Phil Hellmuth, der beste zweitbeste Spieler der Welt
Seine Ergebnisse in diesem Jahr bei der World Series of Poker können sich wirklich sehen lassen. Doch drei zweite Plätze sind am Ende drei Niederlagen für den Poker Brat, möchte man meinen. Der wirkt aber alles andere als enttäuscht, sondern eher zufrieden.
Manchmal wird man zufällig in eine bestimmte Schublade gesteckt, in die man eigentlich gar nicht reingehört. Dort hinein zu kommen geht ganz leicht, hinaus zu wiederum quasi gar nicht. Bei den einen geschieht das schneller, bei den anderen dauert es länger. Oft können diejenigen gar nichts dafür.
Bei Phil Hellmuth ist das anders. Dass er von vielen als der beste No Limit Hold'em-Spieler bezeichnet wird und das meistens niemand ernst meint, wenn er es sagt, liegt vor allem an ihm. Mantraartig betete er diesen Satz wieder und immer herunter, besonders in Situationen, in denen er für seinen Geschmack völlig unverdient eine Hand verlor, konnte er sein Temperament in der Regel kaum im Griff behalten.
Was ist nur aus dem Poker Brat geworden?
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| Phil Hellmuth und durrrr vor dem Final Table |
Umso erstaunlicher war es, die Reaktion von Phil Hellmuth nach der finalen Hand der $50.000 Poker Player's Championship der WSOP zu sehen: Nach einem fluchenden, mit dem Schicksal hadernden oder gar seinen Gegner flamenden Hellmuth suchte man da vergebens.
"Ich bin sehr zufrieden damit, wie ich in den letzten fünf Tagen gespielt habe. Ich wollte mir, nur mir, beweisen, dass ich ein guter Spieler bin. Das habe ich geschafft." Kein schlechtes Wort wollte dem Pokerrüpel über die Lippen gehen, über seinen Gegner hatte er nur Positives zu sagen.
Da musste Kara Scott, die mit Hellmuth nur wenige Minuten nach seiner Niederlage gegen Brian Rast im Heads-up sprach, doch noch einmal nachhaken. Schließlich sprach sie gerade mit Phil Hellmuth, da musste doch noch was zu holen sein in Sachen arroganter Selbstüberschätzung. Also: "Würdest du dich nach dieser Leistung als den besten Spieler der Welt bezeichnen?"
Doch wieder enttäuschte er sein Gegenüber und überraschte auf der ganzen Linie: "Ich möchte nicht sagen, dass ich der beste bin, ich war da in der Vergangenheit zu großspurig [er sagte ‚cocky‘]. Ich bin da nicht mehr so verbissen."
Wie bitte? Hat der Mann jetzt all sein Selbstvertrauen verloren, nachdem er drei Mal im Heads-up knapp an seinem zwölften Bracelet scheiterte?
Wohl kaum, das Gegenteil ist der Fall. Hellmuth ist tatsächlich so zufrieden, wie er sagt. Er hat in diesem Jahr gezeigt, wie stark sein Spiel ist und diesen Fakt mit drei zweiten Plätzen unterstrichen. Dass alle drei Heads-ups in verschiedenen Spielen ($10k NL Deuce to Seven Draw Championship, $10k Seven Card Stud Hi/Lo Championship, $50k 8-Game Poker Player’s Championship) stattfanden und nicht nur in dem von Hellmuth so geliebten NL Hold’em, wird seine Zufriedenheit nur noch weiter steigern.
"Würde die zweiten Plätze natürlich sofort gegen einen Sieg eintauschen"
Dennoch, und auch das gab Hellmuth unumwunden zu, hätte er das zwölfte Bracelet sehr gerne gewonnen, würde "natürlich sofort meine drei zweiten Plätze gegen einen Sieg eintauschen." Besonders die Poker Player's Championship ist ein großer Traum von ihm, da das $50k-Event mit dem Main Event für ihn das wichtigste Turnier der Welt darstellt.
Dass es nicht geklappt hat mit einem Sieg, war heute Morgen weniger seinem Spiel als dem Pech geschuldet. Hellmuth dominierte das Heads-up nach Belieben und überrollte seinen Gegner Brian Rast, der vor vier Wochen ein $1,5k PLH-Event und damit sein erstes Bracelet gewinnen konnte, förmlich.
Dabei drückte er dem Heads-up von Anfang an seinen Stempel auf und spielte das von ihm bekannte vorsichtige Poker, limpte fast jede Hand vom Button und variierte die Action postflop, sodass sein Gegner kaum eine Chance hatte, ihn zu lesen. Zudem, so schien es, kamen die Karten stets so, wie er sie gerade brauchte, und nach ungefähr vierzig Händen war Rast von ehemals 9 Millionen Chips auf nur noch 2,5 Millionen gefallen, Hellmuth von 10 auf 16,5 Millionen gestiegen.
Rast konnte einem fast leidtun, da er kaum Gegenwehr zeigte: "Ich hatte zu Beginn des Heads-up nichts, nur einmal Kings, die dann von von Phils geturnter Straight geschlagen wurden. In den Händen, in denen er unglaublich viel Druck machte, hatte ich Middle Pairs, mit denen ich seine großen Bets nicht callen konnte". Das Momentum und der überwältigende Chiplead waren zweifellos bei Hellmuth.
Erster siebenstelliger Cash für Hellmuth
Als also alles nach einem Sieg für den Poker Brat aussah, drehte Rast das Blatt noch einmal zu seinen Gunsten. Drei Mal in Folge gewann er gegen den Flush Draw seines Gegners, drei Mal konnte er seinen Stack verdoppeln. Auch in der letzten Hand, als beide ungefähr gleich viele Chips hatten, war Hellmuth gegen die Nutstraight seines Gegners hinten, hatte aber reichlich Flush-Equity. Das Ende ist bekannt.
Und so kann Phil Hellmuth sich zwar nicht über sein zwölftes Bracelet, dafür aber über seinen ersten siebenstelligen Cash überhaupt freuen. Seine Zufriedenheit wird aber eher aus der Gewissheit resultieren, dass er weiß, wie viel Respekt er bei der diesjährigen WSOP gewonnen haben wird.
Apropos gewinnen: Seinen Ehrgeiz, der Beste zu sein, hat Phil Hellmuth natürlich nicht verloren. Am Ende des Interviews mit Kara Scott fragte er, ohne dabei eine Art kindliche Freude über seine Performance bei der WSOP verdecken zu wollen:
"Have I already won Player of the Year?"
"That might depend on the Main Event"
"WSOP Europe might count this year."
"It does."
"Aiaiai, I’m coming to France this year!"
