Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Kolumne: 2013 war das Jahr der deutschen Pokerspieler

Unser Redakteur Tobias Frey blickt auf das wohl erfolgreichste deutsche Jahr zurück und versucht Gründe für die Topleistungen der deutschen Pokerspieler zu finden.

Philipp Gruissem

Das Jahr 2013 ist fast zuende und wie meistens am Jahresende zieht man Bilanz. Bei den deutschsprachigen Pokerspielern fällt diese Bilanz zumeist positiv aus, denn in den vergangenen zwölf Monaten gab es so viele deutsche Erfolge wie nie zuvor. Es würde den Rahmen dieser News sprengen, alle Triumphe aufzuzählen. Deshalb möchte ich nur kurz die wichtigsten Titel aufzählen - bitte verzeiht, wenn ich einen Turniersieg vergessen habe.

So konnte sich Philipp philgruissem Gruissem in London und auf St. Kitts zwei WPT Alpha8-Titel schnappen, zudem gewann er das $50.000 High-Roller-Event der WSOP Asia-Pacific. Bei der WSOP in Las Vegas holten Nikolaus Teichert und Martin 0piggybank Finger zwei Bracelets nach Deutschland. Finger konnte zudem beim Super-High-Roller-Turnier der EPT London den ersten Platz belegen.

Niklas ragen Heinecker konnte sich beim GDAM High Roller-Event in Macao durchsetzen und $4,4 Millionen einstreichen. Nicht vergessen darf man die Online-Erfolge des Hamburgers, denn er ist in diesem Jahr mehr als $6 Millionen im Plus. Daniel Pidun war beim Main Event der EPT Berlin erfolgreich, zudem sicherte sich Max Altergott den Super-High-Roller-Titel beim EPT Grand Final und den High-Roller-Titel bei der WPT Paris.

Fast schon unter gehen die Erfolge von AdminJayGatsby (WPT Prag-Sieger), olekonjole (14 Finaltische in 2013) und Tobias pokernoob Reinkemeier: Der Cuxhavener unterlag im Heads-Up des Super-High-Roller-Turnier der EPT London gegen Finger und wurde bei der $250.000 Challenge der Aussie Millions hinter Sam Trickett Zweiter. George georgedanzer Danzer war vor allem bei der SCOOP erfolgreich, er gewann zwei Titel und mehr als $250.000 Preisgeld.

Gemeinsam sind wir stärker - im Team lernt es sich leichter

JayGatsby

Es ist gar nicht so leicht, die Gründe für die deutschsprachigen Erfolge aufzuzählen. Natürlich könnte man jetzt mit der Varianz argumentieren und behaupten, dass wir in diesem Jahr einfach richtig viel Glück hatten. Oder man verweist auf die unglaublich große Anzahl an deutschsprachigen Pokerspielern.

Mir ist das zu einfach, denn ich denke schon, dass sich Deutschland in Sachen Poker verbessert hat. Der Hauptgrund ist meiner Meinung nach die Teamfähigkeit der Topspieler: Gemeinsam wird daran gearbeitet, das eigene Spiel zu verbessern. Die Pokerprofis tauschen sich aus, diskutieren über Hände und erläutern sich gegenseitig ihre Gedankengänge.

Vorbildlich ist hier zum Beispiel das TeamGatsbyKempinho von AdminJayGatsby oder auch die High-Stakes-Clique rund um Philipp philgruissem Gruissem, Igor lechuckpoker Kurganov, Fabian fabstinho Quoss, Tobias pokernoob Reinkemeier und Niklas ragen Heinecker - niemand besitzt hier die Arroganz zu sagen, dass er den anderen Spielern nicht weiterhilft. Dadurch erhalten die deutschsprachigen Pokerspieler einen signifikanten Vorteil im Vergleich zu anderen Nationen. Vor allem bei den US-amerikanischen Topspielern merkt man teilweise eine Stagnation, aufgrund des ego-fixierten Denkens bleiben viele frühere Weltklassespieler auf dem gleichen Niveau.

Dieser Teamgedanke erinnert mich an meine ehemalige E-Sports-Zeit: Ich spielte jahrelang Counter-Strike 1.6 in einem ordentlichen, aber keinem richtig guten Team. Wir waren starke Einzelspieler, doch wir studierten keine Taktiken ein, sondern spielten einfach nur drauflos. Erst als ich zu einem anderen Clan gewechselt bin, konnte ich mich spielerisch verbessern - wir feilten stundenlang gemeinsam an Strategien und halfen uns damit, besser zu werden. Zwei Jahre später stiegen wir in die höchste deutsche Counter-Strike-Liga auf und etablierten uns dort. Mir gefiele der Gedanke, dass sich auch im Pokerbereich mehrere Teams bilden würden.

Liv Boeree: "Die deutschen Spieler sind einfach die besten!"

Wie sehr sich die deutschsprachigen Pokerspieler in den vergangenen Monaten verbessert haben, zeigt sich auch in der Außendarstellung: Wer zurzeit ausländische Profis nach der aktuell stärksten Nation fragt, wird meistens Deutschland als Antwort erhalten. "Die deutschen Spieler sind derzeit einfach die besten", sagte zum Beispiel Liv Boeree im PokerStrategy.com-Podcast.

Auch Vanessa Selbst, Mickey 'mement_mori' Petersen und Jake Cody schwärmen von deutschen Pokerprofis in den höchsten Tönen. Gerade das Lob des Briten spricht Bände, denn vor einigen Jahren wurde oft Großbritannien als beste europäische Nation angesehen. Dieses Bild hat sich spätestens in diesem Jahr komplett gewandelt: Deutschland thront an der Spitze und dann kommt europaweit lange Zeit nichts mehr - anschließend werden gerne Frankreich, Großbritannien, Russland und Dänemark aufgezählt, die ungefähr auf dem gleichen Niveau agieren.

Die Zukunft sieht aus deutscher Sicht also mehr als rosig aus. Es würde mich nicht wundern, wenn wir im kommenden Jahr noch größere Erfolge feiern könnten als 2013. Wichtig ist dabei, dass wir weiterhin gemeinsam versuchen, an unserem Spiel zu arbeiten...das gegenseitige Helfen ist essenziell, um Erfolg zu haben. Auch das Poker-Image in Deutschland könnte sich dadurch verbessern, denn die deutschen Spieler können durch ihre Erfolge positiv für unser Kartenspiel werben und die Massenmedien darauf hinweisen, dass Poker ein Geschicklichkeitsspiel ist - dadurch finden vielleicht finden weitere Menschen den Weg an den Pokertisch und die deutsche Szene wird noch größer und größer.

von tobiasfrey