Macht viel Geld leichtsinnig?
Lassen einen große Pokergewinne den Bezug zum Geld verlieren? Oder sind genau jene, die bereit sind Risiken einzugehen, auch die größten Gewinner?

Wir haben euch diese Woche berichtet, dass der Runner-up des One Drop, Sam Trickett, seinen £275.000 teuren Ferrari zu Schrott fuhr. Autounfälle sind alltäglich, wenn das Auto jedoch mehr kostet als ein Haus, kann das für größeres Aufsehen sorgen.
Der Artikel war in der Tat einer der meist kommentierten in all unseren Communitys in diesem Jahr und auch auf anderen Pokerseiten und in Foren sorgte die Nachricht für Wirbel. Viele waren sich einigen, dass es sich hier einfach um einen jungen Typen mit mehr Geld als Verstand handelt, der zu leichtsinnig gefahren ist.
Normalerweise kennt man Sam eher als bodenständigen und ausgeglichenen Typen. Das passt nicht wirklich ins Bild vom rücksichtslosen Raser. Interessant ist jedoch, dass viele Menschen davon ausgehen, dass nur weil jemand viel Geld hat, er auch leichtsinniger handelt.
Hasse nicht den Spieler

Das soll aber gar kein Vorwurf sein. Wenn man einen Porsche sieht, der gerade mit einer Kralle stillgelegt wird, geht man instinktiv davon aus, dass die Person das schon irgendwie verdient hat und kommt ins Schmunzeln. Es ist leider eine menschliche Veranlagung, den Erfolg anderer zu beneiden und ein schnelles Auto ist oft ein Anzeichen für eben diesen.
Es erinnert an ein Zitat von Bertrand Russell: “Der Durchschnittsmensch entwickelt Furcht, wenn etwas von den üblichen Gepflogenheiten abweicht. Zumeist, weil er diese Abweichung als Selbstkritik wahrnimmt.”
Wir sehen jemanden wie Trickett, der wunschlos glücklich scheint, wie er sein Auto schrottet und das kann auch in den Besten unter uns die Eifersucht zum Vorschein bringen. Das Leben scheint unfair, da jemand mit so einem schönen Auto es so bedenkenlos zu Schrott fahren kann. Eigentlich sollten wir uns aber fragen, was wir von jemandem wie Trickett lernen können, um die eigenen Chancen zu erhöhen, sich jemals so ein Auto leisten zu können, anstatt uns daran zu erfreuen, dass er seins zerstört hat.
Wagnisse sind unausweichlich

Ungeachtet dessen ist es schwer zu leugnen, dass wir als Pokerspieler sorglos mit Geld umgehen. Geht einfach mal ins Casino und überzeugt euch selbst. Alle haben dicke Bündel Bargeld in der Hand, reichen es rum und staken Leute, die sie überhaupt nicht kennen etc.
Man muss sich nur einmal das berühmte "Cash-Bild" von Phil Ivey ansehen (rechts), welches ein Inbegriff dessen ist. Es ist auch überraschend, wie viele Turniergewinner ihre Preischecks verlieren (ich kenne einige Beispiele in sechs- und siebenstelliger Höhe).
Online stellen wir uns nicht besser an. Es gibt Spieler, die immer noch ihr komplettes Guthaben im Poker-Account liegen lassen. Als hätte es den Black Friday nie gegeben. Ein bekannter Spieler hat sich meinen Laptop geliehen, um seinen Sportwetten-Account auf Betfair zu checken und als ich ihn am nächsten Tag öffnete, sah ich das er vergessen hatte sich auszuloggen. Mir sprang ein Guthaben von £300k ins Auge und er hatte offensichtlich großes Glück, das ich ehrlich genug war, ihn auszuloggen und darauf aufmerksam zu machen.
Spekulieren, um Geld zu machen

In einem Spiel, bei dem Geld den Punktestand darstellt, ist es kein Wunder, dass wir unsere Zahlungsmittel anders behandeln als der Rest der Welt. Das Wirtschaften ist fast genauso ein Spiel wie jedes andere. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass es immer wieder Scams beim Online-Poker gibt oder etwas wie der Überfall bei der EPT Berlin passiert.
Macht das Gewinnen von viel Geld also leichtsinnig im Umgang mit Barem und Luxusgütern? Oder ist es genau anders herum und die Furchlosigkeit mit der manche mit Geld umgehen befähigt sie erst dazu, so viel zu verdienen.
Es braucht viel Herz einen Bluff in sechstelliger Höhe auf dem River durchzuziehen, das kann nicht jeder. Ich möchte nicht behaupten, dass es eine gute Sache ist, dass große Gewinner vielleicht sorglos mit ihrem Geld abseits der Tische umgehen. Aber vielleicht ist es eine unausweichliche Eigenschaft, die man als Person, die es auf die höchsten Stakes zieht, mitbringt.
Machen Gewinne euch sorgloser oder muss man risikofreudig sein, um überhaupt gewinnen zu können? Schreibt es uns in die Kommentare.