Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Kolumne: Woran erkennen wir die besten Spieler der Welt?

Nachdem Daniel Negreanu kürzlich behauptet hatte, dass Tom Dwan nicht so gut sei, wie viele dächten, geht Barry Carter nun der Frage nach, woran wir eigentlich erkennen können, welche Spieler zu den besten der Welt gehören und welche nicht.

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Negreanu liefert Gesprächsstoff

Im vergangenen Monat sorgte ein Interview mit Daniel Negreanu für Aufregung, in dem Kid Poker mit der Aussage zitiert wurde, dass er Tom Dwans Spiel nicht besonders schätze.

Wörtlich sagte er: "Ich halte Tom nicht für einen der besten Spieler weltweit - ich bin mir auch nicht sicher, ob er jemals so weit war. Er machte nach seinen Auftritten bei High Stakes Poker auf sich aufmerksam, weil er Glück hatte und gut spielte, aber realistischerweise investiert er weder genug Zeit noch Anstrengungen, um zu den besten der Welt zu gehören."

Und Daniel ging sogar noch weiter: "Viele Spieler wie Dwan, Phil Galfond oder die Dang-Brüder haben sich nicht bis ganz an die Spitze gegrindet - sie hatten einfach im richtigen Moment das nötige Geld, um von Guy Lalibertés $17-Millionen-Verlust zu profitieren und sich ein dickes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Jeder Grinder, der in diesen Games spielen konnte, hätte genau das gleiche Geld gewonnen."

Dies ist natürlich nicht die erste Gelegenheit, bei der Negreanu durch solche Äußerungen für Gesprächsstoff sorgt und auch dieses Interview hat in der Pokercommunity die Gemüter teilweise deutlich erhitzt. Dwan (und der ebenfalls erwähnte Phil Galfond) gilt vielen als einer der besten Cashgame-Spieler der Welt, während es nur wenige gibt, die dem widersprechen würden.

Was die meisten Beobachter wohl übersehen haben, ist dass dieses Interview nicht etwa aus der letzten Woche stammt, sondern bereits im März während des Show-Duells The Professionals vs. Team PokerStars geführt wurde. Dabei spielten Dwan und Negreanu zwar in verschiedenen Teams, standen aber dennoch in Diensten desselben Arbeitsgebers. Damit ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass hinter Negreanus Aussagen zwar ein Fünkchen Wahrheit steckt, das ganze aber eher der Promotion für ihr Duell dienen sollte.

Trotzdem brachte mich die Diskussion dazu, darüber nachzudenken, wie wir Skill beim Poker erkennen und bewerten. Während es eindeutig ist, dass Michael Phelps ein großartiger Schwimmer und Lionel Messi ein phantastischer Fußballer ist, gibt es beim Poker so viele Unbekannte, dass wir uns bei unseren Bewertungen nie so ganz sicher sein können.

Obwohl es fast schon lächerlich erscheint, dass Negreanu Tom Dwan nicht für einen herausragenden Spieler hält, gibt es doch enorm viele Variablen, die keiner von uns genau einschätzen und bewerten kann. Analog dazu gibt es natürlich auch zahlreiche Spieler, die wir alle für großartig halten, und von denen wir erst später erfahren, dass sie auf lange Sicht zu den Verlierern gehören.

Verzerrte Wahrnehmungen und Hintergedanken

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Gehört Dwan zu den Besten oder nicht?

Beim Poker unterliegen wir alle immer wieder schweren Fehleinschätzungen, sodass wir nie genau wissen können, wem wir in dieser Angelegenheit mehr glauben sollen. So erinnern wir uns wohl alle an die spannende Hand von Dwan bei High Stakes Poker, die ihn für mich zu einer absoluten Legende werden ließ. Negreanu deutete dazu aber an, dass das ein absoluter Ausnahmefall gewesen sei, in dem Dwan gut spielte und das Glück auf seiner Seite hatte. Dieses Niveau könne er aber auf lange Sicht nicht halten.

Negreanu hat gegen Dwan nun schon Tausende von Händen gespielt und kennt ihn auch persönlich. Er kennt Details über Dwans Spiel, die uns verborgen bleiben. Dennoch wird auch Negreanus Meinung über Dwan nicht völlig neutral sein und er wird ihm weniger Anerkennung für Hände zollen, in denen Dwan ihn schlicht und einfach ausgespielt hatte.

Der sogenannte Bestätigungsfehlschluss kommt in der Pokerwelt recht häufig vor und führt dazu, dass wir glauben es handele sich um Pech, wenn wir verlieren, und um Skill, wenn wir gewinnen. Diese Wahrnehmung hat vermutlich auch Daniels Meinung über Dwan beeinflusst.

Darüber hinaus sollten wir allen Äußerungen von High-Stakes-Spieler über andere Spieler misstrauen, da aufgrund der geringen Größe des Spielerpools auf den High Stakes oft Hintergedanken mit im Spiel sind. So wollen manche Spieler ihren Gegnern nicht zu viel Respekt zollen, um deren Selbstbewusstsein nicht zu groß werden zu lassen.

In anderen Situationen könnten gewisse Spieler auch gezielt provoziert werden, um Action von ihnen zu bekommen oder Spieler durch übermäßiges Lob in falscher Sicherheit gewogen werden.

Nur Geld zählt

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Macht einen ein großer Gewinn
zum Weltklassespieler?

Für viele Beobachter und Spieler ist Geld alles, was zählt. Derjenige, der das meiste Geld gewonnen hat, muss auch der beste Spieler sein.

Eigentlich wissen wir aber doch alle, dass die Varianz diese Einstellung ad absurdum führt. Nach dieser Logik würden beispielsweise auch Jamie Gold und Jerry Yang zu den besten Spielern der Welt gehören.

Auch Negreanu spielt darauf an, wenn er sagt, dass Dwan heute nur deshalb so weit oben steht, weil er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und davon profitierte, dass Guy Laliberté auf den Nosebleed-Stakes Millionen verpulverte.

Obwohl ich Negreanu zustimme und behaupte, dass man nicht allein durch einen Shot zur richtigen Zeit und einem anschließenden guten Lauf zum Weltklassespieler wird, denke ich doch auch, dass die beiden wichtigsten Skills eines guten Pokerspielers von manchen Profis spöttisch belächelt werden.

Bei diesen Skills handelt es sich meiner Meinung nach um Bankroll Management und Table Selection. Man kann es Dwan nicht vorwerfen, sich die profitabelsten Tische ausgesucht zu haben. Table Selection ist entscheidend für den Verlauf einer jeden Pokerkarriere und dennoch werden viele Spieler immer wieder dafür kritisiert, nicht gegen bessere Gegner anzutreten und als 'Bumhunter' abgestempelt.

Ich halte die sogenannten Weltklassespieler, die aufgrund fehlender Table Selection und/oder mangelhaftem Bankroll Management broke gehen für eigentlich eher ziemlich mittelmäßige Spieler. Sie ähneln halbfertigen Spielern, vergleichbar einem Boxer mit hartem rechten Haken und einem Kinn aus Glas.

Beständigkeit macht den Unterschied

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Ivey ist für viele die Nummer 1

Ich glaube nicht, dass wir die oben genannten Kriterien bei der Bewertung von Pokerspielern vollkommen außer Acht lassen sollen - aber ganz für bare Münze nehmen sollten wir sie auch nicht. Die Wahrheit ist, dass wir die Stärke eines Spielers aufgrund der zahlreichen Unbekannten wahrscheinlich nie ganz genau einschätzen können.

Auf was wir jedoch immer achten sollten ist Konstanz und Beständigkeit. Da Negreanu einer der wenigen ist, die öffentlich Zweifel an Dwans Spiel äußern, sollten wir darauf wohl nicht allzu viel geben. Im Gegensatz dazu gibt es in der Pokerwelt nur wenige, die sagen, dass Phil Ivey nicht der beste Spieler der Welt ist. Diese große Übereinstimmung sollte ein guter Hinweis auf den tatsächlichen Skill dieses Spielers sein.

Analog dazu sollten wir auch konstant gute Leistungen mehr würdigen. Eine gute Turnierserie oder ein gutes Jahr an den Cashgame-Tischen macht einen Spieler noch nicht zu einem Weltklassemann.

Wenn man jedoch Jahr für Jahr an der Spitze der Cashgame-Leaderboards steht oder im Laufe einer langen Karriere Bracelets und Titel sammeln konnte, hat man wahrscheinlich jedem bewiesen, wie gut man wirklich ist.

von Barry Carter

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