Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

"Mein eigentlicher Job war nur ein Zwischenschritt"

PokerStratege 'FreemanDSL' hat es dank eisernen Willens in nur acht Monaten von den $0,25- auf die $30-Spins geschafft. Im Interview erfahren wir mehr über den Balanceakt auf dem Weg nach oben.

Warum hast du dich entschieden bei SpinLegends einzusteigen?

FreemanDSL: Vor drei Jahren habe ich noch 6-max-Cashgames gespielt und hatte als Ziel, zum Jahresende NL100 zu erreichen. Das war im März 2016. Im September war ich bereits auf NL50 unterwegs. Dann ging es jedoch völlig den Bach runter und ein Downswing von vier Monaten sorgte dafür, dass ich eine lange Pause eingelegt und mich erst einmal anderen Dingen gewidmet habe. Letztes Jahr im Juli kam es dann zur Entscheidung, es noch einmal mit Poker zu versuchen. Ich wollte vor allem an meiner Disziplin arbeiten und hatte gerade erst erfahren, dass es bei SpinLegends mittlerweile auch ein russisches Team gab. Kurz nachdem ich meine Cashgame-Stats eingereicht hatte, konnte ich dann auch schon den Vertrag unterschreiben.

FreemanDSL
FreemanDSL

Mit welchem Limit hast du angefangen und wo bist du mittlerweile angelangt?

FreemanDSL: Anfang Juli 2018 ging es für mir los mit den $0,25-Spins. Am Monatsende war ich bereits auf $3 unterwegs. Am Tag meiner Unterschrift bei SpinLegends habe ich allerdings auch eine neue Arbeitsstelle gefunden und musste dafür in eine andere Stadt umziehen. Während des neuen Jobs blieb praktisch keinerlei Zeit mehr zum Spielen und zu allem Überfluss lief es nach einer Weile überhaupt nicht mehr. Die Zeiten wurden recht hart für mich, inklusive einiger Schulden und all den Konsequenzen, die damit einhergehen. Zum Glück habe ich jedoch Verwandte hier vor Ort, denen ich für ihre Unterstützung während dieser Zeit unendlich dankbar bin. Ich durfte bei ihnen wohnen und fand eine neue Arbeit in einem Möbelunternehmen. Für mich ging es darum, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, um dann den nächsten Schritt zu gehen. Also habe ich die Arbeit allmählich wieder mit Poker kombiniert.

FreemanDSL
Der Graph von FreemanDSL auf den $7-Spins

Auf ersten Widerstand bin ich bereits bei den $3-Turnieren gestoßen, dank einer Jackpot-Partie mit 240-fachem Preispool gab es aber einen netten Bonus für mich, wodurch ich mir auch einen neuen PC leisten konnte. Zuvor hatte ich immer auf einem kleinen Laptop gespielt.

Anfang November bin ich dann auf die $7-Partien gewechselt und konnte das Limit in rund anderthalb Monaten mit einem Chip-EV von 67 innerhalb von mehr als 3.000 Turnieren schlagen. Am Neujahrsabend folgte der Schritt auf die $15-Turniere, allerdings mit eher mäßigem Erfolg, was sich auch in deutlichen Schwankungen in meinem Spielstil und meiner Strategie zeigte. Meine Stats gingen in den Keller und ich musste noch einmal ein Limit herunter.

Dank des Teams bei SpinLegends und der Unterstützung der anderen Mitglieder konnte ich Ende Februar dann erneut einen Angriff auf $15 wagen. Nach einem guten Monat schaffte ich es dann auch tatsächlich das Limit hinter mir zu lassen und mich auf $30 etablieren.

Wie sehen deine Resultate dort aus und wie sicher bist du dir, was dein Spiel auf diesem Niveau betrifft?

FreemanDSL: Die ersten 1.000 Turniere konnte ich mit einem Chip-EV von 65 stemmen. Im Anschluss wurde es dann aber etwas holpriger. Eigentlich hatte ich deutlich mehr Regs auf dem Niveau erwartet, zum Glück ist das aber gar nicht der Fall, was mich mit Zuversicht nach vorn blicken lässt. Das Wichtigste ist, dass ich von meinem Spiel überzeugt bin und weiß, dass ich es schaffen kann. Seitdem ich ins Diamond-Team bei SpinLegends aufgestiegen bin, habe ich auch die Unterstützung von noch mehr erfahrenen Spielern und kann auf die beste Software und besten Coachings zurückgreifen. Es ist alles sehr auf GTO ausgerichtet, dennoch wird genau geschaut, wann auch das Exploiten weiterhin Sinn machen kann.

Ein Aufstieg von $0,25 auf $30 ist ein beachtlicher Fortschritt, vor allem wenn man bedenkt, dass du währenddessen auch das eine oder andere Problem im Arbeitsleben hattest. Welche Form des Trainings hat aus deiner Sicht den größten Unterschied ausgemacht?

FreemanDSL: Das ist schwer zu sagen. Es ist wahrscheinlich eine gute Frage für alle Einsteiger, damit sie einen Ansatz habe, wo die Arbeit gerade zu Beginn am meisten bringen kann. Bei mir war aber schlichtweg ein großer Drang vorhanden, meine Ziele zu erreichen. Dafür bin ich zum Beispiel auf der Arbeit auf einem Blatt Papier allerlei Berechnungen durchgegangen, von den einfachsten bis hin zu GTO-Fragestellungen, und habe über mein Handy Videos geschaut und Artikel gelesen, wann auch immer ich die Zeit dafür fand. Damit ich zum Monatsende ein einigermaßen vernünftiges Spielvolumen vorweisen konnte, musste ich regelmäßig bis 2 oder 3 Uhr nachts grinden, um am nächsten Tag schon wieder um 8 Uhr auf der Arbeit parat zu stehen. Ich würde das natürlich niemandem empfehlen, auf so eine Weise zu leben und zu arbeiten, in meinem Fall hat es sich aber zum Glück bezahlt gemacht.

FreemanDSL Chart at $ 15 Limit
Der $15-Graph von FreemanDSL

Und wie viel Zeit verbringst du mittlerweile mit der Arbeit an deinem Spiel? Wie sieht das Verhältnis zwischen Grinden und Lernen aus?

FreemanDSL: Ich kann da keine genauen Zahlen nennen, aber eine Sache ist sicher: Wenn man die Gesamtzeit betrachtet, die ich in Artikel, Reviews, Solver und Diskussionen auf Discord stecke, dann sind das zweifellos deutlich mehr Stunden als ich mit Spielen verbringe.

Zusätzlich zur eigenständigen Arbeit an deinem Spiel hilfst du auch aktiv anderen Mitgliedern in unserem Forum. Wie sehr hilft dir das, auch selbst weiter voranzukommen?

FreemanDSLIch habe bewusst damit angefangen, da es auch für mich viele Vorteile bietet. Ich kann nicht auf so viel Erfahrung zurückblicken wie die meisten meiner Kollegen auf dem aktuellen Limit. Anderen auf diese Weise zu helfen, sorgt dafür, dass ich mein Grundwissen festigen kann. Auch mit Blick auf meine Disziplin bringt das Ganze etwas, weil ich eine gewisse Verpflichtung spüre, sobald ich jemandem Hilfe und Unterstützung zusage.

Du hast deine Arbeit mittlerweile gekündigt, um dich voll und ganz auf Poker zu konzentrieren. Wie lange hast du dir diesen Schritt überlegt und wie schwierig ist er dir am Ende gefallen?

FreemanDSL: Ich habe einen Tag darüber nachgedacht, die Entscheidung war also sehr leicht. Wenn eine Person vom Inneren her schon bereit für etwas ist, dann geht es meist sehr schnell. Mir war immer klar, dass der Job nur ein Zwischenschritt sein würde. Dass es die richtige Entscheidung war, hat mir kurioserweise der Tag meiner Kündigung gezeigt, da ich genau da zum ersten Mal überhaupt zu spät gekommen war, das Ganze aber direkt sanktioniert wurde. Als man dann erfahren hat, dass ich ohnehin kündigen würde, gab es zum Glück aber keinerlei Einbußen beim Restgehalt, da ich fristgerecht den Hut genommen habe.

FreemanDSL
Die bisherigen Resultate auf den $30-Spins

Du bist seit mittlerweile acht Monaten bei SpinLegends aktiv. Werden die Spins aus deiner Sicht immer tougher, je mehr Zeit ins Land geht?

FreemanDSLIch kann darüber nicht allzu viel sagen, da jedes Limit im Grunde ein neues für mich ist. Im Moment sehe ich aber auf meinem Niveau noch genug Sachen, die mir zeigen, dass man immer noch Geld mit Poker machen kann. Eine bessere Frage wäre daher wohl: "Was ist nötig, um dieses Limit zu schlagen?" Und die Antwort wäre immer: "Ein großer Wille". Wer den hat, der wird auch seine Ziele beim Poker erreichen.

freemandsl
"Eine gute Balance finden zwischen Poker, Freizeit und Familie"

Und welchen Ratschlag würdest du Neueinsteigern zum Beginn der eigenen Pokerlaufbahn geben?

FreemanDSL: Wenn möglich, sollte man immer darauf achten, dass man seine Zeit ausgeglichen gestaltet. Man sollte nicht nur den ganzen Tag lang spielen wie ein Besessener. Es gilt stattdessen, eigenständig am eigenen Spiel zu arbeiten, Strategien zu lernen und erfahrene Kollegen mit Fragen zu löchern. Und während man all das macht, sollte man schauen, dass man dennoch genug Zeit für Spaß, Familie und die eigene Gesundheit findet, denn das Leben wird sich nie nur um Poker drehen, egal wie weit man in den Limits vorankommt.

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