Echtgeld-Partien in Videospielen sind keine gute Idee
Spiele wie Red Dead Redemption und GTA scheinen perfekt für Ingame-Pokerpartien geeignet zu sein. Ein Echtgeld-Angebot würde jedoch mehr Schaden anrichten als Positives bewirken.
In dieser Woche wurde bekannt, dass die Multiplayer-Pokerrunden in Red Dead Online für Spieler in Ländern mit regulatorischen Einschränkungen nicht zur Verfügung stehen, obwohl nur mit im Grunde wertloser Ingame-Währung gespielt wird. Es scheint, als hätte Rockstar sich vorsorglich entschieden, in Ländern mir strikt reguliertem Glücksspiel keinerlei rechtliche Grauzonen zu betreten.
Fans von Poker um echtes Geld haben schon lange von der Aussicht geträumt, dass genau solch ein Angebot mal mit einem Videospiel wie Red Dead Redemption oder Grand Theft Auto kombiniert wird. Nun scheint es jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass wir so etwas irgendwann einmal erleben werden. Und das ist auch gut so!
Vor ein paar Jahren haben wir uns mal einen Aprilscherz erlaubt und den Leuten versucht weiszumachen, dass man uns Echtgeld-Poker in GTA 6 bescheren würde. Viele Leser sind uns damals auf den Leim gegangen, weil es zu der Zeit durchaus noch im Bereich des Möglichen lag. Isoliert betrachtet würde ein solches Angebot schlichtweg wie die Faust aufs Auge passen, ob nun für die Pokerindustrie, Spielehersteller oder ambitionierte Spieler.
Grenzenlose Reichweite
GTA und Red Dead Redemption sind Spiele für Erwachsene und nur für Spieler ab 18 Jahren freigegeben. Drogen, Sex und brutalste Gewalt sind fester Bestandteil der Spiele. Etwas wie Poker ist also noch eine der harmlosesten Beschäftigungen, denen man in den virtuellen Welten nachgehen kann, und das Setting im Wilden Westen oder dem kriminellen Untergrund könnte passender nicht ausfallen.
Die mögliche Reichweite der Spiele kennt natürlich keine Grenzen. Die Marktkapitalisierung der Pokerindustrie ist im Vergleich zur gewöhnlichen Spieleindustrie absolut winzig. Allein einzelne Spiele wie Grand Theft Auto sind schon Milliarden wert. Echtgeld-Poker in ein solches Spiel zu integrieren, würde einen derartigen Boom auslösen, dass man es vermutlich sogar mit dem Triumph von Chris Moneymaker beim WSOP Main Event 2003 vergleichen könnte. Die Partien in den Spielen wären wohl mit das Softeste, was wir seit fast 15 Jahren im Bereich Poker erleben würden.
Das positive Potenzial ist also riesig, genauso verhält es sich aber mit der Kehrseite der Medaille, wenn man Echtgeld-Glücksspiel in Videospielen anbieten würde. Der Hauptgrund, warum wir das bisher noch nicht erlebt haben, sind die massiven regulatorischen Komplikationen, die ein solches Spiel im Spiel mitsichbringen würde. Es ist schon schwer genug für ein Unternehmen wie PokerStars, sich durch das globale Minenfeld der Online-Pokerregulierung zu manövrieren. Ein Videospieleentwickler wird wenig Interesse daran haben, sich mit diesem Gesetzeswulst auseinanderzusetzen, insbesondere weil das Thema Glücksspiel und Sucht in den letzten Jahren vermehrt auch in der Spieleindustrie in den Fokus gerückt ist.
Schreckliche Außendarstellung für Poker und Gaming

Der eine oder andere wird die Schlagzeilen der letzten Jahre mitbekommen haben, wenn über die steigende Suchtproblematik in Videospielen berichtet wurde, insbesondere was minderjährige Spieler betrifft. Was genau die Rolle von Glücksspiel mit all seinen psychologischen Konsequenzen in den Spielen einnimmt, ist kunterbunt gemischt, genau wie die zugrundeliegende Währung, in der "gegamblet" wird. Allerdings sind die Effekte, dieselben wie beim traditionellen Glücksspiel in Form von Pferderennen oder im Casino. So kam es zum Beispiel zur Entwicklung eines riesigen Skin-Wettmarktes bei Counter Strike: Global Offensive, bei dem Spieler mit virtueller Währung auf den Ausgang von Partien gewettet haben, die tatsächlich auch einen Wert in der echten Welt hatte. Nicht zu vergessen natürlich die mittlerweile in etlichen Spielen verankerten Lootboxen und Packs, die man für bares Geld kaufen kann, um zufällige virtuelle Belohnungen wie Waffen, Rüstungen oder im Falle von FIFA von EA Sports besonders starke Spieler zu erhalten. Das kommt zwar noch nicht ganz einer Wette von €10 auf einen Sieg des FC Bayern München gleich, aber dennoch setzt man dabei echtes Geld auf einen unsicheren Ausgang.
Auch wenn Spiele wie GTA einer Alterbeschränkung ab 18 Jahren unterliegen, braucht man sich natürlich nichts vormachen. Ein beachtlicher Anteil aller GTA-Spieler besteht natürlich aus Minderjährigen. Entsprechend müssen Poker- und Spieleindustrie zwangsläufig einen Bogen um Echtgeld-Angebote in solchen Spielen machen, denn in Verbindung mit Glücksspiel von Minderjährigen will man natürlich nicht im Ansatz stehen.
Poker würde in einem äußerst schlechten Licht dastehen. Auch wenn es für Fans des Spiels und ambitionierte Grinder natürlich ein Traum wäre, wenn über Nacht Millionen von Zockern Poker für sich entdecken würden, sollte man das Ganze nicht mit einer Art Trojanischem Pferd in einem anderen Spiel forcieren. Wer Poker um echtes Geld spielen möchte, wird dieser Tage auf einfache Weise fündig. Dafür bedarf es nicht einer besonderen Mission in GTA, um das Kartenspiel bei den Leuten auf den Radar zu bringen. Ein Echtgeld-Angebot würde mehr Schaden anrichten als Gutes tun.
Sind Echtgeld-Pokerpartien in Spielen wie Red Dead Online oder GTA für euch vorstellbar? Wir freuen uns auf eure Kommentare!