Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

November Niner Matt Giannetti: "Ich möchte unbedingt das Bracelet haben"

Im Interview steht uns der November Niner und Sieger der WPT Malta, Matt Giannetti, Rede und Antwort. Der US-Amerikaner verrät seine Vorbereitungen für den WSOP Main Event Final Table.

Matt Giannetti
 Matt Giannetti

PokerStrategy.com: Matt, gab es während des WSOP Main Events einen Zeitpunkt, bei dem du dachtest, dass du es an den Final Table schaffen könntest?

Matt Giannetti: Ich war bei der Final Table Bubble sehr short, aber ich hatte während des gesamten Turniers ein gutes Mindset. Ich habe versucht, nicht über die Zukunft nachzudenken.

Ich habe einfach immer nur von Hand zu Hand gedacht. Normalerweise tendiere ich dazu, über bestimmte Dinge die ganze Zeit nachzudenken. Aber während des Turniers hatte ich mich besser im Griff und war in der Lage, über manche Dinge schnell hinweg zu sein.

PokerStrategy.com:
War das eine neue Vorgehensweise von dir?

Matt Giannetti:
Es war auf jeden Fall etwas, was ich sehr stark während des WSOP Main Events versucht habe. Ich habe mich nie groß gefragt, wie groß der Average-Chipstack ist oder wie viele Spieler noch im Turnier sind. Ich habe mich einfach auf jede Hand konzentriert.

PokerStrategy.com: Gab es einen Moment, bei dem du dachtest, du würdest ausscheiden?


Matt Giannetti:
Ich wusste, dass es einige Zeitpunkte gab, als nur noch zehn Spieler übrig waren. Es war mir klar, dass ich während des nächsten Orbits All-In gehen würde. Ich war mir dessen bewusst, aber ich dachte nicht "Ich werde rausfliegen", sondern "Ich werde All-In gehen, hoffentlich halte ich eine starke Hand und habe Glück".

PokerStrategy.com: Wie war zu diesem Zeitpunkt deine mentale Situation?


Matt Giannetti:
Ich habe versucht, nicht an die Größe des Events zu denken. Aber klar: Als ich All-In war, alle Chips in der Mitte waren und ich nichts mehr tun konnte, wurde ich schon nervös. Aber während des Spielens hatte ich mich ganz gut im Griff.


"Ich möchte unbedingt das Bracelet haben"

PokerStrategy.com: Die Payouts am Final Table sind gigantisch. Was denkst du darüber?

Matt Giannetti:
Das Geld wird das Leben für immer verändern und es wäre eine tolle Sache, wenn ich es gewinnen würde. Aber: Ich möchte unbedingt das Bracelet haben. Ich werde mich einfach darauf fokussieren, so zu spielen, wie ich es am Besten kann.

PokerStrategy.com: Verliert Geld an Wert, wenn man wie du so lange als Profispieler spielt?


Matt Giannetti:
Wenn man lange genug spielt, realisiert man, dass es mit dem Geld wie bei einem Wettkampf ist: Man hat einfach mehr Munition zum Spielen. Also man wirft definitiv einen anderen Blick auf das Geld.

PokerStrategy.com:
Bist du ein WSOP-Veteran?

Matt Giannetti:
Ich bin 26 Jahre alt und habe die letzten Jahre bei der WSOP mitgespielt. Eigentlich bin ich ein Cash Game Spieler und vor dem Turniersieg bei der WPT Malta hatte ich noch nie einen sechsstelligen Cash gehabt. Allgemein hatte ich vor dem Main Event nicht besonders viele Pokerturniere gespielt. Ich beschäftige mich nur nebenbei mit Turnieren und richte das Hauptaugenmerk auf Cash Games.

PokerStrategy.com: Und wie hat sich dein Leben nach dem Erreichen des WSOP Final Tables verändert?

Matt Giannetti:
Ich reise zurzeit um die Welt und spiele mehr Turniere. Neu ist für mich die ganze Publicity und die Anerkennung als Pokerspieler.

PokerStrategy.com: Du gehörst zu den ersten
November Niner nach dem Black Friday.

Matt Giannetti:
Es wäre gut gewesen, wenn es nicht passiert wäre, da es dann mehr Geld für mich gegeben hätte. Aber sich über etwas aufzuregen, was man nicht in der Hand hat, ist meiner Meinung nach Kraftverschwendung.

PokerStrategy.com:
Warst du ein Online Cash Game Grinder?

Matt Giannetti:
Zu Beginn war ich es. Dann habe ich Turniere gespielt und bin dann schließlich bei den Live Cash Games gelandet, mit denen ich meinen Lebensunterhalt finanziere. Ich habe immer zwischen Online- und Live-Games geschwankt, aber ich mag das Live-Spiel deutlich mehr.


"Kurz vor dem Black Friday hatte ich wieder mit Online-Poker angefangen"

PokerStrategy.com: Also betrifft dich der Black Friday nicht so sehr wie andere Pokerspieler?

Matt Giannetti:
Seltsamerweise habe ich kurz vor dem Black Friday wieder angefangen, an den Online-Tischen zu spielen, weil es bei den Live-Games nicht gut lief. Aber nein, im Vergleich zu anderen Spielern betrifft mich das nicht so sehr.

PokerStrategy.com:
Welche Limits spielst du?

Matt Giannetti:
Ich spiele nicht zwangsweise bestimmte Stakes, sondern konzentriere mich einfach auf gute Tische. Ich lebe in Las Vegas und spiele dort eine Menge, aber ich reise auch häufig nach Miami, da es dort einige gute PLO-Games gibt.

Matt Giannetti
Giannetti kehrt als WPT-Champion
nach Las Vegas zurück


PokerStrategy.com:
Welche Varianten spielst du regelmäßig, Omaha oder NLHE?

Matt Giannetti: Bis vor zwei Jahren war es rein NLHE, aber heutzutage spiele ich Omaha. Diese Variante kann zurzeit sehr profitabel sein, solange man seine Tische richtig aussucht.

PokerStrategy.com:
Wirst du als erfolgreicher WSOP-Spieler künftig vielleicht nur noch an den Turniertischen zu finden sein?

Matt Giannetti:
Das ging mir schon mal durch den Kopf. Ich habe immer schon das gemacht, worauf ich Lust habe. Ich habe aktuell Spaß beim Spielen von Turnieren, deshalb werde ich das auch weitermachen. Aber wenn ich Cash Games spielen möchte, dann werde ich auch das tun.

PokerStrategy.com: Was denken deine Freunde oder deine Familie über den neuen Ruhm?


Matt Giannetti:
Jeder ist sehr hilfsbereit, aber es hat sich nicht wirklich viel geändert.

"Selbstvertrauen ist alles beim Pokern"

PokerStrategy.com: Nachdem du den Final Table der WSOP erreicht hast, konntest du die WPT Malta gewinnen und deinen ersten sechsstelligen Cash einfahren. Was macht einen November Niner den Sommer über so erfolgreich?

Matt Giannetti:
Selbstvertrauen ist alles beim Pokern, es hilft beim Treffen aller Entscheidungen. Wenn man sich sicher ist, dass alle getroffenen Entscheidungen korrekt sind, macht das alles viel einfacher.

Insgesamt gesehen war ich mit meinem Spiel bei der WPT in Malta nicht zufrieden. Es gab ein paar Situationen, bei denen ich loose Rivercalls gemacht habe und wusste, dass sie falsch waren. Bei der WSOP, als mein Selbstvertrauen riesig war, habe ich solche Hände einfach gefoldet. Also war ich etwas enttäuscht von mir.

PokerStrategy.com:
Wolltest du schon immer Pokerspieler werden?

Matt Giannetti:
Ja. Es gab zwar ein paar Höhen und Tiefen in meiner Karriere, vor allem bei den Cash Games. Aber man kann sich seinen eigenen Zeitplan zusammenstellen, hart arbeiten oder relaxen - wie man will. Ich hatte Computertechnik studiert, aber ich genieße Poker einfach viel mehr. Ich wusste, dass ich beim Pokern etwas Geld verdienen könnte und deshalb habe ich es probiert.

PokerStrategy.com: Mit welchen Pokerspielern pflegst du intensivere Kontakte?

Matt Giannetti:
Mit Nenad Medic, Noah Schwartz, The Grinder, Chino Rheem und David Williams. Wir reden viel über Strategien und arbeiten zusammen - das ist einer der besten Wege, um sein Pokerspiel zu verbessern.

PokerStrategy.com:
Und was sind deine Zukunftspläne?

Matt Giannetti:
Ich könnte vielleicht mein Studium abschließen, das würde ich auch trotz eines ersten Platzes beim Main Event machen. Ich weiß, dass ich nichts weiß - es hängt davon ab, wohin mich das Leben führt.

von Lee Davy