"Online zu kommentieren ist wie ein Handreview" - Interview mit Tony Dunst
Wir haben mit dem World Poker Tour-Kommentator und WPT Caribbean-Champion Tony 'Bond18' Dunst über seinen Sieg, seine Arbeit und Bet Raise Fold gesprochen.
"Jeder Pokerspieler hat mit Neid zu tun"
PokerStrategy.com: Glückwunsch zum Gewinn des WPT Caribbean Main Events. Nach Jahren des Kommentierens bei der WPT kann ich mir vorstellen, dass dir dieser Sieg wichtiger war, als ein Bracelet oder ein EPT-Sieg.
Tony Dunst: Ich wollte immer einen WPT-Titel holen, besonders in einem TV-Event. Da ich für die arbeite, hat das auch einen größeren Einfluss auf unsere Zuschauer.
Es sollte entweder das sein oder das erste Live-Turnier, das ich überhaupt je gespielt habe - die Aussie Millions, als ich gerade 20 Jahre alt war. Die beiden wollte ich unbedingt gewinnen.
PokerStrategy.com: Du hast viel Zeit damit verbracht, die Siege und Geldgewinne anderer Spieler zu kommentieren. Warst du vor deinem eigenen Sieg etwas neidisch auf sie?
Tony Dunst: Klar, ich glaube, jeder Pokerspieler hat mit Neid zu tun. Unser Spiel, vor allem Turnierpoker, ist so unfair. Über die ganze Lebenszeit gerechnet, läuft es für einige Spieler einfach viel besser als für Andere, man erreicht nicht die Samplesize, die uns den tatsächlichen EV verraten würde.
Man sieht oft an Finaltischen einen Spieler sitzen, der relativ schlecht spielt, aber trotzdem eine Menge Geld gewinnt. Da denkt man sich schon mal: "Warum sitzt der da und nicht ich oder einer meiner talentierten Freunde". Das ist schon verrückt.
Trotzdem möchte ich betonen, dass es eben diese Varianz ist, die die schlechten Spieler immer wieder dazu bringt, mitzuspielen und die brauchen wir, um Erfolg zu haben.
"Kommentieren ist wie ein langes Handhistory-Review"
PokerStrategy.com: Du füllst bei der WPT die Rolle als Sportmoderator aus. Findest du selbst, dass Poker im Fernsehen als Sport präsentiert werden soll?
Tony Dunst: Ich glaube schon, dass es fürs Fernsehen so am Besten ist. Man merkt das ja auch daran, dass wir hauptsächlich auf den Sportkanälen wie Fox Sports oder, im Falle der WSOP, bei ESPN zu sehen sind, deswegen müssen wir es so darstellen.
Ich würde Poker nicht als Sport bezeichnen, in dem Sinne, dass es athletische und körperliche Stärke erfordert. Es kommt auf mentale Stärke an. Poker ist ein sehr komplexes Geschicklichkeitsspiel, aber als Sport würde ich es nicht betrachten.
PokerStrategy.com: Wie findest du die Balance zwischen tiefgreifenden, detaillierten Analysen und dem einfachen Erklären der Dinge für Neulinge?
Tony Dunst: Ich wäge das vorher mit unseren Produzenten ab, die großteils Freizeitspieler sind und nicht mit der Internet-Sprache und der Fortgeschrittenenstrategie zurechtkommen. Ich schreibe dann einfach vieles auf und bevor es losgeht sagen sie mir, ob sie das alles verstehen oder mehr Erklärungen brauchen. Sie führen mich also in die Richtung, die das Publikum verlangt.
PokerStrategy.com: Kannst du durch die Analysen auch dein eigenes Spiel verbessern?
Tony Dunst: Die Online-Übertragungen helfen wirklich, weil man da den ganzen Tag den Final-Table beobachtet und jede Entscheidung mitverfolgt und mit einem sehr guten Pokerspieler darüber redet.
Es ist wie ein langes Handhistory-Review. Ich kann dabei zusehen, wie bessere Spieler als ich ihre Entscheidungen treffen und so ihre Ergebnisse beeinflussen. Das bringt einen wirklich weiter.
"Ich war zufrieden damit, wie ich bei 'Bet Raise Fold' dargestellt wurde"
PokerStrategy.com: Kommt es oft vor, dass du mit Spielern zusammen am Tisch sitzt, deren Spiel du schon kommentiert hast? Gibt dir das einen Vorteil?
Tony Dunst: Das passiert tatsächlich. Allerdings ist der knifflige Teil dabei, dass man einen Spieler vielleicht vor neun Monaten am Finaltisch eines $10.000-Turniers gesehen hat und dann gegen ihn am Tag 2 eines $3.500ers spielt.
Deswegen ist der Vorteil eher gering, es ist aber trotzdem gut zu wissen, zu was jemand grundsätzlich fähig ist.
PokerStrategy.com: Abgesehen von der WPT bist du am ehesten für 'Bet Raise Fold' bekannt. Bist du mit deiner Darstellung dort zufrieden?
Tony Dunst: Ich fand das Ergebnis gut und weigere mich, die Ausschnitte anzusehen, die nicht in der Endfassung auftauchen. Ich habe Ryan, dem Regisseur, gesagt, dass ich alles so sehen möchte, wie es jeder sieht. Hätte ich es vorher gesehen, wäre ich vielleicht unzufrieden mit meiner Darstellung gewesen und hätte ihm reingeredet, das wollte ich vermeiden und ihn einfach machen lassen.
Ich vertraute darauf, dass er ein gutes Produkt abliefert und das hat er getan. Der größte Kritikpunkt war wohl, dass der Skandal um UltimatBet nicht erwähnt wurde. Mit einer eigenen Doku darüber und unter Berücksichtigung, dass es ein sehr komplexes Thema ist, finde ich die Entscheidung aber vernünftig. Nun wird sich eben mehr auf das menschliche Element des Online-Pokers konzentriert.
PokerStrategy.com: Vielen Dank, Tony! Wir freuen uns schon auf das nächste neunstündige Hand-Review mit dir.


