Online-Poker und Virtual Reality
Wir unterhalten uns mit Will Mace von Kindred Futures über das neue VR-Poker-Produkt des Unternehmens, das bei der Unibet Open Kopenhagen vorgestellt wurde.
Ihr habt Lucky VR Poker bei der Unibet Open getestet. Gibt es konkrete Pläne für eine baldige Veröffentlichung? Ist ein Echtgeld-Angebot geplant?
Will Mace: Einen festen Plan in der Form gibt es noch nicht. Im Moment wird das Spielerlebnis mit einer Reihe von interessierten und geschätzten Kunden getestet. Es ist noch zu früh, um eine Markteinführung zu planen. Wir wollen jedoch innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate weitere Testläufe ansetzen. Die Ergebnisse dieser Tests werden wir dann nutzen, um einen konkreten Plan zur Markteinführung zu erstellen. Wir sind überzeugt, dass unser Produkt sehr unterhaltsam ist und wollen wissen, was die Kunden denken. Bisher waren die Reaktionen sehr positiv.
Im Idealfall können wir in sechs Monaten eine Produktversion bieten, die von Kunden mit dem entsprechenden Equipment genutzt werden kann. Bis wir jedoch tatsächlich in einer Position sind, um Partien um Echtgeld anzubieten, wird es noch eine Weile dauern.
Denkst du, dass Virtual Reality als Produkt so allgegenwärtig wie das Smartphone werden kann? Wagt ihr deswegen einen frühen Vorstoß in diesen noch jungen Marktbereich?
Will Mace: Ich selbst bin ein begeisterter Verfechter von Virtual Reality und denke, dass das tatsächlich ein mögliches Szenario ist. In meinen Augen hat VR das Potenzial, um eine völlig neue Erfahrung zu bieten und die Art und Weise zu ändern, wie Menschen digitale Inhalte wie Filme, Spiele, Sport oder News konsumieren. Wird man in Zukunft wie gewöhnlich Nachrichten über den Fernseher schauen oder das Ganze via Virtual Reality verfolgen, wo das Storytelling-Potenzial deutlich stärker ausfällt?
"Es gibt eine endlose Anzahl an möglichen Anwendungsbereichen"
Für Außenstehende scheint es, als drehe sich Virtual Reality größtenteils darum, den Nutzer in Fantasy-Spielwelten zu transportieren, wo sie dann Drachen jagen und andere Dinge tun können, die das echte Leben nicht bietet. Ist ein simples Kartenspiel wie Poker, das praktisch überall auf der Welt gespielt werden kann, tatsächlich etwas, wofür ein Markt entstehen kann?
Will Mace: Die Spielebranche ist aktuell tatsächlich der größte Anwendungsbereich für Virtual Reality, ich denke jedoch nicht, dass es dabei bleiben wird. Erst vor Kurzem wurde bei der Facebook-Entwicklerkonferenz das Produkt Facebook Spaces vorgestellt, das gezeigt hat, wie Menschen Virtual Reality in den sozialen Netzwerken nutzen könnten. Es spiegelt die Vision von Mark Zuckerberg für den Bereich Virtual Reality wider und wir tendieren dazu, diesem Trend virtuell und sozial zu folgen. Es geht also mit Sicherheit nicht nur um Drachen. Im Hinblick auf Poker bietet sich zum Beispiel die Möglichkeit, die soziale und interaktive Dynamik einer Live-Partie mit Spielern nachzubilden, die über den gesamten Globus verteilt sind. Das ist ein sehr spannender Ausblick. Es kann zudem viele Anwendungsbereiche beim Thema Ausbildung geben. Chirurgen könnten beispielsweise Virtual Reality nutzen, um Herzoperationen realitätsnah zu üben. Die Anzahl an möglichen Anwendungsbereichen ist endlos.
Ein Aspekt, der stets beim Online-Poker gefehlt hat (mit Ausnahme von kleineren Elementen bei PKR und Webcam-Poker), sind wahrnehmbare körperliche Tells. Kann sich das mit Virtual Reality ändern und das Online-Spielerlebnis der Realität näherkommen?
Will Mace: Es stimmt, dass dieser Aspekt beim Online-Poker fast vollkommen fehlt. Aktuell geht die Entwicklung im Bereich Virtual-Reality-Poker jedoch eher in Richtung Entertainment. Die ambitionierten und ernsthaften Grinder sind noch etwas außen vor. Wer das Spiel professionell betreibt und mehrere Tische zur gleichen Zeit spielen will, würde Virtual Reality aktuell noch nicht in Erwägung ziehen. Wer jedoch eher in seiner Freizeit nur zum Spaß spielt, dem sagt das Ganze wohl bereits deutlich mehr zu. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass sich das ändern wird, je mehr Virtual Reality in den Mainstream vordringen kann. Zusätzliche Features wie das Gesichtstracking werden das Spielerlebnis noch weiter ausdehnen: Hologramme oder Avatare werden dann jede Regung durch nervliche Anspannung widerspiegeln, die man auch in der Realität wahrnehmen könnte.
"Ein neuer Ansatz für die Spiele- und Streamingbranche"

Ihr habt euer Produkt bei der Unibet Open getestet, bei der man eine klare Verknüpfung mit dem Bereich eSports-Streaming pflegt. Ist das der aktuell ideale Markt für euch?
Will Mace: Es scheint tatsächlich eine deutliche Schnittmenge zwischen eSports, Streamern und Poker zu geben. John Pyle, ein bekannter World-of-Warcraft-Spieler und Streamer (auch bekannt als "Swifty"), hat uns zum Beispiel verraten, dass es aktuell nur sehr wenige VR-Spiele gibt, bei denen man mit anderen Streamern kollaborieren kann. Er findet, dass unser Produkt in dieser Hinsicht eine unterhaltsame und fesselnde Möglichkeit bietet, um gegen andere Streamer anzutreten und dem Bereich Gaming und Streaming einen neuen Ansatz zu geben.
Ist eines der aktuell noch größten Hindernisse, dass lediglich die Technik-Enthusiasten unter uns das notwendige Equipment besitzen, um Virtual-Reality-Produkte nutzen zu können?
Will Mace: Es gibt aktuell tatsächlich noch jede Menge große Hindernisse und der Preis der notwendigen Produkte ist definitiv ein Teil davon. Aber im Bereich Technik werden die Preise mit der Zeit immer günstiger. Wenn man diesem Trend folgt, ist es also nur eine Frage der Zeit, wann eines dieser Hindernisse wegfällt.
Es gibt Bedenken, dass unsere Gesellschaft darunter leiden könnte, wenn die Menschen zu viel Zeit in virtuellen Welten verbringen. Gibt es irgendwelche ähnlichen Bedenken deinerseits, was das Thema Virtual Reality betrifft?
Will Mace: Ich denke, dass sich Virtual Reality rein ethisch gesehen nicht davon unterscheidet, wie Kunden die aktuellen Möglichkeiten nutzen, egal ob man nun 24 Stunden am Stück online ist, mehrere Filme oder Serien nacheinander schaut oder sich in einem Buch verliert. Es gibt einige Leute, die aktuell sehr viel Zeit mit Online-Poker verbringen, sodass sich schon jetzt dieselbe ethische Frage stellt. Bei Kindred unterstützen und fördern wir einen verantwortungsvollen Umgang, was den Bereich Glücksspiele bei unseren Produkten betrifft, und werden dieses Engagement mit Sicherheit auch beim Thema Virtual Reality aufrechterhalten.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit eurem VR-Produkt!
Wer Interesse hat, findet hier weitere Informationen zu LuckyVR.