Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Pius Heinz, einer von uns

Die deutschsprachigen Medien überschlagen sich, kaum eine Online-Redaktion hat heute noch nicht über ihn berichtet, auch im Radio wird er gefeiert: Pius Heinz hat Historisches geschafft. Was bisher nicht bekannt war: Pius ist seit 4 Jahren Mitglied von PokerStrategy.com und konnte mit unseren $50 Startkapital risikofrei seiner Pokerkarriere nachgehen.

Es ist die erste Hand der letzten Nacht, der Nacht des Pius Heinz: Ben Lamb raised, Martin Stazko schaut ihn verschmitzt an. Pius kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen und muss sein Gesicht zur Seite drehen. Nur sein Kapuzenpullover, den ihm ein Freund im Verlauf des Main Events geliehen hat, sorgt dafür, dass die anderen Spieler das Grinsen nicht sehen können. Die Botschaft dieser Geste ist eindeutig: Pius fühlt sich wohl am Final Table. Es ist sein Tisch, sein Turnier. Und wie!

Seit dem 9.11.2011 gibt es also einen deutschen Sieger des World Series of Poker Main Events. Gewonnen hat diesen begehrtesten Titel der Pokerwelt aber keiner der alteingesessenen und erfahrenen Pokerprofis, sondern ein Spieler, der erst in diesem Jahr seinen Wirkungskreis vom Internet auf Live-Turniere ausgeweitet hat.

So stellt sich vielen Pokerinteressierten die Frage: Wer ist eigentlich dieser Pius Heinz? Und warum kann er so gut pokern?

Pius hat bei PokerStrategy.com mit dem Pokern angefangen

Heinz und Staszko im Heads-up (by PokerNews.com)

Fakt ist, Pius hat stark bei der WSOP ausfgespielt, agierte aggressiv und hat die Glücksgöttin Fortuna nicht mehr herausgefordert als notwendig.

Fakt ist ebenfalls, dass Pius seit 2007 Mitglied von PokerStrategy.com ist und wir ihm beim Start seiner Pokerkarriere mit einer kostenlosen Pokerausbildung und $50 kostenlosem Startkapital unter die Arme gegriffen haben - und darauf auch ein klein wenig Stolz sind.

"Dass Pius jetzt das größte Pokerevent der Welt gewinnen konnte, ist ein wahnsinnger Erfolg und einzig sein Verdienst. Ohne eine hohes Maß an Talent, Fleiß, Geduld und Disziplin wäre dies nicht möglich gewesen. Dass er es im Alter von 22 Jahren geschafft hat, ist noch beeindruckender und zeigt, dass im Poker Können und Strategie wichtiger ist als Erfahrung.

Wir hoffen, dass PokerStrategy.com durch die Lehrinhalte und durch die großartige Community zumindest ein wenig zum Erfolg von Pius beigetragen hat und gratulieren ihm ganz herzlich zu diesem riesigen Sieg.

Wir bitten um Verständnis, dass wir auf Wunsch von Pius seinen PokerStrategy.com Nicknamen nicht veröffentlichen möchten", sagt Dominik korn Kofert, CEO von PokerStrategy.com.

Die PokerStrategy.com Community freut sich zusammen mit Pius Heinz und hofft, dass er uns nach dem Erfolg trotz exklusiver Sponsorverträgen nicht den Rücken kehren muss.

Anders als PokerStratege und Landsmann Maximilian Heinzelmann, der es ebenfalls bis tief ins Main Event schaffte, wurde der überaus aggressive, furchtlose und unglaublich unterhaltsame Stil von Heinz aber zunehmend ernster genommen. Während Heinzelmann - der ebenfalls ein überaus erfolgreiches Jahr 2011 hatte - auf Platz 155 ausschied, ist der Erfolg von Pius Heinz historisch.

Bei großen Live-Turnieren war Pius bis zu diesem Jahr nicht vertreten. Erst 2011 wagte er den Sprung vom Online-Poker hin zum "echten" Pokerspiel. Auch den Wohnort veränderte der 22-Jährige und zog in die österreichische Hauptstadt Wien. Bei der WSOP feierte Heinz seinen ersten Live-Erfolg noch vor der Teilnahme am Main Event: In Event #48, einem $1.500 No Limit Hold'em-Event, schnitt er noch einmal zwei Plätze besser ab als PokerStratege Niklas 'Ragen' Heinecker und gewann auf Platz sieben $83.286.

Ohne Druck zum großen Geld und ins Team PokerStars

Dass sich sein Leben mit dem Erreichen des Final Table im Main Event ändern würde, war absehbar. Mit der medialen Aufmerksamkeit kam auch ein Angebot vom größten Pokerraum PokerStars, zu dessen Profi-Team Pius nun gehört. Doch auch die Erwartungen wuchsen mit dem Erfolg: Obwohl er als Siebter in Chips in den Final Table startete, so wurde doch irgendwie mehr von ihm erwartet. Dennoch gab er in Interviews stets an, keinen großen Druck zu verspüren. Sein Grinsen gestern bewies, dass er dabei nicht gelogen hat.

Pius und das große Geld

Das bedeutet aber nicht, dass er sich nicht gewissenhaft auf die Chance seines Lebens vorbereitet hat.

Im Gegenteil: Er pausierte mit dem Studium und arbeitete an seinem Spiel, änderte seine Ernährung. Gesünderes Essen inklusive mehr Obst für eine bessere Konzentrationsfähigkeit, lautete die Devise.

Das Konzept ging auf, denn in einem 128 Hände langen Heads-up ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und war auch zum Ende hin noch hellwach.

Es ist vor allem seine ruhige, kontrollierte Art am Pokertisch, die Pius auszeichnet und die ihn von vielen anderen guten Pokerspielern abhebt.

Er ist kein großer Redner, obwohl sein Englisch hervorragend ist, wie er im Interview mit Kara Scott bewies. Am Tisch aber lässt Pius seine Chips für ihn sprechen und verliert während einer Hand kaum ein Wort. Ist er nicht in eine Hand verwickelt, ändert sich das und sein Grinsen kommt schnell zum Vorschein.

Im Heads-up kam zudem eine weitere Qualität von ihm zum Vorschein: Gegen einen sich nicht bluffen lassenden und gut treffenden Staszko passte er sein Spiel an und wurde vorsichtiger.

Poker-Papst? In jedem Fall Poker-Botschafter, ob er will oder nicht

Innerhalb kürzester Zeit ist Pius Heinz nun zu einer Lichtfigur des deutschen Pokerspiels geworden. Von den Medien ob seines Namens und des Reizes jeder sich anbietenden Alliteration zum "Poker-Papst" ernannt, ist er momentan in allen deutschen Online-Medien Thema, die Print-Ausgaben werden morgen mit Sicherheit folgen.

Die sich dadurch ergebenden Chancen für die zuletzt leidende Pokerindustrie liegen auf der Hand und Heinz hat, ob er es nun will oder nicht, den Status eines deutschen Poker-Botschafters inne. Die Bild ging in ihrer Online-Ausgabe noch einen Schritt weiter und bebilderte einen Artikel über ihn mit der Galerie "Unsere jüngsten Sport-Giganten" (allerdings noch ohne sein Bild).

Pius weiß, dass er heute die Nacht seines Lebens erlebt hat. In seinem Pokerleben kann ihm nichts größeres mehr wiederfahren. Umso wichtiger wird es für ihn sein, diesen Erfolg richtig zu verarbeiten und entsprechend einzuordnen. Seine Mentalität, so scheint es, könnte ihm dabei helfen.

Und sein Markenzeichen, der Kapuzenpullover, wird hoffentlich noch einige Jahre auf den Pokerturnieren dieser Welt zu sehen sein. Am liebsten inklusive seines Grinsens.

Die letzte Hand der WSOP 2011: