Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

"Es war gut, dass der Black Friday passierte" - Barry Greenstein im Interview

Wir haben mit Team PokerStars Pro Barry Greenstein während seines EPT- und WSOPE-bedingten Europa-Aufenthalts gesprochen. Im ersten Teil des zweiteiligen Interviews spricht er über die Auswirkungen des Black Friday und die Vorzüge, die das Pokerleben mit sich bringt.

Barry Greenstein
Barry Greenstein

PokerStrategy.com: Wie hast du den Black Friday als vorwiegender Live-Spieler erlebt?

Barry Greenstein: In den ersten Wochen danach waren die Cardrooms der Casinos voll, es war sehr gut für Live-Poker. Aber seit der WSOP habe ich negative Auswirkungen bemerkt, da die Leute viel Geld auf ihren Online-Accounts haben, besonders in den Staaten. Die Menschen spielen außerdem kleinere Stakes, als sie es zuvor getan haben.

Abhängig davon, wie sich die Dinge in den Vereinigten Staaten entwickeln, könnte PokerStars dagegen sein, dass ich mich viel in den USA aufhalte. Ich müsste vielleicht mehr in Lateinamerika und Europa spielen. Dann wäre eine Auswirkung für mich, mehr zu reisen, um meine Relevanz für PokerStars beizubehalten.

PokerStrategy.com: Warst du wie in den Tagen vor dem großen Boom wieder in der Situation, dass du Online-Poker verteidigen musstest?

Barry Greenstein: Ich habe Poker auch vorher nicht allzu viel verteidigt, mir war immer total bewusst, dass Poker eine nichtproduktive Tätigkeit ist. Ich sage Kindern immer, dass sie in der Schule bleiben sollen. Als ich noch in der Schule war, habe ich hauptsächlich an Wochenenden gespielt. In der Highschool möchte ich, dass die Kids Sport betreiben und nicht Poker spielen. Als ich bei Stars unterschrieben habe, habe ich klar gemacht, dass ich jungen Menschen immer das erzähle, was ich denke und dass das wahrscheinlich die Aussage ist, dass sie zu viel Poker spielen und auch andere Dinge tun sollten.

Ich habe das PokerStars so gesagt – wenn ihnen das nicht gefalle, sollten sie mich nicht unter Vertrag nehmen. Das Management wollte aber, dass ich mich kein Stück verändere und erkannte, dass es ohnehin besser für uns ist, wenn die meisten Spieler in ihrer Freizeit spielen.

"So weh es tut: Es war gut, dass der Black Friday passiert ist"

PokerStrategy.com: Musstest du diese Message seit dem Black Friday wieder verstärkt äußern?

Barry Greenstein: Seit dem Black Friday musste ich mit mehreren depressiven Spielern sprechen, die das Gefühl haben, ihr Leben sei zu Ende. Vielleicht meinten sie das nicht ganz ernst, aber einige sagten, sie wollten sich umbringen. Ich möchte unbedingt folgendes zur Poker-Community sagen: Wenn ihr denkt, euer Leben sei zu Ende, weil Online-Poker geschlossen wird, dann ist es vielleicht gut, dass dies jetzt passiert ist, bevor ihr eine Familie habt.

Ihr solltet euch nicht zu sehr auf eine einzige Sache verlassen, vielleicht wurde so ein Fehler in der Art enthüllt, wie ihr euer Leben arrangiert. In meinem Buch schreibe ich, dass man Poker um sein Leben herum platzieren sollte, nicht anders herum.

Vielleicht ist es ein guter Weckruf für diese Kids, die sich ohne Poker verloren fühlen. Wenn das alles war, was euer Leben ausmachte, dann habt ihr einen Fehler gemacht. Nutzt diesen Weckruf, um zu realisieren, dass es andere Dinge neben Poker gibt. Die Leute werden jetzt vielleicht sauer auf mich sein, aber glaubt mir, der Black Friday hat auch mich Geld gekostet. Ich habe eine Menge davon auf Online-Konten, an die ich jetzt nicht herankomme.
 

PokerStrategy.com: Was würdest du Spielern empfehlen zu machen, während sie das Spiel nicht spielen können?

Barry Greenstein: Dies ist die perfekte Gelegenheit, etwas anderes auszuprobieren. Wenn ihr es bislang verpasst habt, holt vielleicht einen Abschluss nach, aber macht etwas, das euch wichtig ist. Selbst als ich jünger war und viel Poker gespielt habe, habe ich auch immer andere Dinge getan: Ich habe Bücher gelesen, Golf gespielt, Unternehmen gegründet. So weh es tut: Es war gut, dass der Black Friday passiert ist.

Die Pokerwelt ist eine unwirkliche, die Spieler brauchen etwas Realität. Ich nähere mich meinen 60ern, ich werde nicht sagen, dass ich mir wünsche, mehr Poker gespielt zu haben; da kommen mir andere Sachen in den Sinn. Ich habe viel gemacht: Ich habe Bücher geschrieben, ein Software-Unternehmen gegründet, einen Doktor gemacht, sechs Kinder erzogen. Ich hatte ein erfülltes Leben, aber die meisten der Spieler, die ich sehe, hatten das nicht.

"Poker-Erfolge sind sehr oberflächlich, einige Spieler werden sich wundern, was sie mit ihrem Leben gemacht haben"

PokerStrategy.com: Muss es nicht für einige der Profis schwierig sein, etwas anderes zu machen, wenn man bedenkt, wie leicht sie zuvor Geld verdient haben?

Barry Greenstein: Poker-Erfolge sind sehr oberflächlich, einige Spieler werden sich wundern, was sie mit ihrem Leben gemacht haben. Vielleicht haben einige sich nicht oft genug verliebt, weil sie zu sehr mit dem Pokerspielen beschäftigt waren – und das auch nur, wenn sie erfolgreich waren. Wenn sie Geld verloren haben, werden sie sich jetzt erst recht umbringen wollen.

Es handelt sich hier um intelligente junge Menschen, die der Welt etwas anzubieten haben. Aber Erfolg hat nicht allzu viel mit Geld zu tun. Zu meiner Zeit bedeutete Erfolg, die Welt zu verbessern. Pokerprofis erreichen nicht viel mit meiner Art, Dinge zu tun.

Erwartet mehr von euch selbst in anderen Bereichen als nur Poker; dies ist die Gelegenheit, euch zu beweisen. Viele Pokerspieler haben sich nicht wirklich auf die Probe gestellt. Ich habe ein Software-Unternehmen gegründet, um mir selbst zu beweisen, dass ich das schaffen kann. Ich habe Nächtelang dafür gearbeitet, dass es ein Erfolg wird. Es geht nicht nur um Intelligenz, sondern um harte Arbeit, Schweiß, die Thomas Edison-Schule des Erfolges.

Seid auch morgen dabei, wenn Barry in Teil 2 des Interviews zu Prop Bets Stellung nimmt.

Folgt @Barry_Carter auf Twitter.