Mehr Spaß beim Pokern mit Kara Scott
Im Interview mit Kara Scott von 888poker unterhalten wir uns über den neuen Fokus auf Freizeitspieler, die Highroller-Szene und die Angst vor schlechtem Spiel an den Tischen.

Du warst bereits in viele Projekte involviert, die sich eher an Profispieler richten, wie zum Beispiel die WSOP oder die Show High Stakes Poker. Wie gestaltet sich der Wechsel zu einem Anbieter wie 888poker, der sich wie viele andere nun vermehrt auf Freizeitspieler konzentriert?
Kara Scott: Aufgrund meiner Arbeit für das Fernsehen bin ich mittlerweile mit fast allen Anbietern der Branche in Berührung gekommen. 888poker hat zum ersten Mal einen Eindruck bei mir hinterlassen, als ich vor ein paar Jahren ein Turnier in Malta gespielt habe und mit einigen ihrer Qualifikanten am Tisch saß. Sie alle haben davon berichtet, wie gut man sich seitens 888poker um sie kümmern würde. Es wurden Ausflüge organisiert, Probleme gelöst und die 888poker-Mitarbeiter und -Repräsentanten kamen immer mal wieder an den Tisch für ein bisschen Small Talk. So viel Aufmerksamkeit für Qualifikanten hatte ich eine ganze Weile schon nicht mehr erlebt und die Leute haben mir klargemacht, welch großen Unterschied eine solche Behandlung ausmachen würde.
In den letzten Jahren habe ich Poker auf andere Weise wahrgenommen, da ich mittlerweile beide Extreme kenne. Ich arbeite für die WSOP und erlebe dabei die Top-Highroller und ambitionierten Pros, was fantastisch ist, da man viel von ihnen lernen kann. Ich sehe das Spiel aber auch aus der Perspektive der Freizeitspieler, da ich selbst nie derart professionell spielen werde. Ich mache das Ganze aus Spaß und möchte daher natürlich, dass man auch auf Spielertypen eingeht, die dem Spiel auf diese Weise nachgehen.
Denkst du, dass man Freizeitspielern zuvor zu wenig Beachtung seitens der Industrie und Community geschenkt hat?
Kara Scott: Nicht jeder kann ein Profi werden und das merkt man sehr deutlich an den Live-Tischen. Macht man einen Fehler in einem großen Turnier, kriegt man das Gekicher der Grinder unter vorgehaltener Hand durchaus mit. Ein paar Jahre lang habe ich unter anderer Flagge gepokert, was eine tolle Erfahrung war, für die ich äußerst dankbar bin, allerdings konnte ich nicht viel daraus machen und verlor auch irgendwie den Spaß an der Sache. Ich spielte deutlich über meinem Niveau und habe das auch klar gemerkt. Einige Spieler kamen nur miteinander in Kontakt, indem man sich gemeinsam über Hobbyspieler lustig machte. Ich kam als Underdog an die Tische und war der Spieler, den man dort sehen wollte, damit Geld in die großen Turniere fließt. Ich selbst hatte jedoch keine große Lust überhaupt anzutreten und auf diese Weise Geld in die Events zu pumpen, was ja eigentlich den Profis zugutekommt. Es war kein schönes Gefühl und widersprach auch irgendwie der Idee von Poker. Denn wenn die Leute keinen Spaß daran haben, weil man abseits eines gewissen Levels überhaupt nicht an einem Tisch spielen kann, dann ist das am Ende schlecht für alle.
"Lowstakes-Poker macht mehr Spaß"

Wie kann man Poker unterhaltsamer machen? Was macht aus deiner Sicht Spaß am Spiel?
Kara Scott: Ich denke, dass Poker grundsätzlich Unterhaltung bieten kann. Mir macht es Spaß, Probleme zu lösen und an Sachen herumzurätseln. Vor allem Poker um kleinere Einsätze begeistert mich. Ich war in diesem Monat in London bei einem Live-Event von 888poker. Die Mitspieler am Tisch kannten mich von meiner vorherigen Arbeit und dachten allesamt, dass ich mich richtig langweilen würde. Ich hatte jedoch seit langer Zeit nicht mehr so viel Spaß beim Pokern wie an diesem Abend. Ich saß nicht nur da mit Kopfhörern auf den Ohren, um am Ende des Tages meine Chips einzutüten.
Ich fühlte keinen Druck durch das Buy-in und konnte das auch bei meinen Mitspielern spüren. Ich war mit dabei, als alle dem Gewinn von Titeln mit großem Buy-in sehr viel Prestige einräumten. Es kam jedoch zur Krise und die Leute merkten, dass so etwas nicht wirklich etwas für sie war. Anschließend haben viele Unternehmen Turniere mit kleineren Buy-ins gestartet, die immer noch hohe Preisgelder an der Spitze hatten, und feierten damit große Erfolge. Man hat nach wie vor die Aussicht auf einen riesigen Gewinn, aber es schmerzt nicht mehr finanziell, wenn es nicht klappt, sodass man auch jede Menge Spaß mit seinen Leuten haben kann.
Irgendwie scheint es dieser Tag einen Markt für Lowstakes- und Highroller-Events zu geben und sehr wenig dazwischen.
Kara Scott: Das Ganze ist definitiv polarisiert. Die Leute haben entweder das Geld oder sie haben es nicht. Nichts dazwischen. Ich weiß nicht, ob ich komplett richtig liege, aber bei den Events mit kleineren Buy-ins geht es nach wie vor um viel Geld, ich schätze jedoch, dass 100% der Teilnehmer selbst die Kosten tragen. Niemand spielt diese Events für 20% seiner Action, sodass die Spieler durchweg das Gefühl haben, tatsächlich aus einer kleinen Summe einen riesigen Gewinn machen zu können, was das Ganze natürlich sehr reizvoll und unterhaltsam macht.
"Die großen Pros interessiert nicht, was die Leute denken"

Wie genau wird deine Arbeit für 888poker aussehen?
Kara Scott: Als sogenannter Team Ambassador werde ich die Live-Events von 888poker spielen und mithelfen, dass die Events für die involvierten Spieler zu einem positiven Erlebnis werden, man zusammen Spaß hat und gemeinsame Ausflüge machen kann. Ich werde auch deutlich mehr online spielen, an Bounty-Turnieren teilnehmen, ein paar Artikel schreiben und sogar bei Twitch streamen, was für mich persönlich eine neue Erfahrung sein wird. Das Ganze ist eher etwas für die Basis und mir gefällt der Ansatz von 888poker dafür zu sorgen, dass die Kunden ihren Spaß haben.
Bei deinem ersten 888poker-Event des Jahres bist du Dritte für rund €12.500 geworden. Hat dich das unmittelbar gute Abschneiden beim allerersten Event als Team Ambassador etwas in Verlegenheit gebracht?
Kara Scott: Überhaupt nicht! Ich war richtig begeistert. Ich glaube es lag vor allem daran, dass ich einen äußerst guten zweiten Tag erwischt habe und alles zu meinen Gunsten lief. Es hat Spaß gemacht und das hatte auf jeden Fall Einfluss auf mein Spiel. Wenn ich nicht jede meiner Aktionen infrage stelle, spiele ich deutlich besser.
Ich bin überzeugt, dass fast jeder Spieler, egal ob Profi oder Amateur, in gewissem Ausmaß eine mentale Schwäche hat, bei der die Angst am Tisch dumm auszusehen, das eigene Spiel beeinflusst. Was denkst du?
Kara Scott: Ich habe ein paar großartige Spieler erlebt, die sich davon nicht beeinflussen lassen. Als Profi braucht man wahrscheinlich ein solches Mindset. Bei mir persönlich hat es jedoch Einfluss und das wird wohl auch immer so bleiben. Egal wie gut man spielt, es gibt immer ein paar Hände, die man herausnehmen und theoretisch komplett zerrupfen könnte. Mein Ehemann Giovanni hat mir das geschildert. Er spielt professionell und sagt dennoch, dass er jeden Tag eine gewisse Anzahl an Händen spielt, bei denen er ziemlich dumm aussehen würde, wenn man sie ohne Kontext in einem Forum postet. Ihm ist es jedoch egal. Ich wünschte, ich könnte genauso denken. Stattdessen bin ich nach wie vor nervös, wenn ich im Fernsehen spielen muss. Die Menschen vergessen nicht und reden nach wie vor über diese eine Hand von Jennifer Tilly. Wie lange ist das her? Wie lange hatte sie zu diesem Zeitpunkt gespielt? Unter wie viel Druck stand sie bei dieser Show, derart im Rampenlicht? Und trotzdem kritisieren die Leute nach wie vor ihr Spiel. Poker als Community wird sich zum Besseren entwickeln, wenn wir solch ein Verhalten nicht unterstützen.
Man muss sich zugestehen, dass man kein Profi ist. Man wird von mir nicht viel Neues über Poker lernen, wenn man meinen Twitch-Stream verfolgt. Allerdings wird man hoffentlich den einen oder anderen Lacher erleben. Das ist mir wichtig. Ich möchte, dass es unterhaltsam wird. Poker ist Unterhaltung. Ich fände es klasse, wenn ich ein Bracelet gewinnen könnte, aber werde dafür nicht verkrampft auf Bracelet-Jagd gehen. Ich spiele wie jedes Jahr ein paar WSOP-Events, bevor ich die Übertragungsarbeit starte. Poker ist meine Arbeitsbranche und ich bin Moderatorin und Repräsentantin. Wenn dabei irgendetwas am Rande rumkommt, ist das ein netter Nebeneffekt.
Vielen Dank für das Interview, Kara! Wir wünschen dir viel Erfolg bei deiner Arbeit für 888poker und bei der Präsentation der WSOP in diesem Jahr.