Klage gegen Mike Postle wurde abgewiesen
Ein US-Richter hat die Millionenklage gegen Mike Postle und die Stones Gambling Hall nicht zugelassen. Die mehr als 80 Kläger können jedoch Berufung einlegen.

Die Story, die 2019 die Pokerwelt in Atem gehalten hat, bekommt ein weiteres Kapitel. In einer Reihe von per Live-Stream übertragenen Partien in der Stones Gambling Hall soll Mike Postle im vergangenen Jahr betrogen haben. Eine skurril hohe Winrate hatte dazu geführt, dass die Pokercommunity hunderte von Stunden an Videomaterial unter die Lupe genommen hat, um zu beweisen, dass der Lauf von Postle weder auf Skill noch auf Glück zurückzuführen war.
Sogar die Mainstream-Medien berichteten über den Fall, an dessen Ende eine Millionenklage gegen Postle, Justin Kuraitis und die Stones Gambling Hall stand. Nun wurde die Klage gestern aber vor einem Gericht in Kalifornien vom zuständigen Richter William Shubb abgewiesen.
Als Begründung wurde zu Protokoll gegeben, dass die Vorwürfe "nicht unter kalifornischem Recht anerkannt werden können, da die Gesetze des Staates keinerlei gerichtliche Intervention bei Streitfällen im Bereich Glücksspiel vorsehen, zum Teil weil der mögliche entstandene Schaden stets spekulativ ausfällt".
Berufung ist möglich
Die Nachricht über die Entscheidung wurde als erste von Veronica Brill verbreitet, die bereits als Whistleblowerin initial die Pokercommunity auf die unmöglich anmutende Winrate von Postle aufmerksam gemacht und eine mögliche Unterstützung außerhalb der Partien in den Raum gestellt hatte:
Just letting the poker community know that if you decide to cheat on a live stream you are free to do so. There will be no accountability for your actions and you are free to steal hundreds of thousands of dollars. The casino, and employees who might help you, are not accountable
— Veronica BLM (@Angry_Polak) June 3, 2020
Postle hat rund $250.000 in den Partien gewonnen haben und mehr als 80 Ankläger werfen ihm vor, dass er auf Echtzeit-Informationen über die Karten seiner Gegner zugreifen konnte, indem die RFID-Chips in den Karten zur Zuordnung und Darstellung im Live-Stream genutzt wurden.
In den hunderten an analysiertem Videomaterial ist ungewöhnliches und verdächtiges Verhalten von Postle zu sehen, der immer wieder in seinen Schoß schaute, mutmaßlich weil er dort sein Handy mit den Informationen zu den Karten platziert hatte. Zudem trug er ein Cappy, das womöglich mit einem Audioinput versehen war. Seine Winrate in den Partien überstieg sogar die Gewinnquote des berüchtigten SuperUser-Accounts bei UltimateBet, der auf Holecard-Informationen Zugriff hatte.
Die Anfechtung der Entscheidung mittels Rechtsbehelf steht den Anklägern offen. Mac VerStanding, der Anwalt der 80 Kläger, ließ bereits gegenüber PokerNews verlauten, dass man den Fall mit einer angepassten Klage weiter vorantreiben würde:
Disappointment is not a strong enough word, but we will continue the fight with an amended pleading. In the interim, I would encourage everyone to read the judge's opinion, which is detailed and well-written. My admiration for our clients has no bounds. https://t.co/bt5POVWawe
— Mac VerStandig (@mac_verstandig) June 3, 2020
Postle, der sich während der gerichtlichen Auseinandersetzung in Schweigen gehüllt hatte, abgesehen von einem schlecht beratenen Auftritt im Podcast von Mike Matusow, hat gegenüber Joe Ingram erklärt, dass er auch seine Seite der Story schildern würde und er tatsächlich unschuldig sei.