Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Interview mit Jim Varnon, CEO von Hold'em Manager 2 [Teil 2]

Im zweiten Teil des Interviews mit Hold'em Manager 2-CEO Jim Varnon dreht sich das Gespräch vor allem um das Thema "Mobiles Poker" und um die Auswirkungen, die Trackingsoftware auf die Online-Pokerszene hat.

Am vergangenen Sonntag haben wir den ersten Teil unseres Interviews mit Hold'em Manager 2-CEO Jim Varnon veröffentlicht. Darin äußerte sich Jim unter anderem zur Vergangenheit und Zukunft des Hold'em Manager 2. Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit Jim vor allem über das Thema "Mobiles Poker" und über die Auswirkungen, die Trackingsoftware auf die Online-Pokerszene hat.

Teil 1 des Interviews mit Hold'em Manager 2-CEO Jim Varnon

Hold'em Manager 2 wird mobil

HM2-Angebot
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PokerStrategy.com: Es scheint, als sei "Mobiles Poker" der nächste große Trend und auch Hold'em Manager 2 verfügt über eine Mobile-App. Kannst du den Nutzern diese App näherbringen und erläutern, welche Ziele ihr noch hinsichtlich der Weiterentwicklung der App habt?

Jim Varnon: Die kostenlose Hold'em Manager iPhone-App ist in den Hold'em Manager 2 integriert. Mit einem einzigen Klick kann man die Hände aus seiner HM2-Datenbank in die Hold'em Manager iPhone-App übertragen. Man kann interessante Hände nun also auch unterwegs erneut abspielen und analysieren und ist in dieser Hinsicht nicht länger auf einen Desktop-PC oder ein Notebook beschränkt.

Das Wichtigste: Mithilfe der Hold'em Manager iPhone-App können Nutzer auch innerhalb privater Usergruppen, die man entweder selbst erstellt oder in die man eingeladen wird, Hände untereinander austauschen und kommentieren. Diese Option wird von Coaches und Schülern sehr geschätzt und als äußerst hilfreich empfunden. Viele Spieler erstellen auch private Gruppen und laden ihre Freunde ein, um gemeinsam am eigenen Spiel zu arbeiten und sich untereinander auszutauschen.

Man kann auch seinen eigenen "Public Channel" mittels der Hold'em Manager iPhone-App erstellen. Dort kann man ebenfalls seine eigenen Hände präsentieren, kommentieren und somit Feedback von anderen Nutzern einholen. Die Inhalte solcher "Public Channel" können von jedem Nutzer der Hold'em Manager iPhone-App eingesehen werden.

Mehr Nutzen als Schaden - "Online-Poker hat von Trackingsoftware profitiert"

ps.com hm2 hud
Hand Replayer des Hold'em Manager 2
mit PokerStrategy.com-Logo

PokerStrategy.com: Die rasche Verbreitung von Trackingsoftware, HUDs und weiteren Tools hat einige Leute sehr besorgt. Man befürchtete, dass diese Hilfsmittel der Online-Pokerindustrie auf lange Sicht schaden würden. Teilst du diese Sorge oder bist du in dieser Hinsicht komplett anderer Meinung?

Jim Varnon: Um diese Frage sachgerecht zu beantworten, muss man zunächst zwei Arten von Datenbanken unterscheiden: Zum einen Datenbanken, die Hände enthalten, die man selbst gespielt hat; zum anderen Datenbanken, die Hände enthalten, die man von Drittanbietern gekauft hat.

Meiner Meinung nach hat die Online-Pokercommunity von Trackingsoftware und HUDs in Verbindung mit Datenbanken selbst gespielter Hände profitiert. Anfänger und Durchschnittsspieler werden mit einer Reihe von Tools versorgt, mit denen sie die eigenen Resultate schneller verbessern können, bis sie einen Punkt erreichen, an dem sie die eigene Verlustrate begrenzen können oder sogar zu einem Break-even- oder gar Winning-Player reifen. Dadurch bleibt bei diesen Spielern das Interesse an Poker länger erhalten, sodass sie sich auch länger an den Partien beteiligen.

Natürlich möchten die Haie der Szene im Grunde genommen nicht, dass sich Anfänger und Durchschnittsspieler verbessern, wobei das natürlich sehr kurzfristig gedacht ist. Gleichermaßen wollen die Fische aber auch nicht den Haien zum Opfer fallen. Natürlich wird das früher oder später sowieso stets passieren. Allerdings hat die Verbreitung von Produkten wie Hold'em Manager 2 dazu geführt, dass sich die Spielerfluktuation reduzierte und die Lebenserwartung vieler Fische und Durchschnittsspieler, die unsere Software nutzen, erhöhte.

Der Ankauf von öffentlichen Datenbanken, die Hände enthalten, die man selbst nicht gespielt hat, schadet meiner Meinung nach allerdings dem Spiel. Spieler, die solche Handverläufe erwerben und verwenden, verschaffen sich dadurch einen unfairen Informationsvorteil gegenüber ihren Gegenspielern, den sie eigentlich nicht haben dürften.

Um solchen Praktiken effektiv Einhalt zu gebieten, ist im Rahmen der Nutzungsbedingungen der jeweiligen Anbieter ein gewisser Grad an Zusammenarbeit zwischen den Pokerseiten und den Herstellern von Trackingsoftware wie zum Beispiel Hold'em Manager 2 notwendig.

Wir haben in dieser Hinsicht bereits in der Vergangenheit Kontakt zu einigen der größten Anbieter aufgenommen und unsere Bereitschaft zur Kooperation erklärt, um Systeme zur Authentifizierung zulässiger Handverläufe zu implementieren. Leider können viele der Maßnahmen, die wir ohne Mithilfe der Anbieter oder die Anbieter ohne unsere Mithilfe im Hinblick auf die Problematik ergreifen, von den Verkäufern eben solcher Handverläufe bisher recht problemlos umgangen werden.

Zusammenarbeit mit den Pokerräumen

HM2 und OM2
HM2 und OM2 unterstützen eine
Vielzahl von verschiedenen Pokerräumen

PokerStrategy.com: Gab es im Zuge der Entwicklung der Software eine enge Zusammenarbeit mit den einzelnen Pokerräumen? Falls ja, hat die restriktive Politik einiger Anbieter im Hinblick auf Trackingsoftware und Data-Mining ("Anonyme Tische", Verbote von HUDs etc.) eure Arbeit erschwert?

Jim Varnon: Von vielen Pokerräumen bekommen wir im Vorfeld eines Updates ihrer Software eine Vorabmitteilung zu den geplanten Änderungen. Wir selbst schicken den Anbietern ebenfalls regelmäßig Preview-Versionen unserer Software, bevor wir neue Features oder Versionen veröffentlichen.

Was die Haltung der Pokerräume gegenüber Data-Mining betrifft: Wie bereits erwähnt, haben viele der Maßnahmen, die die Anbieter auf eigene Faust unternehmen, um dem Data-Mining von Händen Einhalt zu gebieten, keinen Erfolg. Die Verkäufer von Handverläufen Dritter können diese nach wie vor problemlos umgehen. Wir würden uns freuen, wenn wir mit den Anbietern zusammenarbeiten könnten, um gemeinsam Maßnahmen zu implementieren, die die Nutzung solcher Handverläufe unterbinden würden.

Was die Position einiger Anbieter in Bezug auf HUDs betrifft: Ich persönlich glaube, dass ein Verbot von HUDs Regulars bzw. Vielspieler abschrecken würde, wodurch dem Anbieter eine wichtige Einnahmequelle verloren ginge.

Man würde weniger Rake einnehmen und letzten Endes stünden den Freizeitspielern auch weniger Partien zur Verfügung. Darüber hinaus würde ein Verbot Fischen und Durchschnittsspielern, die gewillt sind, das eigene Spiel zu verbessern, mehr schaden, als es die Fähigkeiten von guten Spielern einschränken würde, das zu tun, was sie eben tun, nämlich andere Spieler am Pokertisch zu übertrumpfen.

Nichtsdestotrotz ist es natürlich jedem Anbieter selbst überlassen, was man bezüglich dieses Themas aus unternehmerischer Sicht als sinnvoll erachtet. Selbstverständlich würden wir Entscheidungen einzelner Anbieter respektieren und beim entsprechenden Pokerraum kein HUD unterstützen, falls es seitens des Anbieters erwünscht wäre.

Was das Thema "Anonyme Tische" betrifft: Es gibt eine gewisse Anzahl an Online-Pokerspielern, die aus verschiedenen Gründen, nicht gerne an "Anonymen Tischen" spielen. Natürlich gibt es auch einige Spieler, die diese Art von Tischen bevorzugen. Unsere Position in Bezug auf "Anonyme Tische" ist im Grunde genommen nicht relevant, da der Markt selbst bestimmen wird, ob sie sich letzten Endes durchsetzen oder nicht.

Die Reaktion der Freizeitspieler

shark
HM2 kann Fischen helfen,
zu Haien zu werden

PokerStrategy.com: Denkst du, dass auch Freizeitspieler euer Produkt kennen? Falls nicht, glaubst du, dass sie eher positiv oder eher negativ reagieren würden, wenn sie erfahren würden, dass es Spielern zur Verfügung steht?

Jim Varnon: Inzwischen kennt ein weitaus größerer Anteil der Freizeitspieler Produkte wie Hold'em Manager 2, als es noch vor rund fünf Jahren der Fall war. Das wird sehr deutlich, wenn man die Steigerung unserer Verkaufszahlen mit dem Wachstum der gesamten Industrie vergleicht.

Auf die Frage, ob die Freizeitspieler positiv oder negativ reagieren würden, gibt es keine klare Antwort. Einige Freizeitspieler interessiert es schlichtweg nicht, andere wiederum erkennen, dass man durch die Nutzung von Produkten wie Hold'em Manager 2 das eigene Spiel verbessern bzw. seine Verluste reduzieren kann. Und dann gibt es natürlich auch noch einige Freizeitspieler, die nicht sonderlich begeistert sind, wenn sie erfahren, dass solche Produkte existieren.

PokerStrategy.com: Wie viele Exemplare von Hold'em Manager habt ihr bisher verkauft? Wir fragen, weil es interessant sein könnte, abzuschätzen, wie hoch der prozentuale Anteil an Nutzern von Trackingsoftware im Vergleich zum gesamten Online-Spielerpool ist.

Jim Varnon: Unsere Verkaufszahlen sind natürlich vertraulich. Darüber hinaus gibt es schlichtweg keine eindeutige Möglichkeit, um zu bestimmen, wie hoch der prozentuale Anteil an Hold'em Manager-Nutzern im Vergleich zu Nutzern konkurrierender Produkte ist, da uns die Verkaufszahlen unserer Konkurrenten nicht bekannt sind. Allerdings gehen wir auf Basis von internen Schätzungen davon aus, dass Käufer von Trackingsoftware sich in den letzten drei Jahren in rund 60 bis 65 Prozent der Fälle für Hold'em Manager-Produkte entschieden haben.

Die Pläne abseits des Pokermarktes

DraftDay

PokerStrategy.com: Abgesehen von Hold'em Manager 2 und Omaha Manager 2, arbeitet ihr auch an weiteren Pokerprodukten oder eventuell sogar an Produkten, die keinen Bezug zu Poker haben?

Jim Varnon: Die wichtigsten Mitglieder unseres Managementteams und unserer Investorengruppe sind Online-Pokerspieler, die zuvor die Trainingsseite CardRunners.com gegründet und entwickelt haben, bevor sie sich im Oktober 2009 am Kauf von Hold'em Manager beteiligten.

Im September 2011 haben einige Mitglieder unseres Managementteams und unserer Investorengruppe die Seite DraftDay.com ins Leben gerufen. DraftDay ist eine "Fantasy Sports"-Seite, die eintägige "Fantasy Sports"-Spiele anbietet, bei denen man um Echtgeld spielen kann.

Während des Tagesgeschäfts konzentriere ich mich natürlich zu 100 Prozent auf unser Hold'em Manager-Produkt. Allerdings verfolge ich auch die Entwicklung von DraftDay und bin über den Erfolg, den die Seite seit dem Start vor rund sechs Monaten bereits vorweisen kann, begeistert.

PokerStrategy.com: Vielen Dank, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast, Jim! Alles Gute für die Zukunft!