Lowstakes-Challenges: Zu schwierig für die Elite?
Einem Profi wie Doug Polk sollte es nicht wirklich schwer fallen an den Tischen $100 in $10.000 zu verwandeln. Oder etwa doch?

In diesem Monat hat Highstakes-Profi Doug Polk eine Challenge angekündigt, bei der er aus $100 innerhalb von zwei Monaten $10.000 machen will. Damit tritt er in die Fußstapfen von mehreren Highstakes-Spielern, die zuvor bereits eine derartige Lowstakes-Challenge in Angriff genommen haben. Hauptsächlich wollen die Profis aufstrebenden Spielern damit zeigen, dass es nach wie vor möglich ist die niedrigeren Limits zu schlagen.
Dabei ist es immer wieder interessant zu sehen, wie sehr die Elitespieler von den Veränderungen auf den unteren Limits überrascht sind, seit sie sich das letzte Mal auf ihnen gemessen haben. Zudem sind solche Unterfangen auch stets ein echter Test der eigenen Motivation.
Wenn es jemand schaffen kann, dann Doug Polk, der Poker mit einer Leidenschaft betreibt, die ihresgleichen sucht. Ob es nun Highstakes-Cashgames, Live-Turniere, Online-Turniere, Pokerkurse, Twitch-Streams oder selbst das Spiel gegen eine Künstliche Intelligenz sind, der US-Profi ist überall mit von der Partie. Ich vermute, dass genau diese Liebe für das Spiel dafür sorgen wird, dass Doug die Challenge überhaupt erst eingegangen und auch erfolgreich abschließen wird.
Die Expertise wird zum Problem

Selbst wenn man die Limits schnell hinaufklettern konnte, wird die Rückkehr auf die Lowstakes stets für Überraschungen sorgen, weil sich das Spiel heutzutage derart schnell entwickelt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Partien auf den niedrigen Limits heute tougher als noch vor einem Jahr sind oder zumindest anders als zuvor ablaufen.
Selbst wenn es an sich nicht schwieriger ist, niedrigere Limits zu schlagen, verändert sich das Spiel stets in einer Art Stein-Schere-Papier-Prinzip und was gestern noch geklappt hat, könnte heute bereits nicht mehr funktionieren. So scheint sich zum Beispiel der Konsens über die optimale Openraise-Größe von Jahr zu Jahr zu ändern.
Zudem gibt es das Phänomen der "Expert Induced Amnesia", das für gewöhnlich beschreibt, dass eine Person mit einer tief verfestigten Expertise häufig Probleme damit hat eben jene Fähigkeit einem Laien zu erklären. Das Ganze kann so weit gehen, dass sich Elitespieler schlichtweg nicht an schwächere Gegner anpassen können, weil sie sich zu sehr an Duelle auf höchstem Level gegen die Besten der Welt gewöhnt haben. Dem Gegner wird dann immer wieder zu viel Credit in Spots gegeben, in denen ABC-Poker eigentlich ausreichen würde.
Die richtige Balance finden
Neben der richtigen Anpassung ist bei einer Lowstakes-Challenge ein weiterer entscheidender Faktor die Motivation. Sehr viele Spieler, darunter auch Größen wie Daniel Negreanu und Phil Ivey, haben eine Challenge auf niedrigen Limits abgebrochen. Man kann durchaus vermuten, weil es sehr schwierig ist, sich für eine Partie zu motivieren, bei denen das Buy-in kleiner als das Trinkgeld für den Dealer auf dem Stammlimit ausfällt.
Die Forschung hat gezeigt, dass wir die besten Leistungen nur abliefern können, wenn wir die richtige Balance zwischen Herausforderung und Spannung finden. In seinem Buch Flow hat der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi diesen Zusammenhang mit der unten stehenden Abbildung illustriert. Sobald die richtige Balance gefunden ist, befinden wir uns "im Tunnel". Wo genau dieser Punkt liegt, ist dabei von Mensch zu Mensch verschieden.
Bezogen auf Lowstakes-Challenges von Profis bedeutet dies, dass häufig Probleme dadurch entstehen, dass die Herausforderung entweder zu einfach ist und Langeweile eintritt oder das Geld irrelevant ist und keine Spannung auslöst.

Die eigene Motivation

Um die Problematik zu lösen, könnte man die Challenge mit einer Propbet verknüpfen, bei der es um deutlich mehr geht. Wenn man die richtige Wette eingeht, kann man sich so in eine Win-win-Situation manövrieren. Man spielt um hohe Summen gegen leichtere Gegner als üblich. Genau auf diese Weise konnte sich Phil Ivey für WSOP-Events mit einem Buy-in von $1.000 motivieren. Für ihn bestand die Chance auf einen Millionengewinn durch seine Propbets.
Besonders loben muss man in diesem Zusammenhang Chris Moneymaker und Barry Greenstein, die 2014 nur aus ihrer Liebe zum Spiel die Playmoney-Partien gecrusht haben, was wahrscheinlich nicht allzu viele Profis schaffen würden.
Für einen Elitespieler ist eine Lowstakes-Challenge ohne eine damit verbundene hohe Propbet ein echter Test der eigenen Motivation. Wer unter solchen Umständen erfolgreich ist, hat sich in meinen Augen jede Menge Respekt verdient. Die beste Entscheidung zu finden, rückt in den Vordergrund und die Höhe des Gewinns in den Hintergrund. Welche bessere Voraussetzung kann es geben, wenn man seinen Skill zur Schau stellen will?
Wie leicht fallen Lowstakes-Challenges den Elitespielern? Würdet ihr euch auf deutlich niedrigere Limits für eine Challenge begeben?