam, dass das Buch sich eben an fortgeschrittene Spieler wendet und somit auch recht umfassend geschrieben wurde. Außerdem waren die Theorien für die unteren Limits nicht anwendbar, weil das Spielerverhalten einfach ein anderes ist.


PokerStrategy: Das heißt, dass du damals die kleinen Limits gerockt hast und nur dein Wissen aufgeschrieben hast?

Lee: Nein, ich habe zwar gut gespielt und mich kontinuierlich verbessert, aber ich glaube, dass meine Skills nicht wirklich ausschlaggebend waren. Ich glaube eher, dass es daran lag, dass ich in der Lage bin, einem Spieler etwas besser zu erklären, als es andere Lehrer im allgemeinen tun.
Meine Passion ist die Musik und ich wollte in den Staaten lernen eine bestimmte Gitarre zu spielen. Also bin ich zu mehreren Top Spielern gegangen und wollte unterrichtet werden. Viele dieser Gitarristen waren super Spieler, aber sie haben es nicht drauf gehabt es richtig zu erklären und ich schätze, dass es mein großer Vorteil war, die richtigen Worte zu finden - auch wenn ich nicht der beste Spieler bin.


PokerStrategy: Hast du eine Veränderung in der Pokerszene beobachtet, seit dein Buch veröffentlicht wurde?

Lee: Ja, auf jeden Fall! Die Spieler sind durchschnittlich viel jünger geworden. Als ich vor ca. 20 Jahren mit Poker angefangen hab, gab es nirgendwo 18 oder 19jährige, die tausende von Dollar im Monat verdienen. Heute gibt es viele Spieler, die noch zur Schule gehen oder studieren und schon mehr verdienen als so mancher Geschäftsführer.
Außerdem sind die Spieler viel aggressiver geworden. Früher waren die Spiele ruhiger und es wurde eher passiv gespielt. Heute sehe ich Spieler, die 3betten den Turn mit Ace high, so etwas wäre früher nicht passiert. Aber ich finde die Entwicklung gut, weil junge Spieler häufig mit neuen Spielansätzen kommen und somit den Sport weiterentwickeln.


PokerStrategy: Welche Limits spielst du heute?

Lee: Leider habe ich zu wenig Zeit um so viel Poker zu spielen, wie ich eigentlich Lust hätte. Daher kann ich nicht wirklich davon sprechen, dass ich aktuell viel pokere oder ein bestimmtes Limit spiele. Die Lust überkommt mich aber recht häufig und wenn ich ein Casino in der Nähe finde, dann setze ich mich sehr gerne an den Tisch.


PokerStrategy: Also eher eine zusätzliche Einnahmequelle für dich? 😉

Lee: (lacht) Nicht wirklich, zumindest keine garantierte. Wenn ich mich an einen Tisch setze, dann gehe ich nach der alten Weisheit „Suche in den ersten 30 Minuten des Spiels den Fisch am Tisch. Kannst du ihn nicht finden, dann bist du es selber". Also spiele ich zu Beginn recht verhalten und versuche einzuschätzen, ob ich überhaupt eine Edge habe. Es gibt dabei grundsätzlich drei Möglichkeiten: Entweder sind es alles Fische und ich kann schon mal Platz in meiner Geldbörse machen, oder es sind starke Spieler dabei und ich muss hoch konzentriert spielen oder ich sollte zusehen, dass ich schnell den Tisch verlasse und stattdessen einen Film gucke.
Jeder Spieler sollte immer einschätzen können, welches Limit er schlagen kann, bzw. an welches Limit er sich heran wagt. Egal wie viel Geld sich auf dem Bankkonto befindet, niemand verschenkt gerne sein Geld und sollte Mann genug sein, das Limit zu verlassen, um sich seine Fische zu suchen.


PokerStrategy: Wenn du nicht pokerst, was machst du dann nach der Arbeit?

Lee: Wie schon eingangs erwähnt ist die Musik meine Leidenschaft. Ich spiele Gitarre, Klavier, Bass und versuche mich hin und wieder an neuen Instrumenten. Mein aktuell größter Traum ist es eine kleine Band zu gründen und vor Publikum zu spielen. Ich hatte zuletzt auf der High School eine Band und sehne mich danach, wieder aufzutreten und Spaß zu haben.


PokerStrategy: (scherzhaft) Schon an „America got Talent" gedacht? 😉

Lee: (lacht) Das wäre nicht die Art von Unterhaltung, die ich machen möchte. Ich hab einfach nur Lust Musik zu machen und vor Publikum aufzutreten. Dabei geht es mir überhaupt nicht um das Geld, sondern um den Spaß. Die Rolling Stones z.B. haben schon so viel Geld, dass sie es wohl gar nicht mehr ausgeben können, aber trotzdem treten sie immer wieder vor großem Publikum auf. Dieser Kick, wenn die Menschen die Musik mögen und dazu Spaß haben und tanzen ist einfach unglaublich.


PokerStrategy: Gibt es irgendwelche Kostproben?

Lee: (reagiert mit einem Blick eines kleinen Jungen, der bei irgendwas ertappt wurde) ähm.... Naja.... Es war letztes Jahr hier in Dublin zur EPT, ich ging mit ein paar Kollegen durch die Innenstadt von Dublin und sah zwei Straßenmusiker, die ziemlich gut spielten. Nachdem sie fertig waren, fragte ich, ob sie auch etwas amerikanische Folk Music spielen könnten. Beide waren sich nicht so ganz sicher, ob sie einen Song kannten. Der Musiker mit der Mandoline spielte etwas an und es war tatsächlich ein amerikanischer Folk Song, nur der Gitarrist kannte den Song überhaupt nicht. Da bot ich im 5€ an und dafür sollte er mir für den Song seine Gitarre geben. Schon saß ich in der Innenstadt von Dublin mit einem Straßenmusiker und wir spielten fröhlich... Das Dumme war nur, dass eine Kollegin prompt ihre Kamera gezückt und das Ganze gefilmt hat.... Dank Web 2.0 findet man im Internet nun ein Musikvideo von mir bei YouTube.com
[Redaktion: Wir haben natürlich recherchiert und folgendes gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=ul3v14UCB5o ]


PokerStrategy: Aber anstatt dir Zeit für deine Musiker Karriere zu nehmen, hast du im April 2007 PokerStars verlassen. Wie kam es dazu und was sind deine Ziele?

Lee: Ich habe einfach nach neuen Herausforderungen gesucht und bin jetzt für die EPT tätig. Viele glauben ja, dass die EPT PokerStars-Eigentum ist, aber die EPT ist eine eigenständige Event Serie nur halt mit einem großem und langfristigem Sponsor.
Meine Ziele sind eigentlich immer gleich: Ich möchte, dass die Menschen Spaß haben, mit dem was sie machen. Als mich PokerStars damals angerufen hat, habe ich mir auch als Ziel gesetzt, dass die Spieler einfach mehr Spaß beim Spielen haben und bei der EPT setze ich mir nun als Ziel, dass die Live-Spieler mehr Spaß an der Sache haben.


PokerStrategy: Wird es nach deinem großen Erfolg mit WLLH ein weiteres Buch von dir geben?

Lee: Das würde mir sehr schwer fallen. Es ist ein sehr langer und anstrengender Prozess ein Buch zu schreiben. WLLH hat mich damals ca. 8 Monate extrem intensiver Arbeit gekostet und dieser Punkt hält mich davon ab, etwas zu schreiben. Jedes Mal, wenn ich das Verlangen verspüre etwas zu schreiben, dann denke ich direkt daran, wie anstrengend WLLH war und die Motivation schwindet sehr schnell.


PokerStrategy: Vielen Dank Lee, dass du dir die Zeit genommen hast und wir hoffen, dass du vielleicht als Rahmenprogramm der EPT ein Konzert gibst.

 

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