Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Ist das Main Event noch die Hauptattraktion?

Haben die Players Championship oder das One Drop mittlerweile dem Main Event bei der WSOP den Rang abgelaufen?

World Series of Poker
Die WSOP bleibt das Highlight, aber welches Event ist das beste?

Ein interessanter Aspekt des diesjährigen WSOP-Turnierplans war, wie nah die Austragung der Players Championship, des One Drop und des Main Event beieinanderlagen. Die Players Championship endete am vergangenen Donnerstag, das One Drop startete im Anschluss am Freitag und das Main Event am Samstag.

Es liegt nahe, dass diese drei Events den Höhepunkt der Turnierserie bilden sollen. Ob man durch die neue Ansetzung nun Schwungkraft aufbauen oder sicherstellen will, dass die Highroller auch für die anderen Events lang genug in Vegas verbleiben, zweifellos sind es die drei bedeutendsten Turniere der WSOP.

Im Vergleich zum Main Event handelt es sich bei den beiden anderen Turnieren um deutlich jüngere Ergänzungen zum Schedule. Für einige Elitespieler stellen sie aus verschiedenen Gründen mittlerweile aber das "echte Main Event" dar. Daher stellt sich die Frage, welches der Turniere tatsächlich das prestigeträchtigste ist?

Die $50.000 Players Championship

Brian Rast Players Championship
Das Event der Pokerpuristen

Die $50.000 Players Championship wird auch als Main Event der Pokerpuristen bezeichnet, da dabei nicht nur Hold'em sondern insgesamt acht verschiedene Pokervarianten gespielt werden. Das Turnier ist zwar nur 11 Jahre alt, bereits jetzt kann man jedoch auf eine eindrucksvolle Geschichte zurückblicken, nachdem einige sehr berühmte Spieler triumphieren und die nach der Ikone Chip Reese benannte Trophäe in die Luft stemmen konnten.

Wer bei diesem Turnier etwas erreichen will, muss jede Form von Poker exzellent beherrschen. Selbst die superreichen Highroller, die Online- und Live-Poker dominieren, gehen dem Event aufgrund der notwendigen Vielfältigkeit aus dem Weg. Aus diesem Grund wird es für die Pokerelite oder zumindest für die in Vegas ansässigen Pros stets am meisten Prestige mitsichbringen.

Das Problem der Players Championship ist, dass sie nicht dieselbe Anziehung auf die breite Masse hat wie die beiden anderen Turniere. Die Zuschauer wollen nicht verwirrt werden, Mixed Games sind jedoch kompliziert. Daher hatte man 2010 und 2011 auch entschieden, dass beim übertragenen Final Table nur Hold'em gespielt wird, was jedoch den kompletten Sinn des Events auf den Kopf stellte.

Wer sich zu den Pokerpuristen zählt, sieht in diesem Turnier tatsächlich das echte Main Event. Wer jedoch der Meinung ist, dass Prestige auch ein Publikum erfordert, wird mit diesem Turnier nicht glücklich.

Das One Drop

Fedor Holz WSOP 2016
Das schwierigste No-Limit-Event des Jahres?

Es gibt zwei Versionen des One Drop, einmal mit einem Buy-in von $111.111 und einmal mit einem Buy-in von $1 Million. Aber egal welche der beiden Versionen ihren Weg in den WSOP-Schedule findet, es handelt sich stets um das prestigeträchtigste Super High Roller des Jahres. Und aus verschiedenen Gründen kann man argumentieren, dass beide Versionen auch das "echte Main Event" der WSOP darstellen.

Beim Turnier mit siebenstelligem Buy-in handelt es sich schlichtweg um atemberaubende Nosebleed-Action, bei der die Spieler wie bei keinem anderen Event unter Druck sind. Bei der $111.111-Version geht es etwas relaxter zu, aber im Normalfall liegt dafür die höchste Teilnehmerzahl des Jahres bei einem Super High Roller vor, für gewöhnlich mehr als 100 Spieler. Von daher kann man sagen, dass es das schwierigste, von Profis dominierte No-Limit-Event des Jahres ist.

Wer überzeugt ist, dass Vielfältigkeit den besten Pokerspieler auszeichnet, wird den Gipfel in der Players Championship sehen. Wer jedoch auf der Suche nach der härtesten Konkurrenz bei einem No-Limit-Event ist, muss lediglich beim One Drop antreten. Jahr für Jahr messen sich dort die besten Online- und Live-Hold'em-Experten. Und da 99% von Poker mittlerweile als Hold'em gespielt wird, wäre es auch durchaus fair zu sagen, dass beim prestigeträchtigsten Event ebenfalls Hold'em gespielt werden sollte.

Zudem ist das Spektakel ein Traum, wenn es um die Massentauglichkeit einer Übertragung geht. Garantiert werden große Namen der Szene das Finale erreichen, es wird um unfassbar hohe Preisgelder gehen und die Zuschauer kommen zusätzlich in den Genuss eines leicht verständlichen Formats.

Das Main Event

Joe McKeehen WSOP 2016
Nach wie vor das größte Event der Pokerszene?

Der wichtigste Grund, warum das Main Event nach wie vor als das prestigeträchtigste Turnier angesehen wird, liegt in seiner Natur. Geschichte und Mythos dieses Turniers wirken auch noch in der heutigen Zeit. Zudem hat es für gewöhnlich auch das größte Teilnehmerfeld und den höchsten Hauptpreis.

Das Problem des Main Event ist zugleich auch seine größte Stärke: Jeder kann das Turnier gewinnen. Cinderella-Storys wie die von Chris Moneymaker, der sich als Amateur gegen unzählige Profis durchsetzen konnte, verkörpern genau den Aspekt von Poker, der dem Spiel zu ungeahnter Popularität verhalf. Allerdings ist es dadurch auch schwieriger den aktuellen Champion als den "besten" Spieler zu verkaufen. Für jeden Jonathan Duhamel gibt es einen Jerry Yang, für jeden Joe Hachem gibt es einen Jamie Gold.

Das Main Event wird aus zahlreichen Gründen stets das aufregendste Event des Jahres bleiben, der Ausgang ist jedoch weitaus zufälliger, als manch ein Zuschauer ahnen kann. Ein Main-Event-Triumph bleibt zwar der begehrteste Titel des Jahres, aber ob er auch am prestigeträchtigsten ist, kann man bezweifeln.

Die Profis werden sagen, dass die Players Championship am meisten Prestige bietet. Die Geschichtsbücher werden stets das Main Event in den Mittelpunkt stellen. Für mich persönlich fällt die Wahl mittlerweile auf das One Drop, da es sich um ein Hold'em-Event handeln sollte und da dort die Konkurrenz am größten ist.

 

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