Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Kolumne: Post an Franz Josef Wagner

Franz Josef Wagner schreibt täglich eine Kolumne in der Bild-Zeitung. Zweimal bereits schrieb er auch über Poker (zumindest über das, was er davon zu verstehen glaubt), beide Male waren seine Worte falsch, überheblich und beleidigend. Zeit für eine Antwort.

Lieber Franz Josef Wagner,

man muss nicht viele Ihrer ohnehin wenigen Zeilen lesen, um festzustellen: Sie mögen Pokerspieler nicht besonders. Das wäre eigentlich nicht so schlimm, wenn Sie nicht gleichzeitig so viele Menschen erreichen würden, deren Vorurteil Sie prägen können. Ihre Briefe stehen schließlich in der Bild.

Dass sie den "lieben Poker-Weltmeister", wie Sie Pius Heinz fälschlicherweise nennen, nicht als Held anerkennen wollen, ist ja schon einmal ganz richtig. Natürlich wird man nicht zum Helden, nur weil man ein großes Pokerturnier gewonnen hat.

Auf der anderen Seite wird man natürlich auch nicht zum Helden, nur weil Sie ihn als solchen bezeichnen. Weder Franz Beckenbauer noch Uwe Seeler sind gängigen Definitionen zufolge Helden. Sie scheinen diesen Begriff mit dem des Vorbildes zu verwechseln, wenn Ihr "Heldsein" bei den Kindern beginnt. Aber egal. Schwamm drüber.

Für Sie sind Pokerspieler jedoch nicht nur keine Helden, sie sind schlechte Menschen. Mitleidlos und kalt sind sie für Sie, sie versteckten ihre "emotionslosen Echsengesichter" hinter Sonnenbrillen, damit man ihre Gier nicht erkennt. Dass Pokerspieler Geld von ihren Gegenspielern gewinnen wollen, können Sie nicht akzeptieren. Ihre "Tricks der Coolness" widern Sie anscheinend an.

Sie und "die Pokerspieler", Herr Wagner, werden wohl keine Freunde mehr.

Das ist schade, denn eigentlich haben wir doch einiges gemeinsam. Genau wie Sie sitzen auch wir viel lieber zu Hause vor dem Rechner (auch wenn wir den wohl etwas besser bedienen können als Sie). Sonnenlicht wird ja wirklich überbewertet. Als Sie einmal einem Fernsehteam Ihr "Büro" zeigen wollten, haben Sie den Eingang zum Springer-Hochhaus nicht gefunden. Das ist beeindruckend, Online-Pokerspieler arbeiten auch von zu Hause und verlassen dieses nur ungern. Das passt doch irgendwie!

Als Sie einmal 1.000 Mark aus der Redaktionskasse bekamen, um sich damit Sex mit zwei Frauen gleichzeitig zu finanzieren, hätte das BBV stehend applaudiert. Auch die Attitüde, in Ihren Kolumnen gerne zu trollen (mal ist ein Doktortitel "das Edelste der forschenden Studierenden", mal scheißen Sie auf den Doktor, dann sollte ein Minister zurücktreten, wenn er beim Doktortitel schummelt), würde ohne weiteres in unsere Internet- und Forenwelt passen.

Dann aber wieder rückt eine mögliche Freundschaft doch in weite Ferne. Denn trotz ausgeprägtem Kellerkind- und Troll-Habitus unterscheidet Sie und uns Pokerspieler doch ein gewichtiger Faktor: Wir sind im Internet nicht nur zu Hause, wir nutzen es auch, um uns zu informieren. Wenn Sie bei uns im Forum schrieben, Eisbären lebten am Südpol, dann würde das auch bei uns auffallen, weil Online-Pokerspieler so etwas einfach mal googlen. Sie anscheinend nicht.

Von daher ist es auch kaum verwunderlich, dass Ihre Abneigung gegenüber Pokerspielern auf Vorurteilen beruht, die sich mit etwas Recherche leicht aus der Welt schaffen würden. Wenn Sie denn wollten.

So bleibt nur eine letzte Parallele: Im Internet wie in der Post von Wagner steht oft ganz viel Quatsch. Das Schlimme ist nur, dass Ihren Quatsch ganz Deutschland liest.

Aber wenigstens sind Sie ehrlich, wenn Sie zwar untertreiben, aber die Wahrheit sagen: "Meine Kolumne ist mal schlecht, und dann schäme ich mich auch zu Tode".

Herzlichst,
datawave