Ist es an der Zeit, Re-Entry-Turniere abzuschaffen?
Bei partypoker LIVE zieht man in Erwägung, bei seinen Events keine Re-Entrys mehr zuzulassen. Sollte das Freezeout-Format bei Major-Turnieren wieder zum Standard werden?

Das wohl Erstaunlichste bei der Entwicklung von Re-Entrys ist, dass die Option für ein erneutes Einkaufen nach dem Ausscheiden mit fast keinerlei Widerstand zur Norm bei Turnieren geworden ist. Erst vor Kurzem wurden Re-Entrys auch bei WCOOP, EPT und einigen Bracelet-Events der WSOP eingeführt, für Schlagzeilen sorgte das jedoch nicht, haben wir uns offensichtlich schon derart an die zusätzlichen Chancen gewöhnt.
Vergangene Woche hat der Eigentümer von partypoker LIVE Rob Yong jedoch erklärt, dass die Main Events der Tour aller Voraussicht nach allesamt wieder als Freezeout gespielt werden, bei denen es nur einen Starttag und eine verkürzte Phase für späte Anmeldungen geben soll. Den ungewöhnlichen Schritt erklärte er dabei wie folgt:
"Ich erinnere mich gerne an die alten Events der EPT, an die Aufregung, sich mit hunderten von Gleichgesinnten an die Tische zu setzen, um gegen die besten Profis anzutreten. Ich weiß noch, welchen Wert der Satz 'Shuffle Up and Deal' hatte – die Erleichterung, wenn der Nut Flush des Gegners nicht ankam, einen Topspieler zu schlagen, der dann wirklich 'raus' war, das tolle Gefühl Tag 2 erreicht zu haben, bevor man an der Bar mit Freunden die Hände besprochen hat, in der Hoffnung auf einen guten Table Draw am nächsten Tag.
Fernab vom WSOP Main Event können die meisten Spieler genau das heute nicht mehr erleben. Man wandert herum und registriert sich irgendwann. Wenn man volle Taschen oder ein Staking hat, ist das Busten egal und Tag 2 leicht zu erreichen, da man den Starttag einfach auslassen und sich direkt in den zweiten Turniertag einkaufen kann. Neben bekannten Spielern sitzt man nur noch selten, zum Großteil greifen sie nur noch auf die Late-Reg zurück, manchmal kann man mit weniger als 10% des Feldes starten und Fedor Holz immer und immer und immer wieder busten zu müssen, kann nur zermürbend für jeden Spieler sein."
Eine offizielle Bestätigung der Änderungen steht zwar noch aus, aber es sieht alles danach aus, dass wir zumindest eine Reduzierung von Re-Entry-Optionen erleben werden. Es wäre zweifellos eine einschneidende Maßnahme von partypoker LIVE, die mittlerweile zu einem wichtigen Akteur in Sachen Live-Turniere aufgestiegen sind, nicht zuletzt auch dank Re-Entrys. In den ersten beiden Jahren hat man zahlreiche Turniere mit riesigen Guarantees ausgetragen und mittels Re-Entrys einige Male ein heftiges Overlay vermieden. Allein in diesem Monat konnte man bei der UK MILLIONS ein Guarantee von £5 Millionen erreichen, nachdem sich Spieler zweimal pro Tag an insgesamt drei Starttagen und während der Late Registration an Tag 2 in das Turnier einkaufen konnten.
Die Romantik von Freezeout-Turnieren

Setzt sich die Änderung durch, werden die garantierten Preisgelder natürlich deutlich sinken, ich glaube jedoch, dass es ein gar nicht mal so unwillkommener Wechsel für die Pokercommunity wäre. Ich den letzten Monaten habe ich bei Gesprächen mit Spielern und Verantwortlichen der Pokerindustrie immer wieder gehört, dass Freezeouts ein Comeback feiern sollten. Der Eindruck ist schlichtweg, dass Re-Entrys Profis gewissermaßen erlauben, sich einen Titel zu erkaufen. Hobbyspieler bekommen nur eine Chance, jeder erfolgreiche Profi kann sich hingegen immer und immer wieder in ein Turnier einkaufen.
Mit der Ausnahme von reichen Hobbyspielern hat man als Amateur für gewöhnlich nur einen Shot bei einem großen Online- oder Live-Event. Entweder gönnt man sich einmal im Jahr ein besonders hohes Buy-in und schaut, was man erreichen kann, oder man hat sich kostengünstig über ein Satellite qualifiziert. Wenn Hobbyspieler und Profispieler dieselbe Anzahl an Chancen bei einem Turnier haben, hat das nicht nur etwas Romantisches, sondern erhöht auch den Anreiz des Events, hat man doch dieselbe Chance auf den großen Triumph wie alle anderen. Nicht zuletzt dieser Gedanke macht auch das WSOP Main Event so attraktiv, bei dem wir hoffentlich nie die Option zum erneuten Einstieg sehen werden.
Riesige garantierte Preisgelder sind natürlich klasse, wenn man einer der Spieler ist, die eine hohe Chance auf den Gewinn haben. Aber wenn die öffentliche Wahrnehmung von Re-Entry-Turnieren so schlecht ist, wie sie scheint, dann ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis Hobbyspieler aufhören die Events zu spielen.
Eine Blase kurz vor dem Platzen?

Die Pokerwelt insgesamt könnte sogar aufatmen, wenn partypoker LIVE tatsächlich Re-Entry-Events den Riegel vorschiebt. In den letzten Monaten habe ich schon häufiger überlegt, ob all die riesigen Guarantees und Events mit hohen Buy-ins eine platzende Blase ankündigen könnten. Ich weiß zum Beispiel, dass manche Spieler insgesamt mehr für Buy-ins während des Powerfest und der WCOOP als bei der World Series of Poker aufgebracht haben.
Jeden Monat haben Turnierregulars zahlreiche Anlässe, um Zehntausende in Buy-ins zu stecken, während die Anbieter Monat für Monat Millionen an Preisgeldern garantieren müssen. Ich weiß nicht, ob es so schlecht wäre, wenn die Pokerszene in diesem Bereich einmal etwas auf die Bremse tritt.
Man kann darüber streiten, ob sie nun tatsächlich fair oder unfair sind, aber wenn die breitere Pokercommunity der Auffassung ist, dass die Chancen bei Re-Entry-Turnieren nicht gleich sind, sollten wir zuhören. Ich hoffe daher, dass partypoker LIVE tatsächlich den Schritt wagt und auch andere Anbieter Freezeouts wieder vermehrt in den Turnierplan bei großen Festivals aufnehmen. Natürlich würden als Folge die Teilnehmerzahlen und Preisgelder sinken, aber es gibt auch weniger bezifferbare Indikatoren, mit denen man den Erfolg eines Turniers bewerten kann, zum Beispiel Prestige und Unterhaltung. Zudem gibt es auch so noch greifbarer Daten wie die Anzahl an einzelnen Spielern oder die Menge an Hobbyspielern, die es ins Geld schaffen. Wie auch immer der Erfolg bei einem Comeback von Freezeout-Turnieren bemessen wird, ich bin überzeugt, dass ein Zurück zu den Wurzeln hier guttun kann.
Sollte das Freezeout-Format wieder zum Standard bei Turnieren werden? Wir freuen uns auf eure Meinung!