Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Kolumne: Wird Tracking-Software von der Poker-Community akzeptiert?

Nach der Ankündigung, dass PokerTracker 4 neuer Sponsor der European Poker Tour ist, stellt sich unser Redakteur Barry Carter die Frage, ob Tracking-Softwares von der Pokerszene und den Pokerräumen befürwortet werden.

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European Poker Tour

Im Juli wurde bekannt gegeben, dass PokerTracker 4 neuerdings die European Poker Tour unterstützen wird. Bezeichnet wurde der neue Sponsor als die "offizielle Tracking-Software der EPT".

Generell ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Online-Pokerprodukt als Sponsor eines Live-Pokerprodukts auftritt (und natürlich auch umgekehrt). Dennoch sieht dies wie ein Meilenstein in der Geschichte von Tracking-Softwares aus.

Denn bislang kam es eher selten vor, dass sich Online-Pokerseiten klar zu Analysetools bekannt oder allgemein eine offizielle Meinung dazu hatten. Mit dieser Zusammenarbeit liegt es nahe, dass PokerStarsPokerStars, der weltweit größte Online-Pokeraum, jetzt seine Haltung festgelegt hat: Sie unterstützen die Software komplett.

Eine strategische Zusammenarbeit

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Tracking-Software fördert die Ökologie

Natürlich wird streng genommen nicht PokerStars von PokerTracker 4 unterstützt, dafür aber das Live-Turnier-Aushängeschild des Pokerraums - die European Poker Tour. Meiner Meinung nach ist das ein sehr cleverer Schachzug.

Durch die Zusammenarbeit gibt es zwar immer noch etwas Abstand zwischen PokerStars und Tracking-Softwares, dennoch ist dies eine Botschaft an eine ganz bestimmte Zielgruppe.

Wer an EPT-Events teilnimmt, sich dafür qualifizieren möchte, oder einfach nur die Stops verfolgt, gehört normalerweise zur Gruppe der "ernsthaften Pokerspielern". Diese Spieler kennen bereits PokerTracker oder Hold'em Manager und nutzen diese Tools.

Anders sieht es bei Freizeitspielern im PokerStars-Markt aus, für die Tracking-Softwares meist immer noch ein Mysterium sind und die sich damit überhaupt nicht auskennen. Angenommen wir würden keine PokerTracker-Logos bei den TV-Shows der EPTs sehen, würden Hobbyspieler nie davon erfahren, dass es Tracking-Softwares gibt oder dass PokerStars die Tools unterstützt.

Die Vorteile für die Netzwerke

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ElkY beim Multi-Tablen

Die Meinungen der Poker-Community zu Tracking-Softwares sind meist geteilt. Dennoch denke ich, dass sie heutzutage größtenteils akzeptiert sind und dass die neue Kooperation dieses Bild unterstreichen wird.

Neben den offensichtlichen Vorteilen haben die Tools auch signifikante Vorteile für ein Pokernetzwerk, obwohl das die Verantwortlichen in der Öffentlichkeit nur selten verraten.

Die meisten Pokerräume sagen immer, dass ihre Priorität auf der Akquise neuer Freizeitspieler liegt. In der Realität werden aber vor allem Winning-Player gebraucht, die Rake generieren. Durch Tracking-Softwares wird oft die Gewinnrate erfolgreicher Spieler erhöht.

Auch wenn sogenannte "schlechte Spieler" meistens als die wichtigsten Spieler der Poker-Ökologie angesehen werden, da sie durch neue Einzahlungen mehr Geld in den Pokerkreislauf bringen, generieren sie in der Realität nur wenig Rake für den Pokerraum. Sie tendieren zwar zu Einzahlungen, aber ihre Bankrolls werden schnell schrumpfen und sie werden anschließend nicht wieder spielen.

Deshalb würde bei einem Netzwerk, das nur aus Freizeitspielern besteht, nur wenig Rake generiert werden: Die Verlierer würden den Raum verlassen und die Sieger haben zwar in kurzer Zeit viel gewonnen, würden ihre Gewinne aber anschließend fix auszahlen lassen.

Der Wert guter Spieler für ein Netzwerk

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Erfolgreiche Spieler erzeugen mehr Rake

Wenn an einem Tisch viele gute Regulars sitzen, bedeutet es, dass Geld deutlich langsamer verloren geht und dass zudem mehr Rake erzeugt wird.

An einem Tisch mit vier erfolgreichen Spielern und zwei Freizeitspielern wird das Geld in einer varianzärmeren Art und Weise herumgereicht, währenddessen mehr Rake generiert wird (diese exzellente Kolumne von PokerStrategy.com-Gründer Dominik 'AdminKorn' Kofert erläutert euch das Ganze noch etwas genauer).

Das ist auch der Grund dafür, warum ihr all die Anschuldigungen gegen Pokerräume ignorieren solltet, dass sie rigged seien, wenn jemand zum Beispiel mit Königen in Asse läuft. Große Pötte sorgen langfristig gesehen für keine großen Einnahmen der Pokerräume - wenn sie wirklich betrügen wollten, dann würden sie nur marginale Hände verteilen, die den Flop verpassen würden, und sehen, dass der Rake konstant generiert wird.

Tracking-Softwares helfen der Ökologie eines Pokerraums. Durch das HUD können Spieler effizienter multi-tablen: Dadurch sitzen generell gesehen mehr Spieler an den Tischen und jeder von ihnen wird mehr Geld gewinnen. Wenn ein guter Spieler an den No-Limit-Tischen auf seinem Stammlimit $1/$2 eine Menge Rake erzeugt und er durch die Software in der Lage ist, zehnmal so viele Hände in der Stunde zu spielen als sonst, dann wird dies sehr von einem Pokernetzwerk begrüßt werden.

Akzeptanz in der Poker-Community

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HUDs sind nur so gut
wie die Spieler, die sie nutzen

Deshalb haben Online-Pokerräume diese Tools akzeptiert, auch wenn sie es in der Öffentlichkeit zugeben oder nicht. Aber wie sieht es im Allgemeinen mit der Poker-Community aus?

Ehrlich gesagt kenne ich keine genauen Zahlen, aber ich habe bereits mehrfach gehört, dass einer von sechs Online-Spielern eine Form von Tracking-Softwares benutzt. Diese Zahl würde annehmen, dass die gesamte nicht-freizeitspielende Minderheit von Pokerspielern Nutzer von Tracking-Softwares sind.

Die früheren Meckerer, die über Tracking-Softwares geschimpft haben, haben meistens nicht verstanden, was diese Tools machen. Sie haben fälschlicherweise angenommen, dass die Nutzer einen unfairen Vorteil haben, da sie Zugang zu neuen Informationen erhalten.

Tracking-Softwares geben euch aber keine neuen oder geheimen Informationen (während es hingegen Datamined-Handhistorys tun): Die Tools erlauben euch, dass ihr die Erfahrung an einzelnen Tischen während des Multi-Tablens replizieren könnt.

Nur so gut, wie die Spieler, die sie nutzen

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Die meisten erfolgreichen Spieler
nutzen Tracking-Softwares

Wenn man Tracking-Softwares an "schlechte Spieler" weitergibt, dann würden sie auch weiter Geld verlieren. Möglicherweise verlieren sie langfristig gesehen sogar noch mehr Geld, da sie die Informationen falsch anwenden.

Gebt mir den besten Tennisschläger der Welt und gebt Andy Murray eine Bratpfanne - er würde mich ohne Zweifel immer noch ganz einfach zerstören.

Wenn ihr an einem einzigen Tisch spielt und eure Kontrahenten spielen jeweils zehn Tische, dann spielt ihr im Grunde genommen gegen eine schlechtere Version eures Gegenspielers. Wenn sie normalerweise 2BB/100 an einem Tisch gewinnen, sind sie möglicherweise bei zehn Tischen nur noch in der Lage, 0,5BB/100 zu gewinnen. Insgesamt gesehen verdienen sie pro Stunde zwar mehr Geld, aber an eurem Tisch ist die Edge plötzlich kleiner und sie haben nichts gewonnen.

Deshalb habe ich persönlich auch kein Problem mit Tracking-Softwares und aufgrund meiner Erfahrung gehe ich davon aus, dass auch die meisten Spieler in der Poker-Community so denken. Trotzdem wissen die EPT und PokerStars natürlich auch, dass es ein Vorteil ist, wenn man seine Position zu Tracking-Softwares nicht zu lautstark vertritt.

Es ist nicht so, dass wir Freizeitspieler die Existenz dieser Tools leugnen sollten. Es ist ganz einfach zu kompliziert, einem neuen Spieler zu erklären, warum Tracking-Softwares ein zulässiger Bestandteil des Spiels sind.

von Barry Carter

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