Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Ist Poker im TV Sport oder Unterhaltung?

Sollten Pokersendungen, wie die WSOP-Coverage, das Spiel eher als Sport verkaufen oder auf Entertainment setzen, wie die neue Show Shark Cage?

Martin Jacobson
Martin Jacobson

Die Quoten des WSOP Main Events stiegen dieses Jahr um mehr als 10%. Gute Neuigkeiten für Poker, da das Fernsehen es immer wieder schafft, neue Spieler anzulocken.

Die Frage ist jedoch, wie wir Poker in Zukunft noch interessanter machen können. Welche Schlüsse können wir aus dem Quotenanstieg ziehen und wie kann dieser Erfolg wiederholt werden?

In der TV-Debatte scheint es zwei unterschiedliche Lager zu geben. Die einen promoten Poker als Sport, während die anderen eher ein Entertainmentformat für die breite Masse befürworten.

Wollen wir also eher die Möchtegern-Pros ansprechen oder den Markt auf den Freizeitspieler auslegen? 

Das 'Versportlichen' von Poker

ESPN poker coverage
Die ESPN-Coverage verbessert sich jedes Jahr

Ich habe immer zum Freizeitformat tendiert, die neusten Entwicklungen lassen mich jedoch grübeln, ob man Poker nicht doch erfolgreich als Sport verpacken kann.

Da wären zuallererst Alex Dreyfus und der Global Poker Index, die unermüdsam versuchen Poker zu ‘versportlichen’. Der GPI versucht das Spiel in den Mainstreammedien zu platzieren wie jede andere Sportart. Ob sie damit nun Erfolg haben oder nicht, ihre Bemühungen sollte man dennoch ehren, da sie viel investiert haben, um das Spiel zu promoten. 

Dann gab es den großen Erfolg der WSOP-Liveshow. Mit einem Ratinganstieg von 10% an Tag 1 und einem Fall von 6% an Tag 2 (was sehr wahrscheinlich an der kleinen Anzahl an Amerikanern im übrigen Feld lag), der trotzdem eine Zuschauerspitze von 1,16 Millionen verbuchen konnte. Außerdem handelte es sich nicht um die alte zweistündige ESPN-Highlight-Show, sondern 16 Stunden reines Poker. 

Mehr Zuschauerbeteiligung

Stephensen, Van Hoof and Jacobson
Zuschauer schätzen anspruchsvolle Analysen

Jeder der schon mal bei einem großen Turnier gerailt hat weiß, dass unaufbereitetes Live-Poker ein echter Grind sein kann. Dass ein so großes Publikum aber über einen so langen Zeitraum dabei bleibt, ist ein gutes Argument dafür, dass Poker ein Zuschauersport sein kann. Besonders da das Spiel am Final Table eher zurückhaltend war und keine bekannten TV-Pros zu bieten hatte. Auch das Level der Analysen war ziemlich anspruchsvoll.

Die gut durchdachte ESPN-Coverage machte das aber wett. Die Rails tragen zur Atmosphäre bei und die Möglichkeit sich das Event online ansehen zu können, hat sicherlich noch einmal Einfluss auf die Ratings. Es zeigt aber auch, dass der Inhalt nicht vereinfacht werden muss.

Fakt ist, dass der gewöhnliche Zuschauer es nicht gerne schwer hat. Deshalb werden Analysen simplifiziert, Highlight-Shows produziert, Coinflips gezeigt und 'verrückte' Charaktere in den Vordergrund gestellt. Mike Matusow einen Flip gegen Phil Hellmuth gewinnen zu sehen oder der Klassiker 'Tom Dwan vs Peter Eastgate vs Barry Greenstein' von High Stakes Poker sprechen den Nicht-Spieler einfach mehr an.

Auf der anderen Seite gibt es nun Sendungen wie Shark Cage von PokerStars, welche nicht nur mit einer hohen Dichte an Stars und Pros gespickt ist, sondern auch typische Reality-TV-Elemente beinhaltet, um die Dramatik zu steigern. So muss ein Spieler zum Beispiel in den 'Cage', sollte er die beste Hand am River folden. Selbst wenn man einen Flush nicht von einer Straight unterscheiden kann, gibt es in so einem Format noch etwas Sehenswertes. 

Jedermann ansprechen

The Shark Cage
Der Shark Cage

Was ist also das bessere Konzept für Poker im TV? Da ich immer eher ein Verfechter des Entertainments war, gefallen wir Shows wie Shark Cage, in der Poker sehr einfach dargestellt wird. Aber ich erinnere mich auch, wie anziehend Chris Moneymakers Sieg 2003 auf eine breite Masse gewirkt hatte. Er war ein Amateur, der es gegen die Besten aufgenommen hatte.

Um ehrlich zu sein, ESPN hat bei den Übertragungen schon immer eine gute Balance zwischen Pros und Freizeitspielern gefunden. Besonders wenn es um Promis beim Main Event ging, die jedermann ansprechen. 

Das ist der Grund, warum Poker so faszinierend sein kann. Ein totaler Anfänger kann die Besten der Welt schlagen, wenn das Kartenglück auf seiner Seite ist. All das zeigt, dass es ein guter Ansatz wäre, das Beste beider Seiten zu nehmen. Zeigt Poker als Sport. Betont jedoch, dass es ein Sport ist, bei dem jeder gewinnen kann. 

Wie soll TV-Poker eurer Meinung nach in Zukunft aussehen? Schreibt es uns in die Kommentare.