"Ich kann definitiv gewinnen" - WSOP-Finalist Jeremy Ausmus im Interview
Jeremy Ausmus ist der Shortstack am Final Table der WSOP, er wird mit 9.805.000 Chips (33 Big Blinds) am 28. Oktober an den Tisch zurückkehren. Wird er die Negativserie der zuerst ausscheidenden Shortstacks durchbrechen?
Jeremy Ausmus hat von allen Finalisten des World Series of Poker 2012 Main Events den kleinsten Stack, aber mit 33 Big Blinds wird er mehr Spielraum haben, als man es von anderen Shortstacks eigentlich gewöhnt ist.
Der amerikanische Poker-Profi ist ein erfahrener No-Limit-Spieler, insbesondere im Bereich des Mid- und Shortstack-Spiels. Mit einem entsprechend zuversichtlichen Gefühl geht er die Herausforderung 'Oktober Nine' an.
Wir haben uns mit Jeremy unterhalten, um seine Gedanken zum Final Table sowie etwas über seine Poker-Karriere zu erfahren und wie er sich auf das Millionenspiel vorbereitet.
Der WSOP Final Table beginnt am 28. Oktober.
PokerStrategy.com: Hallo Jeremy, danke, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Für die Leser, die dich vor der WSOP 2012 noch nicht kannten: Wie ist deine Poker-Karriere bislang verlaufen?
Jeremy Ausmus: Wie die meisten anderen auch begann ich mit dem Spiel im College - ich war aber nicht gleich zu Beginn auch online erfolgreich. Im Internet habe ich breakeven gespielt, als die Games 2003 noch unglaublich angenehm zu spielen waren.
Rounders hatte dann mein Interesse am Spiel deutlich gesteigert und den Gedanken, vom Pokern zu leben, in mir geweckt. Ich besorgte mir deshalb ein paar Bücher und nahm an Runden in der Umgebung teil, um mein Spiel zu verbessern.
Wie mir das bei manchen Spielen schnell passiert, verliebte ich mich in das Spiel, jedoch mit einem Unterschied: Wenn man gut genug pokert, kann man wirklich Geld damit verdienen.
Zur Zeit meines Abschlusses im Jahr 2005 hatte ich dann ein paar Tausend Dollar gespart und entschied mich, dass es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt geben könne, um als Profi in Las Vegas zu spielen und zu leben. Ich begann mit $2/$5 No-Limit und schlug auch kurze Zeit später die Online-Games. Nach ein paar Monaten machte ich recht gutes Geld.
Es stellte sich heraus, dass mein Online-Spiel für mich profitabler war, deshalb spielte ich dort von 2006 bis zum Black Friday besonders viel, meistens No-Limit Cash Games, aber auch Turniere und Mixed Games. Seit dem Black Friday habe ich viele Stunden an den $10/$20 und $25/$50-Tischen im Bellagio verbracht und zwischendurch auch mal $300/$600 im Aria gespielt.
"Ich denke, ich spiele mit 30BB besser als jeder andere am Tisch"
| Name | Chips | BB |
| Jesse Sylvia | 43.875.000 | 146 |
| Andras Koroknai | 29.375.000 | 98 |
| Greg Merson | 28.725.000 | 96 |
| Russell Thomas | 24.800.000 | 83 |
| Steven Gee | 16.860.000 | 56 |
| Michael Esposito | 16.260.000 | 54 |
| Robert Salaburu | 15.155.000 | 51 |
| Jacob Balsiger | 13.115.00 | 44 |
| Jeremy Ausmus | 9.805.000 | 33 |
PokerStrategy.com: Nun rückt das wichtigste Pokerspiel deines Lebens immer näher. Wie fühlst du dich?
Jeremy Ausmus: Ich fühle mich gut. Das Datum rückt näher und es wird langsam alles Realität. Ich werde von vielen Menschen vor Ort unterstützt, hoffentlich kann ich ihnen eine gute Show bieten!
PokerStrategy.com: Fühlt sich der Final Table aufgrund der Tatsache, dass du den kleinsten Stack hast, wie ein Freeroll ohne Druck für dich an?
Jeremy Ausmus: In gewisser Weise schon. Ich würde sagen, dass ich viel weniger Druck als der Chipleader [Jesse Sylvia] verspüre, das mit Sicherheit. Von ihm wird unglaublich viel erwartet, aber in Wirklichkeit ist es nicht wahrscheinlich, dass er in den meisten Fällen gewinnen wird. Dennoch wird es von ihm erwartet.
Für mich ist das Gegenteil der Fall: Von mir denken sicher nur wenige Menschen, dass ich mit dem kleinsten Stack große Chancen habe. Aber ich kann definitiv gewinnen: Mein Stack ist mit 33 Big Blinds viel besser spielbar als der der meisten anderen Shortstacks, die an einen Final Table gehen.
Außerdem gibt es einige Stacks, die nur wenige Millionen Chips von meinem entfernt sind. Es ist also nicht alles schlecht für mich.
PokerStrategy.com: Hast du dich besonders auf das Spiel mit 30BB vorbereitet und eine bestimmte Strategie für den Final Table entwickelt?
Jeremy Ausmus: Nicht in der letzten Zeit. Aber ich habe mit Sicherheit deutlich mehr Poker mit 30BB gespielt, als jeder andere am Tisch. Seit 2009 habe ich die 30BB CAP Games auf Full Tilt Poker sehr intensiv gespielt, als dort sehr gute Games auf $25/$50 liefen.
Als sich der Black Friday ereignete, war ich einer der größten Gewinner in diesen Games. Ich fühle mich mit jeder Stack Size sehr wohl, aber mit 30 Big Blinds denke ich, dass ich besser als jeder andere am Tisch spiele.
"Am entscheidenden Tag werde ich voll da sein"
PokerStrategy.com: Wie sieht es mit sonstiger Vorbereitung aus: Hast du dir die ESPN-Aufnahmen angeschaut oder verschiedene Coaches verpflichtet, wie das viele Finalisten machen?
Jeremy Ausmus: Ich habe mir die Übertragungen angeschaut, das war es aber auch. Ich habe seit dem Main Event nicht ein Turnier gespielt!
PokerStrategy.com: Das klingt nicht gerade nach der üblichen Herangehensweise...
Jeremy Ausmus: Ich hatte sehr viel im familiären Bereich zu tun. Wir haben eine zwei Jahre alte Tochter und meine Frau musste aufgrund von Komplikationen während ihrer zweiten Schwangerschaft im Bett liegen. Sie hat unseren Sohn vor gerade einmal drei Wochen sechs Wochen zu früh geboren.
Entsprechend waren wir sehr viel im Krankenhaus und ich habe seit drei Wochen keine Hand gespielt. Deshalb habe ich andere Dinge getan, um in eine positive Stimmung zu kommen und für das Turnier mental bereit zu sein. Ich war zum Beispiel viel im Fitnessstudio und habe gesund gegessen.
Gesundheit war ohnehin für lange Zeit ein kaum beachteter Aspekt im Leben eines professionellen Pokerspielers. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, auf der Höhe zu sein und nicht mental zu ermüden. In ein paar Tagen werde ich außerdem meinen Schlafrhythmus umstellen und beginnen, wieder mehr Poker zu spielen.
"Wenn ich gewinne, wird sich nicht viel verändern"
PokerStrategy.com: Schön zu hören, dass es der Mutter und dem Kind gut geht und du die richtigen Prioritäten setzt! Was denkst du allgemein über die lange Pause vor dem Final Table? Lohnt sich diese noch, wenn man bedenkt, wie wenige Sponsoren es heutzutage nur noch gibt?
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Jeremy Ausmus: Die Pause ist nicht mehr so wichtig, wie sie einmal war. Es gib im Hinblick auf Sponsoren nach wie vor ein paar Möglichkeiten, aber ich denke nicht, dass es denen wirklich um die Spieler geht, sondern mehr darum, um die Zuschauerzahlen in die Höhe zu treiben. Und das funktioniert wohl auch.
Es ist eine interessante Idee mit einigen Vor- und Nachteilen: Die Spannung wird deutlich erhöht und die WSOP ins Rampenlicht manövriert, das ist toll. Aus meiner persönlichen Sicht ist es sicher nicht so vorteilhaft. Die meisten Spieler am Tisch werden gecoacht, arbeiten an ihrem Spiel, etc.
Auch wenn es scheint, dass alle bereits ordentlich spielen, hatten einige von ihnen schon ein paar Verbesserungen nötig und werden wahrscheinlich große Fortschritte gemacht haben, wenn es losgeht. Ich möchte mich nicht zu selbstherrlich anhören, aber es ist schon so, dass ich deutlich weniger Möglichkeiten habe, mein Spiel zu verbessern. Was ich in den letzten zwei bis drei Monaten gemacht habe, habe ich auch schon in den vergangenen sieben oder acht Jahren gemacht.
Ich habe schon immer intensiv an meinem Spiel gearbeitet und hatte damit ganz ordentlichen Erfolg im Laufe der Jahre. Offensichtlich spreche ich aber nicht von allen Gegnern am Final Table, einige sind genau wie ich Profis.
Ich mache mir aber nicht so viele Sorgen über meine Auszeit. Ich habe so viel Poker in der Vergangenheit gespielt, dass ich nicht glaube, mich in dieser Zeit verschlechtert zu haben.
Ich würde sagen, dass ich seit der WSOP weniger Poker als alle anderen am Final Table gespielt habe. Aber ich kenne ein paar Dinge, an denen ich arbeiten muss und, so viel kann ich versichern: Am entscheidenden Tag werde ich voll da sein.
PokerStrategy.com: Wird es ein Team um dich herum geben, dass dich mit Informationen vom Live-Stream versorgt? Glaubst du, dass so etwas heutzutage wichtig ist?
Jeremy Ausmus: Ich denke schon, dass dies für eine interessante Dynamik sorgt. Es kann sein, dass ich Informationen bekomme, es muss aber nicht sein. Ich denke, die meisten Spieler würden diese Möglichkeit nutzen.
PokerStrategy.com: Zum Abschluss vielleicht noch eine der bekannten Standardfragen: Wenn du gewinnst, was machst du mit dem Geld und was planst du für die Zukunft?
Jeremy Ausmus: Wenn ich gewinne, wird sich denke ich nicht viel für mich ändern. Es könnte sein, dass ich mehr reise und Turniere spiele, aber auch das wird sich in Grenzen halten, da ich eine Familie habe und nie einer der Profis sein wollte, die ständig unterwegs sind. Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich es wohl schon gemacht.
Wenn ich spiele, dann wahrscheinlich hauptsächlich Mixed Games Ich würde mir wohl eine Wohnung in Kanada suchen und dort die großen Online-Serien wie WCOOP spielen. Ich würde außerdem meine Schulden abbezahlen und versuchen, ein paar kluge Investments zu tätigen. Vielleicht ein paar Immobilien kaufen. Ein neues Auto wäre wohl auch mal wieder fällig.
PokerStrategy.com: Danke für deine Zeit Jeremy und viel Glück am Final Table!
Dieses Interview wurde von Matt 'mjperry' Perry geführt | MJPerry auf Twitter


