Klage gegen Full Tilt Poker erweitert: $300 Millionen Schulden [Update]
Die Klage wirft Full Tilt Poker vor, ihre Spieler betrogen und fahrlässig mit der Sicherheit der Spielervermögen umgegangen zu sein. Howard Lederer, Chris Ferguson und Rafe Furst wurden als Angeklagte ergänzt - ihnen drohen hohe Strafen.
Das US-Department of Justice hat seine Zivilklage gegen Full Tilt Poker erweitert und auf einige beteiligte Personen ausgeweitet. Laut Subject:Poker wurden Howard Lederer, Chris Ferguson und Rafe Furst als neue Angeklagte hinzugefügt - die Kurzfassung der Anklage findet ihr hier.
Der Großteil der Anklageschrift blieb unverändert, aber nun gibt es konkrete zusätzliche Informationen über die Höhe der Beträge, die sich die Eigentümer des Unternehmens selber gezahlt haben.
Es heißt, die Eigentümer von Full Tilt Poker hätten sich selbst eine Summe von "etwa $443.860.529,89" gezahlt. Außerdem gibt es nun drei neue Angeklagte und ihnen drohen folgende Geldstrafen: $42 Millionen für Lederer, $25 Millionen für Ferguson und $12 Millionen für Furst.
Außerdem wirft das DOJ Full Tilt Poker und den Eigentümern vor, dass sie bisher keinerlei Schulden in Höhe von rund $300 Millionen an die Spieler zurückgezahlt haben.
So heißt es in der Anklageschrift: "Dem Vorstandsvorsitzenden von Full Tilt Poker, Ray Bitar, war der Bedarf an neuen Einzahlungen nach dem 15. April 2011 sehr wohl bewusst.
Er wusste, dass selbst wenige Millionen Dollar an unerwarteten Auszahlungsanträgen, Full Tilt Pokers tatsächliche finanzielle Lage offenlegen könnten.
So hat Bitar beispielsweise in einer internen E-Mail, datiert auf den 12. Juni 2011, sein Besorgnis geäußert, dass eine Stellungnahme des Unternehmens hinsichtlich interner Kündigungen und dem Austauschen des Vorstands, als schlechte Neuigkeiten in der Öffentlichkeit aufgenommen werden könnten und einen neuen "Ansturm auf die Bank" verursachen könnten.
Zudem fügte er hinzu, dass es ein "riesiger Ansturm" werden könnte und das Unternehmen "zu diesem Zeitpunkt nicht einmal einem 5 Millionen Ansturm standhalten könnte."
Die abgeänderte Klage legt ebenfalls Informationen bezüglich der Inhaberschaft von Tiltware LLC offen:
"Zu jedem Zeitpunkt, der eine Rolle für die abgeänderte Klage spielt, befanden sich Bitar, Lederer, Ferguson und Furst unter den Gründern von Full Tilt Poker. Zudem waren sie Teilhaber von Tiltware LLC, eine kalifornische Kapitalgesellschaft, die wirtschaftlicher Eigentümer aller anderen Unternehmen Full Tilt Pokers war.
Insgesamt haben ungefähr 23 Personen Anteile an Full Tilt Poker gehalten. Die Angeklagten im Besonderen hielten die folgenden prozentualen Anteile an Tiltware LLC: Bitar (7,8%), Lederer (8,6%), Ferguson (19,2%), Furst (2,6%).
Die Angeklagten waren zudem zu jedem relevanten Zeitpunkt Mitglieder des Aufsichtsrats von Tiltware LLC und Ferguson war Vorsitzender des Aufsichtsrats."
Zusätzliche Fakten aus der abgeänderten Klage:
• Seit dem 31. März 2011 schuldet Full Tilt Poker seinen Spielern schätzungsweise mehr als $390.695.788, hatte aber lediglich ungefähr $59.579.413 in seinen Geschäftskonten.
• Ray Bitar hat mindestens $41 Millionen erhalten, darunter mindestens $34.454.781,53 in Form von Ausschüttungen an Eigentümer und mindestens $6,5 Millionen in Form von zusätzlicher Gewinnbeteiligung.
• Howard Lederer hat mindestens $42 Millionen erhalten, darunter schätzungsweise $37.856.010,92 in Form von Ausschüttungen an Eigentümer und mindestens $4 Millionen in Form von zusätzlicher Gewinnbeteiligung.
• Chris Ferguson wurden ungefähr $85.161.305,88 an Ausschüttungen zugeteilt. Tiltware Aufzeichnungen zeigen, dass schätzungsweise $25 Millionen dieser Summe direkt auf Fergusons persönliche Konten überwiesen wurden und der Rest des Betrags als "Schuld" gegenüber Ferguson gekennzeichnet wurde.
• Der Angeklagte Furst hat mindestens $11.706.323,96 an Ausschüttungen erhalten.
• Die anderen schätzungsweise 19 Teilhaber von Tiltware LLC haben den Rest des Ausschüttungsbetrags von insgesamt ca. $443.860.530 erhalten. So hat beispielsweise ein professioneller Pokerspieler und Miteigentümer von Full Tilt Poker mindestens ca. $40.078.646,64 an Ausschüttungen erhalten, zudem zusätzlich noch Millionen von Dollar in Form von Gehältern seitens Full Tilt Poker. Mindestens ca. $4,4 Millionen dieser Gehälter wurden nicht zurückgezahlt.
Preet Bhararas Kommentar
Der Staatsanwalt von Manhattan Preet Bharara hat zudem Full Tilt Poker und dem Management vorgeworfen, das Unternehmen als ein "riesiges Schneeballsystem gegen seine eigenen Spieler" geführt zu haben. Er sagt, "Full Tilt ist keine rechtmäßige Pokerfirma, sondern ein globales Schneeballsystem." Eine Erklärung was hiermit gemeint ist, findet ihr hier.
Bharara führt weiter aus, dass das Unternehmen "seine eigenen Spieler um Hunderte von Millionen von Dollar betrogen hat. […] Eingeweihte haben sich die Taschen mit den Geldern der treuesten Kunden gestopft, während sie unbekümmert die Spieler und die Öffentlichkeit in gleichem Maße hinsichtlich der Sicherheit des beim Unternehmen hinterlegten Geldes belogen haben."
Wie immer wird euch PokerStrategy.com auf dem Laufenden halten, sobald es neue Informationen zu den Entwicklungen gibt.
Update, 21. September 2011: Tom Dwan auf 2+2
Tom 'Durrrr' Dwan hat einen Thread in den TwoPlusTwo-Foren erstellt, in dem er Fragen der User beantwortet.
Insgesamt beantwortete er sechs Stunden lang die Fragen der Nutzer und bestätigte währenddessen folgende Informationen:
• Er kannte das Ausmaß der Probleme seit mehreren Monaten, hatte aber eine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben und musste diese auch einhalten, da er sonst einen Freund, der in Verkaufsgespräche involviert war, in Schwierigkeiten gebracht hätte.
• Dwan bestätigt, dass Full Tilt kein Angebot abgelehnt hat, dass eine Rückzahlung der Spielergelder und der rechtlichen Verpflichtungen beinhaltet hätte.
• Er bestätigt außerdem, dass er sein Versprechen, $1 Million an die Spieler auszuschütten, einhalten wird. Das Geld wird noch "vor Hanukkah 2012" (jüdisches Weihnachtsfest) ausgezahlt, vermutlich deutlich früher. durrrr stellt klar, dass es keine bevorzugte Behandlung für einzelne Spieler geben wird und dass es ein transparenter Prozess sein wird.
• Insgesamt hat er etwas mehr als $1 Million von Full Tilt erhalten und schuldet ihnen derzeit etwas weniger als das.
• Er hatte nie eine Gewinnbeteiligung oder einen Firmenanteil an Full Tilt
• Er glaubt, dass andere Full Tilt Pros ebenfalls einige ihrer Profite an die Spieler zurückgeben sollten
• Er sieht Phil Ivey weiterhin als Freund und hält seine Aktionen für richtig
• Er hat seit dem 18. April nicht mehr mit Rafe Furst, Chris Ferguson oder Ray Bitar gesprochen. Er hat mit Howard Lederer gesprochen, traut ihm allerdings nicht, auch wenn Lederer ihn (soweit er weiß) noch nie direkt angelogen hat.
• Wurde mehrfach aufgefordert, seinen Vertrag im Forum zu posten, hat dies aber bisher abgelehnt.
• Wird in den kommenden Tagen mehrere Interviews geben.
Update, 21. September 2011: Rafe Fursts Anwalt
David Angeli, von Rafe Furst beauftagter Anwalt, gab bisher folgendes Statement zu Protokoll: "Mr Furst hat nichts falsch gemacht. Er handelte stets so, wie es nach seiner Einschätzung am besten für die Spieler und jeden bei Full Tilt Poker war." Bisher ist Mr Angeli der einzige Rechtsbeistand der vier neuen Angeklagten, der sich zur Sache geäußert hat.
Update, 21. September 2011: AGCC Stellungnahme innerhalb von 24 Stunden?
Laut CalvinAyre.com wird eine Stellungnahme innerhalb der nächsten 24 Stunden auf der AGCC Webseite erwartet, da sich die Anhörung in London dem Ende neigt. Dies wurde offenbar heute auch in einem Telefongespräch mit der AGCC bestätigt.
Update, 21. September 2011: Tom Dwan Interviews
PokerNews.com hat gestern ein Interview mit Tom Dwan geführt, das heute veröffentlicht wurde. Es werden dabei jedoch keine wirklich neuen Informationen enthüllt, die man nicht schon in seinem Thread in den TwoPlusTwo-Foren finden konnte. Allerdings führt Dwan einige der zuvor genannten Punkte deutlicher aus.
So bezeichnet er einige der Eigentümer von Full Tilt Poker als Mistkerle und stärkt seine eigene Glaubwürdigkeit, indem er uns noch einmal daran erinnert, dass er nicht versucht hatte Simon Watt während ihres Heads-Ups bei der WSOP 2010 (welches Dwan verlor) zu bestechen, um seine äußerst lukrative Bracelet-Wette zu gewinnen.
Vor wenigen Momenten erschien Dwan auch bei den Fox News und bestritt die Vorwürfe, dass es sich bei Full Tilt um ein Schneeballsystem gehandelt habe.
Update, 21. September 2011: Rafe Fursts Blog
Rafe Furst, Full Tilt Pro und Anteilseigner, der gestern in die Klage des Justizministeriums aufgenommen wurde, veröffentlichte in seinem Blog einen offenen Brief. Darin gab er an, dass er nichts zu verheimlichen und sich nichts vorzuwerfen habe.
Hier der vollständige Wortlaut:
Ihr habt zweifellos schon von den Beschuldigungen gegen mich aus der Zivilklage im Fall Full Tilt Poker gehört. Aufgrund der Schwere der Anschuldigung kann ich mich zu dem laufenden Verfahren leider nicht äußern - so gern ich dies auch tun würde. Aus moralischer, persönlicher und zwischenmenschlicher Sicht habe ich nichts zu verheimlichen. Da ich unserem Rechtssystem vertraue und höchsten Respekt vor meinem rechtlichen Beistand habe, werde ich mich bis zur Klärung des Falls nicht dazu äußern.
Wozu ich mich aber äußern möchte ist die Sorge um meine Familie, Freunde, Kollegen und Unterstützer, die an mich glauben und unter der Situation genau so viel leiden wie ich. Es ist schwer, die persönlichen Angriffe und Beleidigungen in den Medien und sozialen Netzwerke zu ertragen, ohne mich verteidigen zu können. Privat habe ich allerdings von vielen von euch große Unterstützung erfahren und ich kann kaum in Worte fassen wie viel mir das bedeutet. Ich hoffe, dass ihr nie in eine ähnliche Situation kommt. Falls doch hoffe ich aber, dass ihr ebenso gute Freunde habt, wie ich.
Die Skeptiker möchte ich bitten zu bedenken, dass nicht alle Berichte stimmen und unser Rechtssystem auf der Unschuldsvermutung aufgebaut ist. Es ist schwer, verletzende Dinge zurückzunehmen, die man später bereuen könnte.
Denjenigen von euch, die weiter ihre Unterstützung zeigen möchten, danke ich für dieses Angebot. Meine aktuell einzige Bitte wäre, dass ihr die Schwarzseher und 'Hater' nicht die einzigen Stimmen sein lasst, die ihre Meinung über mich veröffentlichen. Bei Twitter findet ihr mich unter @rafefurst und ich würde mich freuen, dort von euch zu hören.
Mit Respekt und Liebe,
Rafe
Einen vollständigen Überblick zu allen News rund um Full Tilt Poker gibt es hier.
von Matt Kaufman, Jonas Gebhardt, Barry Carter und David Abel