Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

ElkY: "So ein Jahr wie 2013 möchte ich nicht noch einmal erleben"

Im PokerStrategy.com-Interview spricht Bertrand 'ElkY' Grospellier über das vergangene Jahr, den Fitnessfaktor im Pokerbereich und die kürzlich gestartete Pokerkarriere des Starcraft-Spielers BoxeR.

"Insgesamt gesehen war das vergangene Jahr wirklich enttäuschend"

PokerStrategy.com: Das Jahr 2013 ist vorbei und wenn wir einen Blick auf deine Turniererfolge werfen, dann sehen wir insgesamt $427.925 Preisgelder bei Live-Turnieren. Wie zufrieden bist du mit den vergangenen zwölf Monaten?

ElkY: Es war kein wirklich erfolgreiches Jahr und ehrlich gesagt weiß ich nicht wirklich, woran es lag. Ich runnte nicht so gut wie in den vergangenen Jahren, aber das soll genauso wie die Varianz keine Ausrede sein.

Es gibt bestimmt einige weitere Gründe und deshalb werde ich nun am Anfang des Jahres meine Leistungen analysieren, mich hinsetzen und genau überlegen, in welchen Bereichen ich noch Defizite habe.  

Insgesamt gesehen war das vergangene Jahr wirklich enttäuschend, denn ich konnte bei großen Turnieren oft nicht einmal in die Nähe eines Finaltisches gelangen. Nur im Sommer in Macao und im November bei der France Poker Series saß ich am Final Table und das ist mir zu wenig. Fest steht, dass ich mich verbessern möchte - so ein Jahr wie 2013 möchte ich nicht noch einmal erleben.

PokerStrategy.com: In den vergangenen Jahren konntest du teilweise pro Jahr Preisgelder in Höhe von mehreren Millionen Dollar gewinnen. Vergleichst du die einzelnen Jahre?

ElkY: Ich denke, dass das keinen Sinn macht, und man die Varianz einfach akzeptieren muss. Es gehört zum Spiel dazu, dass man auch einmal schlechtere Jahre erlebt. Am Anfang meiner Pokerkarriere war ich aufgrund schlechter Resultate oft frustriert. Ich habe aber gelernt, dass man auch mit Misserfolgen umgehen muss.

Man darf meiner Meinung nach nicht vergessen, wie stark sich das Spiel in den vergangenen Jahren verändert hat, und dass heutzutage viel mehr Spieler an den Turnieren teilnehmen, als früher. Deshalb zählt ein Turniersieg heute auch mehr als noch vor einigen Jahren, als die Teilnehmerfelder kleiner waren.

Ich sehe eine längere Durststrecke als zusätzliche Motivation und versuche, mein Spiel zu verbessern. Wenn diese schlechte Phase dann vorbei ist und man wieder ein Event gewinnt, freut man sich umso mehr. Es wäre ja auch langweilig, wenn man jedes Turnier gewinnen würde (lacht).

"Wer nicht fit ist, bringt nicht mehr sein A-Game"

PokerStrategy.com: Motivationsprobleme hast du nach einem schlechten Jahr also nicht?

ElkY: Nein, im Gegenteil. Ich bin sogar noch motivierter, da ich wieder an die Spitze kommen möchte. Mein Traum ist auch weiterhin, der erste Spieler zu sein, der einen zweiten EPT-Titel gewinnt. Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, da die Teilnehmerfelder immer größer werden. Früher nahmen vielleicht 200 Spieler an einem Main Event der EPT teil, heute sind es immer mindestens 700.

PokerStrategy.com: Vor Kurzem wurde viel über den Fitnessfaktor im Pokerbereich gesprochen. Während einige Spieler es für sehr wichtig halten, auch körperlich in Form zu sein, legen andere Profis keinen allzu großen Wert darauf.

ElkY: Ich bin überzeugt davon, dass die körperliche Verfassung eines Pokerspielers von großer Bedeutung ist. Der Hauptgrund dafür ist die lange Dauer von Turnieren: Teilweise spielt man pro Tag zwölf bis 14 Stunden und das ist extrem anstrengend. Wenn man in keiner guten Verfassung ist, wird man möglicherweise schneller müde und macht am Ende des Tages Fehler.

Wer nicht fit ist, bringt nach einer längeren Zeit nicht mehr sein A-Game und spielt teilweise richtig schlecht. Man ist dann nur noch in der Lage, sein C-Game oder D-Game zu spielen.

Anders sieht es aus, wenn man körperlich in Form ist - dann kann man auch nach zehn Stunden Poker noch mindestens das B-Game bringen, was in meinen Augen völlig okay ist. Gerade auch für Live-Spieler ist es essenziell, sich zu bewegen, da man bei Events den gesamten Tag nur im Sitzen verbringt.

"Beim One-Drop-Event gebe ich mir eine Edge"

PokerStrategy.com: Beim $1 Million WSOP One-Drop-Event ist es dann wohl besonders wichtig, in einer guten Verfassung zu sein. Du hast bei der Premiere 2012 mitgespielt, konntest aber nicht die Geldränge erreichen. Im Sommer kehrt das Mega-Turnier zurück - werden wir dich erneut sehen?

ElkY: Das ist noch nicht zu 100 Prozent sicher, aber möglicherweise werde ich teilnehmen. Ich bin natürlich daran interessiert, dabei zu sein, da es ein sehr prestigeträchtiges Event ist. Außerdem ist es meiner Meinung nach nicht allzu schwer, an ein WSOP-Bracelet zu kommen.

Selbst wenn 40 der besten Spieler der Welt mitspielen, ist die Siegeschance immer noch höher als bei einem Massenevent mit mehr als 2.000 Teilnehmern. Obwohl die besten Pokerprofis mitmachen, gebe ich mir bei diesem Event eine Edge.

PokerStrategy.com: Du bist der wohl bekannteste französische Pokerspieler. Könntest uns verraten, wie groß die Poker-Community bei euch in Frankreich ist? Befindet sie sich auch weiterhin auf Wachstumskurs?

ElkY: Ja, die Pokerszene in Frankreich ist riesig und sie wächst und wächst. Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum einen aufgrund der Steuerproblematik, Frankreich ist für Pokerspieler nicht das beste Land. Zum anderen wurde PokerStars.fr vom Gesamt-Spielerpool getrennt.

Die Menschen sind trotzdem in Sachen Poker enthusiastisch, das merkt man auch an der EPT Deauville. Um ehrlich zu sein, ist es dort im Vergleich zur EPT Barcelona ziemlich kalt und man hat wenige Freizeitmöglichkeiten - dennoch kommen jedes Mal mehr als 800 Spieler dorthin.

PokerStrategy.com: Europaweit dominieren aktuell die deutschen Spieler, sie sind bei fast jedem großen Live-Event vorne dabei. Wie stark würdest du Frankreich im europaweiten Vergleich einschätzen?

ElkY: Es ist klar, dass Deutschland zurzeit zu den stärksten Nationen der Welt gehört. In Frankreich haben wir sicherlich einige exzellente Spieler wie zum Beispiel Ludovic Lacay, aber wir haben bei Weitem nicht so viele Profis wie andere Länder. Zudem klafft eine große Lücke zwischen den besten Spielern und den mittelmäßigen Spielern. In Spanien oder Italien gibt es zwar nicht so viele Topspieler wie bei uns, dennoch haben sie mehr gute Spieler.

"BoxeR kann es auch im Pokerbereich an die Spitze schaffen"

PokerStrategy.com: Beim Main Event der WSOP konnte sich im vergangenen Jahr dein Landsmann Sylvain Loosli an den Final Table spielen, mit dem du in London in einer Wohngemeinschaft lebst. Er wurde Vierter und bekam knapp $2,8 Millionen Preisgeld. Haben die französischen Medien über diesen Erfolg berichtet und wie ist das Image von Poker in Frankreich?

ElkY: Das war eine tolle Sache für Poker, durch die November Nine-Präsentation wurde viel darüber berichtet. Ich denke, dass in Frankreich ein Imagewechsel stattfindet und die Medien etwas offener für das Kartenspiel werden. Durch die Regulierung hat sich die Außendarstellung stark verbessert. Als es noch eine Grauzone war, waren die Menschen noch sehr vorsichtig.

Nun wird das Spiel immer bekannter und beliebter. Die Leute merken, dass es ein wettkampforientiertes Spiel ist, in dem man körperlich und geistig fit sein muss. Teilweise wird Poker auch als Sportart angesehen und ich denke, das ist auch richtig so. Natürlich gibt es die Varianz, aber die ist in jeder anderen Sportart auch vorhanden.

PokerStrategy.com: Lass uns zum Abschluss noch über Lim Yo-Hwan, besser bekannt als BoxeR, sprechen. Der Südkoreaner spielte wie du auf hohem Niveau Starcraft und kündigte im Dezember an, eine Karriere als professioneller Pokerspieler zu starten. Denkst du, dass er erfolgreich sein wird?

ElkY: Ich kenne ihn natürlich gut und ich fand es sehr interessant, als er seine Pokerkarriere angekündigt hat. Meiner Meinung nach hat er die Eigenschaften, um auch in diesem Bereich erfolgreich zu sein: Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Starcraft und Poker und er ist ein absoluter Wettkämpfer. BoxeR war jahrelang einer der größten Stars, er besitzt eine hohe Disziplin und ist ziemlich klug - ich bin überzeugt davon, dass er es auch im Pokerbereich schaffen kann, an die Spitze zu gelangen.

von TobiasFrey