Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Liv Boeree & Igor Kurganov zum gemeinsamen Erfolg

Wir unterhalten uns mit den Tag-Team-Champions der WSOP 2017 über ihren gemeinsamen Erfolg, der für beide das jeweils erste Bracelet bedeutete.

Igor Kurganov and Liv Boeree at the WSOP
Igor Kurganov und Liv Boeree

Herzlichen Glückwunsch euch beiden zum gemeinsamen Gewinn eures jeweils ersten WSOP-Bracelets. Gab es irgendeine konkrete Strategie bei den Teamablösungen während der Partien?

Liv Boeree: Für uns nicht wirklich. Wir haben ehrlich gesagt unseren Terminkalender entscheiden lassen, wann wer spielt. Ich hatte zum Beispiel Zeit an Tag 1 und Igor konnte nicht. Am nächsten Tag habe ich dann erstmal ein Shootout gespielt, also war Igor in den zweiten Tag gestartet. Als ich im anderen Turnier gebustet war, habe ich dann wieder für eine Weile übernommen. Nachdem wir dem Final Table immer näher kamen, habe ich Igor dann das meiste spielen lassen. Er ist einfach der bessere Spieler, also hat es Sinn gemacht, dass er so viel vom Endgame spielt wie möglich. Wenn er am Final Table eine Pinkelpause gebraucht hat, war ich aber zur Stelle!

Also ging es eher darum, dass der andere ganz in seinem Element war, sobald er am Tisch saß?

Liv Boeree: Genau. Sobald ein Spieler im Tunnelmodus ist und sich die Dynamiken und Spielstile der Gegner am Final Table bewusst gemacht hat, ist es nur selten eine gute Strategie, das zu unterbrechen. Es sei denn man hat einen Nervenzusammenbruch.

Igor Kurganov: Und auch das Wechseln wird schwieriger, weil man die Stacksizes und Dynamiken innerhalb von Sekunden realisieren muss, da es direkt eine neue Hand gibt. Wenn ich also eine Pause brauchte, musste sich Liv sehr schnell zurechtfinden und hochkonzentriert sein. Sie hat das sehr gut gemacht und mir nie weniger Chips zurückgegeben, als ich ihr überlassen habe.

"Es wäre toll, wenn wir in Zukunft mehr Team Poker sehen würden"

Liv Boeree and Igor Kurganov
Gemeinsam für die REG Charity auf dem Siegerpodest

Wie war es, in einem Team zu arbeiten, wenn 99,99% der eigenen Pokerkarriere allein gespielt wurden? Oder hilft es, wenn man gemeinsam im Team PokerStars ist, um schon eine Art Teamgedanken zu entwickeln?

Liv Boeree: Naja, unsere beiden Leben sind mittlerweile so verwoben, dass wir 340 von 365 Tagen im Jahr zusammenverbringen und es dadurch selbstverständlich wird, mit Igor im Team die meisten Sachen anzugehen. Es war also keine große Umstellung für uns. Ich kann mir aber vorstellen, dass es schwierig für Teams sein kann, bei dem nicht klar ist, wer der bessere Spieler ist.

Hat es die Sache leichter gemacht, dass ihr euch auch abseits der Tische sehr gut kennt? Würdet ihr Leuten raten, sich für einen Teamwettbewerb mit Spielern zusammenzutun, die sie gut kennen?

Igor Kurganov: Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass es besser ist, sich mit vertrauten Leuten zusammenzuschließen. Man will während des Turniers nicht auf unvorhergesehen Probleme stoßen, sodass es nur hilfreich ist, wenn man sich über die Stärken, Schwächen und Erwartungen aller im Klaren ist. Mehr Informationen sind meistens die bessere Option.

Mal vom Ergebnis abgesehen, wie seht ihr 2-Spieler-Teams im Vergleich zu drei- oder sogar vierköpfigen Teams? Gab es irgendwelche strategischen Bedenken, bei der Festlegung eurer Teamgröße?

Igor Kurganov: Wir fanden die Idee einfach cool, dass nur wir beide gemeinsam für die REG Charity ein Team bilden würden. Nachdem Sieg bin ich natürlich nicht objektiv, aber ich dachte schon im Vorfeld, dass das neue Format eine willkommene Abwechslung ist. Teamwettbewerbe sind sehr unterhaltsam und haben mehrere Eigenheiten, die es bei individuellen Wettbewerben nicht gibt. Wir haben ein ähnliches Format ja schon bei der GPL gesehen und es wäre toll, wenn es auch in Zukunft mehr davon gibt. Ich denke, ob zwei-, drei- oder vierköpfig, alles kann funktionieren, solange nicht jeder Spieler darauf brennt, den Großteil der Hände zu spielen.

"Ich kann mir keine schönere Art vorstellen, das erste Bracelet zu gewinnen"

Liv Boeree and Igor Kurganov's bracelets
"Es fühlt sich an wie ein Märchen"

Der Erfolg hat sicherlich einen hohen sentimentalen Wert für euch, nicht zuletzt weil es für euch beide das jeweils erste WSOP-Bracelet war. War der gemeinsame Sieg das i-Tüpfelchen und sogar noch schöner, als es ein individueller Erfolg gewesen wäre?

Liv Boeree: Ich hätte mir keine bessere Story für meinen ersten Braceleterfolg ausdenken können. Es fühlt sich an wie ein Märchen. Dass wir beide gemeinsam unser jeweils erstes Bracelet zur gleichen Zeit gewinnen konnten, ist unglaublich. Ich hätte es definitiv nicht anders gewollt.

Igor Kurganov: Ja, besser geht es nicht wirklich. Außer vielleicht wenn wir es beide ins Heads-up im Main Event schaffen würden, aber das ist ja nach wie vor eine Option.

Die Hälfte eures Gewinns geht an die REG Charity. Welche gemeinnützigen Zwecke werden im Speziellen von eurem Triumph profitieren?

Liv Boeree: Wir haben das noch nicht entschieden, tendieren jedoch dazu, uns an den Rat des Managements der REG Charity zu halten, wenn es um unsere jährlichen Spenden geht. Also werden wir auch in diesem Fall wohl so verfahren. Sie analysieren regelmäßig, welche Organisationen am meisten auf Spenden angewiesen sind und mir persönlich ist es am wichtigsten, dass es dort landet, wo es am meisten bewirken kann.

Igor Kurganov: Ich selbst möchte hauptsächlich für Forschungsprojekte im Bereich existentieller Risiken spenden, vertraue jedoch davon abgesehen auch dem Team der REG Charity und den Leuten, mit denen sie zusammenarbeiten. Ich glaube an die Arbeitsweise und Kompetenz des Teams, um die wichtigsten Organisationen zu finden, an die unsere Spende gehen sollte.

Vielen Dank für das Interview, Liv und Igor, und viel Erfolg euch beiden für das Heads-up im Main Event!

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