Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Interview mit 'All In: The Poker Movie'-Regisseur Doug Tirola

Im Gespräch mit PokerStrategy.com äußert sich der Regisseur der Dokumentation 'All In: The Poker Movie' Doug Tirola zu den kontroversen Szenen mit Howard Lederer und schildert, welche Auswirkungen der Black Friday auf den Dokumentarfilm hatte.

In der letzten Woche haben wir ein Review der Poker-Dokumentation 'All In: The Poker Movie' präsentiert. Der Dokumentarfilm schildert die Geschichte von Poker in den USA von den Anfängen bis zur heutigen Zeit und zeigt auch ein Interview mit Howard Lederer, das kurz vor dem Black Friday aufgenommen wurde.

Im Gespräch mit PokerStrategy.com erklärt Regisseur Doug Tirola, wie er den Schwierigkeiten begegnete, die sich nach den Ereignissen des Black Friday im Hinblick auf den Dokumentarfilm ergaben, nachdem das Projekt eigentlich schon fertiggestellt war.

PokerStrategy.com: Warum hast du dich entschlossen, eine Dokumentation über die bisherige US-Pokergeschichte zu produzieren?

Doug Tirola: Als wir die Arbeit an dem Projekt begannen, war die erste Überlegung, einem bekannten oder komplett unbekannten Spieler der Pokerszene zu folgen und dessen Erlebnisse festzuhalten. Ich war jedoch der Meinung, dass solche Geschichten schon zur Genüge im Fernsehen gezeigt werden. ESPN leistet in dieser Hinsicht bereits gute Arbeit und versteht es, diese Jungs im Zuge der Berichterstattung zu interessanten Charakteren zu machen.

Daher habe ich mich entschlossen, in unserer Dokumentation vielmehr die Trendwende im Hinblick auf Poker zu behandeln, das heißt, ich habe versucht zu analysieren, wie es zu einer Renaissance in Sachen Poker kam.

"Wir waren kurz davor, die Arbeit an der Dokumentation endgültig abzuschließen, als wir vom Black Friday erfuhren"

doug tirola
Doug Tirola

PokerStrategy.com: War der Film bereits fertiggestellt, als es zu den Ereignissen des Black Friday kam?

Doug Tirola: Im Grunde genommen waren die Aufnahmen fertig. Wir hatten bereits einen Rohschnitt des Films bei einem Festival gezeigt, um eine erste Resonanz eines Publikums zu bekommen. Wir hatten ohnehin versucht, das Projekt so aktuell wie möglich zu gestalten - so hatte PokerStars beispielsweise gerade die NAPT gestartet, bei der wir auch vor Ort waren.

Wir waren also kurz davor, die Arbeit an der Dokumentation endgültig abzuschließen, als wir wie aus dem Nichts von den Ereignissen erfuhren. Wie die Charaktere im Film habe ich direkt die Seiten von PokerStars und Full Tilt Poker aufgerufen und einen Blick auf die bedrohlich wirkenden Regierungssymbole geworfen.

Anschließend habe ich sofort versucht, einige der Personen zu kontaktieren, die in der Dokumentation vorgestellt werden und mit denen ich im Zuge der Dreharbeiten Freundschaft geschlossen habe, um mir deren Meinung zu den Vorgängen einzuholen. Die meisten von ihnen waren schlichtweg nicht zu erreichen.

Wir haben die Geschichte etwas sacken lassen und uns überlegt: "OK. Wie können wir die Sache angehen?" Dass wir zunächst eine Weile abwarten mussten, war klar. Uns war bewusst, dass wir die Dokumentation nicht einfach eine Woche später veröffentlichen konnten und die Geschehnisse mit einer kurzen Anmerkung am Ende des Filmes einbauen konnten. Wir mussten zunächst abwarten und schauen, wie sich die ganze Sache entwickeln würde.

Wir entschlossen uns daher, zunächst zur WSOP zu fahren, allerdings nicht um über das Turnier zu berichten. Wir wollten stattdessen etwas über die Menschen und deren Geschichten erzählen. Wir wollten schildern, wie sich die Ereignisse auf deren Leben ausgewirkt hatten.

Uns fiel dabei auch auf, dass gewisse Dinge nicht angesprochen wurden. Einige Personen gaben knappe Antworten, obwohl eigentlich klar war, dass sie höchstwahrscheinlich einen weitaus tieferen Einblick in die Geschehnisse hatten. Wir beschlossen, dass es hinsichtlich der Story kein Verfallsdatum gab. Es ging letzten Endes zwar um einen konkreten Moment, dieser zog sich allerdings hin. Wir hatten die Aufnahmen zwar Ende 2011 abgeschlossen, haben jedoch noch Informationen in die Dokumentation mit aufgenommen, die bis Februar 2012 noch nicht bekannt waren.

"Ich denke, dass es einen weiteren Boom geben wird, dieser wird allerdings nicht auf derart natürliche Weise zustande kommen"

moneymaker
Chris Moneymaker und der Pokerboom

PokerStrategy.com: Die Dokumentation beginnt als einfache Story über die bisherige Pokergeschichte. Kann man sagen, sie endet mit einer Art Mobilisierung der Szene im Hinblick auf Poker in den USA?

Doug Tirola: Viele der Interviewpartner, mit denen ich Gespräche führen konnte, haben mehr oder weniger auch meine Ansichten bezüglich Poker widergespiegelt. Brian Koppelman, Co-Autor des Drehbuchs zu "Rounders" war solch ein Fall. Auch wenn er bestürzt über die Ereignisse des Black Friday war, konnte er der Sache etwas abgewinnen.

Poker war plötzlich wieder gefährlich. Die Atmosphäre eines Hinterzimmers, in dem sich gedämpftes Licht seinen Weg durch dicken Zigarrenqualm sucht, hat etwas Verführerisches an sich. Auch diesen Aspekt des Spiels liebe ich. Ich finde es gut, dass Poker nicht an denselben Orten und von denselben Menschen gespielt wird, die auch Golf spielen.

Ich habe versucht, auch diese Thematik in der Dokumentation zu behandeln - das Risiko und welche Rolle zum Beispiel die Regierung dabei spielt. All dies war stets auch Inhalt des Films. Dann jedoch ereignete sich der Black Friday und all diese Themen wurden urplötzlich ein essenzieller Teil der Dokumentation.

Politiker sagen, dass Poker einen schlechten Einfluss auf Kinder und Heranwachsende hätte. Die Pokercommunity hat ganze Arbeit geleistet, um klarzumachen, dass der Black Friday nichts damit zu tun hatte und dass es aus völlig anderen Gründen zu den Ereignissen kam. Wenn man mit den Mitgliedern der Community viel Zeit verbringt und sie näher kennenlernt, dann hofft man natürlich auch, dass wir die Community zu ihrer Zufriedenheit porträtiert haben. Ich hoffe in der Tat, dass es zu einer Art Mobilisierung der Szene kommt, wenn sich die Community-Mitglieder den Film anschauen.

PokerStrategy.com: Die Geschichte von Chris Moneymaker nimmt einen großen Teil der Dokumentation ein. Denkst du, dass das Zustandekommen eines regulierten US-Marktes einen ähnlichen Pokerboom auslösen könnte?

Doug Tirola: Ich bin selbst Pokerspieler, also hoffe ich, dass es dazu kommt. Mein erster Instinkt sagt mir: Ja, ich denke, dass es einen weiteren Boom geben wird, insbesondere weil auch Personen in den Markt einsteigen werden, denen die Rechtslage zuvor zu unsicher war. Unwahrscheinlich ist allerdings, dass der nächste Boom in einer ähnlich natürlichen Weise zustande kommen wird. Es wird zwar einen Boom in wirtschaftlicher Hinsicht geben allerdings nicht aufgrund derartiger Cinderella-Storys.

Zur damaligen Zeit kam alles zusammen: "Rounders", die Hole Card-Kamera, der Internetboom und die Geschichte von Chris Moneymaker - eine unheimliche Vielfalt an Aspekten. An welchem Tisch würde man schon zur gleichen Zeit auf Henry Orenstein, Brian Koppelman, Matt Damon und Chris Moneymaker treffen? Für mich als Geschichtenerzähler ist das eine großartige Gruppe von Personen.

"Wenn Howard sagt, 'Helden betrügen nicht beim Pokern', sagt das im Grunde genommen schon alles"

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Howard Lederer in der Dokumentation

PokerStrategy.com: Wie achtsam warst du bei der Darstellung von Howard Lederer im Rahmen der Dokumentation angesichts der Tatsache, dass ihm seitens der Pokercommunity mittlerweile derart heftige Abneigung entgegenschlägt?

Doug Tirola: Damit habe ich mich natürlich bei der finalen Bearbeitung der Dokumentation immer wieder auseinandergesetzt. Selbst vor dem Black Friday gab es bereits Personen, die definitiv keine Fans von Howard waren. Eventuell war es Neid aufgrund des vermeintlichen Erfolges von Full Tilt Poker - wie zum Beispiel bei erfolgreichen Sportmannschaften, denen aufgrund ihrer Leistung auch von manchen Seiten Hass entgegengebracht wird.

Es war schwer, ein Interview mit ihm zu bekommen. Als wir jedoch mit ihm sprechen konnten, nahm er sich rund zwei Stunden Zeit. Er gab sich wortgewandt und schilderte leidenschaftlich seine Gedanken und Visionen zum Thema Poker, zum Leben an sich und zum Platz, den Poker in der Welt einnehmen sollte.

Nachdem mehr und mehr Details im Anschluss an den Black Friday zutage traten, haben wir für weitere sechs Monate an der Dokumentation gearbeitet. Genug Zeit also, um das volle Ausmaß der Situation rund um Full Tilt Poker zu erfassen. Angesichts der Enthüllungen haben wir das Interview mit Howard dann noch einmal genauestens unter die Lupe genommen.

Wie man sich vorstellen kann, haben die neuen Erkenntnisse dafür gesorgt, dass manch eine Stelle im Interview plötzlich in einem völlig anderen Licht erschien. Wir hatten ihn kurz vor dem Black Friday interviewt. Er wusste also wahrscheinlich schon ansatzweise, was in naher Zukunft auf ihn und alle Beteiligten zukommen würde. Eventuell hatte er ja noch Hoffnung, dass es gut ausgehen könnte.

Ich wollte jedoch nicht, dass die Dokumentation, den Zuschauern vorschreibt, wie sie über ihn zu denken haben. Ich denke, wir haben ihn fair und ehrlich porträtiert. Das Publikum kann sich anhand der Fakten, die im Hinblick auf die Situation von Full Tilt Poker enthüllt wurden, ein eigenes Bild machen. Betroffene Full Tilt-Spieler in die Kamera schreien zu lassen, hätte die Leute abgeschreckt. Ich gehe zwar davon aus, dass manch ein Spieler aufschreien wird, wenn er sich das Interview anschaut, ich wollte die Sache allerdings nicht ausschlachten.

Wenn Howard sagt, "Helden betrügen nicht beim Pokern", sagt das im Grunde genommen schon alles. Die Zuschauer können ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen und seine Mimik und Gestik beobachten, während er diesen Satz vor laufender Kamera vorträgt. An dieser Stelle pausieren wir den Film für einige Momente. Das ist ein sehr wichtiger Augenblick in der Dokumentation.

In einer Szene wird auch behauptet, dass Howard Lederer als Vorbild für "Rounders" gedient hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich der Fall war. Falls es jedoch stimmen sollte, dann hätte man ihn vor zwei Jahren wohl mit dem Charakter in Verbindung gebracht, den Matt Damon im Film spielt. Heute würde man ihn wohl eher als Spiegelbild des Charakters von Edward Norton ansehen.

von Barry Carter