Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Kolumne: Final Table bei der WSOP - wer wäre gut für Poker?

Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Topspieler den Finaltisch des WSOP Main Events erreicht haben, wirft PokerStrategy.com-Redakteur Matt Kaufman einen Blick voraus: Wer würde das Pokerspiel in diesem Jahr durch seine Teilnahme am Final Table voranbringen?

WSOP Arena
Der Final Table des Main Events

Die Redewendung "Gut für Poker!" wird in der gesamten Pokerszene gern genutzt - oft etwas zu gern. Denn teilweise sind sich die Leute nicht im Klaren, was wirklich gut für das Spiel ist.

Fest steht meiner Meinung nach, dass die Redewendung perfekt zur World Series of Poker passt: Noch immer ist die Pokerweltmeisterschaft das größte Pokerevent der Welt, auch in diesem Jahr strömten die Spieler ins Rio.

Die Regelung, dass der Final Table des Main Events nicht mehr direkt im Sommer, sondern erst im Herbst ausgetragen wird, hat sich auch bewährt - so bekommt Poker dieses Mal im Oktober kurz vor der US-Präsidentschaftswahl erneut eine große Aufmerksamkeit.

In den vergangenen Jahren konnten sich etliche Topspieler und Amateure an den Final Table spielen: Egal, ob Michael 'The Grinder' Mizrachi, Jerry Yang, Darvin Moon, Peter Eastgate oder Joe Cada - es war immer eine bunte Mischung am Final Table.

Normalerweise wird gern mit einem Topspieler mitgefiebert, da dessen Teilnahme am Finaltisch "Gut für Poker!" sei. Doch ist das wirklich so? Wenn man die Auswirkungen der vergangenen Finalisten auf Poker im Allgemeinen ansieht, muss man diese Frage verneinen.

Auswirkungen des Main Event Final Tables

Phil Ivey

Jedes Mal, wenn ein besonderer Spieler den Final Table erreicht, profitiert das Pokerspiel davon: Den größten Einfluss hatte selbstverständlich Chris Moneymaker, der als Buchhalter und Amateur 2003 das WSOP Main Event gewann.

Bei anderen Main Event-Siegern profitierten die Heimatländer: Joe Hachem sorgte für einen neuen Boom in Australien und Pius Heinz sorgte für eine große Medienberichterstattung in Deutschland.

2009 schaffte es dann Phil Ivey unter die besten neun Spieler - und die Pokerwelt drehte komplett durch. Jeder dachte plötzlich, dass es perfekt für das Pokerspiel sei: Der wohl beste Spieler der Welt, der sowohl von Profispielern als auch Amateuren respektiert wird.

Doch wenn wir einen Blick auf die Zahlen des Online-Pokers werfen, kehrt schnell Ernüchterung ein: Einen richtigen Einfluss hatte der Auftritt von Ivey am Final Table nicht.

Zwischen Juli 2009 und November 2009 stieg die Zahl der Online-Pokerspieler in gleichen Maßen wie jedes Jahr an. Im Januar 2010 - gerade einmal zwei Monate nach dem Finaltisch - war dann der Höchststand erreicht und der Traffic an den Tischen nahm konstant ab (Quelle: pokerhistory.eu).

Also um das Ganze noch einmal zusammenzufassen: Der vermutlich bekannteste Pokerspieler der Welt erreichte den Final Table des WSOP Main Events und sorgte für etwas mehr TV-Zuschauer - doch sein Einfluss auf uns Spieler selbst war begrenzt.

Also wer wäre gut für Poker?

Pius Heinz
Pius Heinz

Wenn absolute Topspieler nur geringen Einfluss auf das Pokerspiel haben, wer sorgt dann für größere Auswirkungen? Definitiv Teilnehmer, die eine gewisse Spielergruppe repräsentieren.

Im Fall von Moneymaker waren das alle Amateurspieler, die vom ganz großen Wurf träumen. Er zeigte, dass der Traum vom riesigen Erfolg wahrwerden kann. Auch Pius Heinz, der Deutschland repräsentierte, hatte einen großen Einfluss auf die Pokerszene.

Plötzlich berichteten selbst pokerferne Medien über unser Spiel: Welt, Spiegel, BILD, Süddeutsche Zeitung oder Frankfurter Rundschau - nach seinem Triumph war Pius in beinahe jedem Printmedium vertreten. Dadurch wurden neue Spieler angelockt.

Ein ähnliches Phänomen gab es in Australien nach dem Sieg von Joe Hachem im Jahr 2005. Es wäre also auch in diesem Jahr vorteilhaft, wenn ein ausländischer Spieler gewinnt - zum Beispiel aus Asien, Südafrika oder Indien. Märkte, in denen Poker noch wachsen kann.

Aber es gibt noch eine weitere Spielergruppe, die zwar seit Jahren am Main Event teilnimmt, doch noch immer auf den großen Erfolg wartet: Frauen.

Vielleicht sollten wir Vanessa Selbst die Daumen drücken

Vanessa Selbst
Vanessa Selbst

Wäre es nicht interessant, wenn sich dieses Jahr das weibliche Geschlecht durchsetzen könnte? Frauen repräsentieren die größte Gruppe von Spielern, die bislang noch nie ein Main Event gewinnen konnte.

Andere Frauen könnten bei einer weiblichen Finalistin angelockt werden. Es ist meiner Meinung nach nicht abwegig, dass dadurch Frauen - die bislang noch nicht in der Pokerszene aktiv sind - Interesse bekommen.

Noch besser wäre es vielleicht, wenn statt einer normalen Teilnehmerin eine Profispielerin den Final Table erreichen würde. Wenn Vanessa Selbst am Ende unter den besten neun Spielern wäre, könnten Kritiker nur schwer sagen, dass Selbst wie Jamie Gold einmal im Leben unfassbares Glück hatte.

Ich hoffe, dass Vanessa das Main Event gewinnen wird und es dann einen neuen Frauenboom gibt - das wäre dann auch wirklich "Gut für Poker!".

von Matt Kaufman