Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

November Nine: Ein Spaßkiller für den Final Table?

Der diesjährige Final Table hat gezeigt, dass die viermonatige Unterbrechung der TV-Übertragung Drama und Momentum genommen haben.





Es ist wohl schwer jemanden zu finden, der die Abschaffung des Konzepts November Nine beim diesjährigen Main Event nicht positiv wahrgenommen hat. Ich habe bereits darüber geschrieben, warum ich diesen Schritt für richtig hielt und auch die Zahlen sowie das sehr positive Feedback aus der Pokercommunity scheinen dies zu unterstützen.

Was ich damals nicht berücksichtigt habe, war die viel entspanntere und unterhaltsamere Atmosphäre. Dafür sorgte wohl vor allem John Hesp (mehr dazu gleich) und zu kleinen Stücken auch die beiden Veteranen, welche wussten, was da auf sie zukommt. Doch die Abschaffung der viermonatigen Pause hat hier ebenfalls eine Rolle gespielt.

The 2017 WSOP Main Event final table
Der Finaltisch des WSOP Main Events 2017

Das Momentum

WSOP champion Scott Blumstein
Champion Scott Blumstein

Aus der Perspektive des Game Flows ist natürlich offensichtlich, dass die November Nine dem Tisch das Element des Momentums genommen haben. Form und Selbstbewusstsein sind wichtige Kriterien, welche die Entscheidungen eines Spielers und die Wahrnehmung am Tisch beeinflussen. Um an den Finaltisch zu kommen, muss man sein A-Game zeigen und viele der ehemaligen November Niner gaben in Interviews zu, dass sie lieber weitergespielt hätten.

Dies gilt natürlich besonders für einen Spieler wie John Hesp, der auf einer perfekten Welle aus Glück und Selbstbewusstsein durch Turnier surfte. Er hatte keine Angst am Final Table Fehler zu machen und darum hat man ihm auch gerne zugesehen. Momentum bedeutet nicht gleich, dass man besser spielt. Es kann einen in der Tat auch zu viel schlechteren Entscheidungen verleiten, es vereinfacht jedoch den Denkprozess und so wird die Action für den Zuschauer wiederum interessanter.

Es wäre schade gewesen die Spieler 'aus dem Tunnel' zu holen, besonders im Falle Hesp. Viel schlimmer wäre jedoch gewesen, wenn Pokers neue Lieblingsfigur die ganze Pause genutzt hätte, um aufbereitete Analysen von Keyboardkriegern in Foren zu lesen, die an seinem Spiel rummäkeln. Das führt mich auch gleich zu einem weiteren Aspekt, der dazu geführt hat, dass die November Nine weniger unterhaltsam waren: Die Spieler haben den Spielstil, der sie dorthin gebracht hat, völlig verändert.

Kein Stilbruch im Spiel

UK poker player John Hesp
John Hesp

Jeder engagierte während der Unterbrechung verständlicherweise Coaches und simulierte den Final Table. Man sichtete stundenlang Videomaterial über sich selbst und die Gegner. Im Hinblick auf das Metagame ist das natürlich faszinierend und es handelt sich hierbei um wichtige Fähigkeiten. Hierdurch haben wir aber nach der Pause nicht mehr dieselben Spieler gesehen. Entweder wurden sie deutlich besser oder eine abgespeckte Version ihrer Coaches.

Mein Freund und Mentalgame-Coach Jared Tendler hat im letzten Jahr mit drei November Ninern gearbeitet und diese Gefahren waren ihm völlig bewusst. So lag sein Fokus stets auf dem Abstellen der größten Leaks seiner Klienten, statt ihnen das Spiel völlig neu beizubringen. So bleibt der Lernprozess einfach und das Wissen auch unter Druck abrufbar. Es wäre eine Tragödie gewesen, wenn Hesp nach vier Monaten als schlechte Imitation eines ICM-Bots zurückgekehrt wäre.

Zu guter Letzt wäre da der klar erkennbare Druck, der durch die Verzögerung zustande kam. Niemand wollte zurückkehren, um als 9. auszuscheiden, schließlich gäbe es dann kein weiteres Geld (alle Spieler bekamen das Preisgeld für Platz 9 bereits im Juli). Außerdem waren es vier Monate, in denen man sich einen Kopf um das ganze Geld machen konnte. In diesem Jahr war das Finale hier und dort vielleicht etwas verhalten, doch oft haben wir auch loose Spielzüge gesehen.

Alles fühlte sich viel entspannter, freundlicher und authentischer an. Ich bin der Meinung, dass die fehlende Unterbrechung hierfür ein bedeutsamer Faktor war. Als nächstes könnte man sich wohl fragen, was passiert wäre, wenn man nicht über einen Zeitraum von drei Tagen gespielt hätte. Doch dieses Konzept hat sich seit langer Zeit bewährt. Oder seid ihr der Meinung, dass eine kürzere Zeitspanne für noch mehr Entertainment sorgen würde?

Habt ihr den Final Table in diesem Jahr mehr genossen? Wir freuen uns auf eure Meinung in den Kommentaren.

Jetzt diesen Artikel teilen