Mehr Unterhaltung durch Elitespieler oder Gambler?
Das Hustler Casino hat das Line-up für das Million Dollar Game veröffentlicht, jedoch ohne bekannte Größen aus dem Elitezirkel. Sehen wir zunehmend eine Trennung von Amateuren und Top-Spielern?
Vor Kurzem wurde im Hustler-Livestream das Line-up für das bevorstehende Million Dollar Game bekannt gegeben. Dabei sind einige Spieler wie etwa Rob Yong, Rampage und Chamath Palihapitiya, die keine Stammgäste im Hustler Casino sind, doch der Großteil der Teilnehmer besteht aus bekannten Gesichtern des beliebten Streams:
THE MILLION DOLLAR GAME!!
May 27-29
3 days
$500/1K + $1K BB ante
$1 MILLION minimum buyinConfirmed players so far:@IAmMaverick888@rampagepoker@rob_yong_@chamath
Mikki@blankcheckben@stanleytang@nikairball
J.R.
Double M
Charles@ICTMoxieCommentators:@TuckonSports… pic.twitter.com/9nbqKAPmpa
— Hustler Casino Live (@HCLPokerShow) April 12, 2023
Erstaunlicherweise tauchen hierbei keine Namen weltbekannter Topspieler auf. Rampage wird zwar durchaus als professioneller Spieler angesehen, allerdings scheint er es mit dem Bankroll-Management nicht allzu genau zu nehmen, wodurch ihm manch einer die Einordnung als Profispieler auch in Abrede stellt.
Roboter oder Zocker?
Das Line-up steht im starken Kontrast zu vielen Super-High-Roller-Turnieren, deren Felder fast ausschließlich aus den besten Spielern der Welt bestehen. Darunter scheint der Unterhaltungswert für die Zuschauer zu leiden, denn immer häufiger wird die stoische, roboterhafte Art der Spieler bemängelt.
Nun ist auf Twitter eine Debatte über die Zusammensetzung Million Dollar Game entbrannt. Bieten Pokershows noch Poker auf höchstem Niveau oder wird zunehmend schwindelerregend hohes Glücksspiel präsentiert? Denn man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir im Hustler-Stream wahrscheinlich nicht in den Genuss allzu vieler brillanter Spielzüge kommen werden. Allerdings können wir mit Sicherheit erwarten, dass enorme Summen den Besitzer wechseln werden.
Im Rahmen dieser Debatte kam es zu einem unterhaltsamen Gedankenaustausch zwischen Justin Bonomo und Will Jaffe, der absolut sehenswert ist:
It’s time to have a tough one, with @dankness3 himself pic.twitter.com/tn4Y65U2Ql
— Bonologic (@JustinBonomo) April 13, 2023
Zweiklassengesellschaft?

Zurzeit bilden sich zunehmend verschiedene Fraktionen unter den Spielern bei Pokershows. Auf der einen Seite die Elitespieler, mit ihren nicht besonders unterhaltsamen Auftritten. Auf der anderen Seite erleben wir finanzkräftige Geschäftsleute, die in spektakulären Pötten Spielzüge auspacken, die man nicht zu Hause nachahmen sollte. Die gut betuchten Amateure sind nicht bereit, gegen GTO-Experten anzutreten, die ständig folden, und die Weltklassespieler werden nicht den geringsten Vorteil zu Unterhaltungszwecken aufgeben.
Das ähnelt ein bisschen der Wahl zwischen einem WM-Titelkampf von Floyd Mayweather und einem Boxkampf zweier C-Promis. In einem Titelkampf kann man die technische Genialität eines Floyd Mayweathers bestaunen, allzu spannend wird das Duell wegen seiner Überlegenheit aber nicht, oder man zieht ein gut präsentiertes, gehyptes, dramatisches Spektakel vor, dass am Ende aber keinerlei boxerisches Niveau bieten wird.
Diese Kritik richtet sich keineswegs gegen die Produktion oder die Zuschauer solcher Events. Heutzutage erleben wir erstklassige Produktionen von Pokershows, doch es wäre unterhaltsamer, häufiger Amateure und professioneller Spieler am selben Tisch zu erleben. So würde das Herz der Zuschauer aufgehen, wenn bei Super-High-Roller-Turnieren vermehrt heißlaufende Durchschnittsspieler zu sehen wären, die den Turnierexperten das Leben schwer machen. Auf der anderen Seite bieten Nosebleed-Cashgames den Topspielern die Möglichkeit, ihr Können gegen die kreativen Spielzüge von Geschäftsleuten unter Beweis zu stellen.
Es fehlen die Pokermärchen der Moderne

Meiner Meinung nach wäre eine Mischung aus professionellen Spielern und Amateuren die ideale Konstellation, etwa ein Tisch voller reicher Geschäftsleute zusammen mit ein paar Elitespielern. Die professionellen Spieler sollten den Amateuren in vielerlei Hinsicht Zugeständnisse einräumen, wie etwa das Akzeptieren von Straddles oder Run it Twice. Immerhin lebt ihre Zunft von den Amateuren, daher sollten sämtliche Wünsche der Außenseiter erhört werden. Turniere, bei denen professionelle Spieler und Amateure am ersten Starttag getrennt voneinander ins Rennen gehen, sind ein erstklassiger Ansatz.
Die Pokerwelt lebt ganz wesentlich von den Erfolgsgeschichten der Durchschnittsspieler. Eine Pokersaga der Moderne, wie einst von Chris Moneymaker geschrieben, zieht viele neue Spieler in den Bann. Satellites, Platinum Pässe oder spezielle Formate wie die Show PokerStars Big Game geben besonders Außenseitern die Möglichkeit der Pokerwelt ihren Glanz zu verleihen.
Die Qualität von Pokershows war noch nie so hoch wie heute, doch es bilden sich zunehmen gegensätzliche Lager. Nicht nur für Poker auf höchstem Niveau, sondern auch für spektakuläre Cashgame-Partien gibts es ausreichend Nachfrage. Für viele Zuschauer wäre das Aufeinandertreffen reicher Geschäftsleute mit den besten Spielern der Welt eine sehr sehenswerte Abwechslung.
Schaut ihr lieber Weltklasse-Poker oder Partien reicher Geschäftsleute? Wir freuen uns auf eure Kommentare!