PokerNoob geht neue Wege
Tobias "PokerNoob" Reinkemeier wird in Zukunft nicht mehr Team PokerStrategy.com vertreten. Weitere Information dazu findet ihr hier im exklusiven Interview mit PokerNoob.
Tobias "PokerNoob" Reinkemeier begann das Pokern mit dem Startgeld von PokerStrategy.com und spielte dann online hauptsächlich die großen Multi Table Turniere und Heads-up-Events. Die Liste seiner Erfolge ist lang, von denen ihr einige wichtige hier einsehen könnt.
In der sechsten Saison der EPT war PokerNoob gleich viermal hintereinander im Geld und erreichte im PCA High Roller Event den Final Table. Team PokerStrategy.com trat er im Jahr 2009 bei und repräsentierte das Team bis dato in zahlreichen Live-Events. Sein größter Erfolg war der Gewinn des High Roller Events bei der EPT Monte Carlo 2010, als er $1.272.698 mit nach Hause nehmen konnte.
Nach einer tollen und sehr erfolgreichen Zeit, müssen wir heute leider bekannt geben, dass PokerNoob und Team PokerStrategy.com in Zukunft getrennte Wege gehen werden, da PokerNoob seinen Vertrag nicht verlängert hat. Weitere Informationen dazu findet ihr im folgenden Interview.
PokerNoob im Interview
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| PokerNoob in action |
PokerStrategy.com: Du hast in einem Jahr für Team PokerStrategy.com zahlreiche WSOP-, EPT-Events und auch andere Turniere gespielt. Welche Eindrücke hast du in dieser Zeit mitnehmen können?
pokernoob: Es war ein sehr abwechslungsreiches Jahr! Ich bin viel rumgekommen, habe neue Leute kennen und schätzen gelernt und viele neue Städte und Länder gesehen. Außerdem habe ich mein Pokerspiel stark verbessert. Erfahrung ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Faktoren im Poker, besonders live, wo sehr viele Online-Spieler den "Live-Faktor" unterschätzen. Man kann live viele Hero-Folds, Hero-Calls und Bluffs machen, die so in dieser Form online nie möglich wären.
PokerStrategy.com: Welche Unterschiede siehst du zwischen WSOP und EPT? Hat ein Bracelet für dich einen besonderen Wert oder siehst du einen WSOP-Sieg wie jeden anderen Sieg?
pokernoob: Die Felder bei der WSOP sind im Schnitt viel softer als EPT-Turniere. Besonders die "kleinen" No-Limit Hold'em Turniere sind extrem schwach. Andererseits sind die Blindstrukturen bei diesen Turnieren auch um einiges schlechter als bei einem EPT- oder WPT-Event, was natürlich negativ auf den Erwartungswert drückt und die Varianz ziemlich hochschießen lässt.
Ein Bracelet zu gewinnen, wäre schon etwas Besonderes und hat einfach einen viel höheren Marketing-Mehrwert als ein EPT-Titel. Aber es ist nicht so, dass ich ständig nachts davon träume, eins zu gewinnen. Das Main Event zu gewinnen wäre natürlich der absolute Hammer, aber da bin ich wohl nicht der Einzige, der sich das denkt.
PokerStrategy.com: Live-Poker-Turniere zu spielen bedeutet auch reisen, reisen, reisen. Macht
dir das noch Spass oder siehst du es eher als notwendiges Übel an? Verändert sich die Einstellung dazu im Laufe der Zeit?
pokernoob: Ich finde Reisen ziemlich geil. Ich bin jung und will etwas von der Welt sehen, und dass sich das so gut mit Pokern kombinieren lässt, ist einfach genial. Klar verändert sich die Einstellung etwas im Laufe der Zeit und man ist auch mal ganz froh, zu Hause zu sein und nicht im Hotelbett aufzuwachen. Ich versuche, eine gesunde Balance zu finden und lasse dann auch mal ein paar Turniere ausfallen, um mehr Zeit für meine Freundin, Kumpels, Familie und mich selbst zu haben. Wenn man es drauf anlegt, kann man halt wirklich 365 Tage im Jahr unterwegs sein.
EPT Monte Carlo: Der J-9 bluff
| PokerNoob nach dem EPT-Sieg |
PokerStrategy.com: Der Sieg des Highroller Events in Monte Carlo war wohl zweifelsohne dein bisher größter Erfolg. Besonders spektakulär war dein Bluffpush am River mit J-9 im Heads-Up gehen Olivier Busquet. Kannst du uns durch die Hand führen und uns deine Gedankengänge beschreiben?
pokernoob: Klar! Ich hatte ganz vergessen, dass ich das im Liveticker-Thread angekündigt hatte, sorry für's Warten. Ich versuche mal stichpunktartig ein paar wichtige Gedanken zusammenzufassen, eine vollständige Analyse ist in der Form im Interview logischerweise nicht möglich:
Stacksizes vor der Hand:
Busquet: 2,6 Mio ca = ca 65bb
Tobias: 3,1 Mio ca = ca 78bb
Action:
Pre-Flop (Blinds 20k-40k): Ich raise vom BU 80k mit Js9s, Busquet re-raise 220k, ich call
Flop (Pot 440k): Qs 2c 8h - Busquet bet 240k, ich call
Turn (Pot 920k): As - Busquet bet 450k, ich call
River (Pot 1,820k): 2h, Busquet bet 560k, ich All-in, er left ca 1,2 Mio. und folded
Pre-Flop:
- Mein Raise vom Button auf 2bb war Standard in unserem HU und effektiv 65bb deep calle ich in Position die kleine 3bet.
- Ich wusste, dass er sehr gerne Broadways 3bettet pre-flop.
- Ich erwartete von seiner Spielweise im HU bisher, dass er nicht besonders loose 3betten würde. Medium und kleine Pocket Pairs wird er hier bei unseren Stacksizes fast immer nur callen, da sie out of position unimproved eine schlechte playability haben. Seine Monster wird er meistens 3betten, obwohl er unter Umständen Aces trappen würde aufgrund unseres recht tighten Gameflows.
Flop:
- Er conti-bettet wohl seine gesamte Range mit Ausnahme von vielleicht Händen wie Jacks oder Medium pairs, die er oftmals checkt.
- Hände wie 88, 22, Q8 und Q2 etc. 3bettet er pre-flop höchstwahrscheinlich nicht.
- Demzufolge hat er viele Air-Hands, einige Queens und natürlich QQ-AA als nuts Hände in seiner Range. Standard Float mit meiner Hand mit gutshot auf die nuts, backdoor flushdraw und sehr oft sind sogar J und/oder 9 als pair outs gut.
Turn:
- Ich erwarte von ihm dass er die Karte sehr häufig bluff second barrelt.
- Erstens weil ein Ace seine vermeintliche Range als pre-flop 3bettor sehr oft trifft und die Karte sich gut zum barreln eignet.
- Zweitens weil ich weiß, dass er in solchen Spots als pre-flop Agressor, in denen er Stärke zeigt und ich oft marginale Holdings habe, sehr gerne multiple barrels feuert. Besonders natürlich wenn er sogar noch Outs mit KT, JT, KJ (oder evtl. auch T9, J9) Händen hat.
- Ich calle flushdraw und gutshot um zu treffen und falls nicht den pot je nach river-action zu bluffen (wenn er river checkt, shove ich, weil er alles starke valuebetten wird am river).
River:
- Nuts Hände die er halten kann: QQ, AA, AQ (und evtl. A8, was er aber oftmals am flop checken wird)
- Air Hands sämtliche KJ, KT, JT (evtl. T9, J9) Kombinationen
-> viel mehr Air Kombinationen, die er auf den River Push folden muss
- Sein Betsizing am River: Ich glaube nicht, dass er seine nuts Hände mit der Betsize am river anspielt. Er hat nur noch knapp Potsize left und ist eh so mega polarisiert am river, dass ich denke, dass er fast immer größer bettet, wenn nicht sogar all-in pusht mit den nuts.
- Möglicherweise bettet er AK (oder sogar ein schlechteres Ace?!) nochmal mit dem betsizing for value, was er dann aber sogar noch folden kann, denn:
1. Ich werde dort am River nie eine schlechtere oder gleich gute Hand for Value pushen als AK, ergo habe ich entweder complete air oder ihn geschlagen. Jetzt muss er sich fragen, was wahrscheinlicher ist. a) Dass ich ihn 2 mal floate und dann mein air am river über seine bet pushe im heads-up um eine ganze Menge Geld + Titel und in dem Wissen, dass ich weiß, dass er extrem gute Odds auf seinen Call bekommt oder b) dass ich die nuts habe, die ich praktisch immer genauso spiele (ich kann alle nuts Hände repräsentieren). Er meinte auch nachher im Interview, dass er mir nicht zugetraut hat, dort zu bluff-shoven. Von daher denke ich, ist es nicht unrealistisch davon auszugehen, dass er solche Hände auch öfters noch folded.
- Ich bekomme sogar noch gute Odds auf den bluff: pot 2380k, ich riskiere 1760k, der River-Shove muss also in 45% der Fälle funktionieren um +EV zu sein.
PokerStrategy.com: Zur diesjährigen WSOP wirst du erst Mitte Juni aufbrechen und damit fast die Hälfte der Events nicht spielen können. Warum geht es erst so spät los? Welche WSOP-Events möchtest du dieses Jahr noch spielen?
pokernoob: Ich war letztes Jahr für die gesamten sieben Wochen in den USA. Sechs Wochen Vegas und eine Woche zwischendurch gings als Abwechslung nach New York. Da hatte ich das Gefühl, dass es schon etwas lang war. Letztes Jahr ging es allerdings nicht anders, da direkt zum Start das 40k$ NLHE Event stattfand und zum Abschluss das Main Event, welche ich beide auf jeden Fall spielen wollte.
Dieses Jahr ist der Schedule anders und ich kann in den vier Wochen, in denen ich da bin, immer noch jede Menge interessante Events spielen. Die ganzen kleinen Crapshoot-Turniere werde ich komplett auslassen und mich auf No-Limit Hold'em-Turniere mit Buy-ins von 5k und mehr konzentrieren. Da wären zum Beispiel, ein 5k 6max, 10k Heads-Up, 10k PLHE, 25k 6max, natürlich das Main Event und ein 10k WPT-Event. Eventuell fallen ein paar davon weg, weil ich woanders noch Day 2 oder hoffentlich noch weiter bin und vielleicht kommen auch noch ein paar andere dazu.
Ihr seid echt der Hammer!
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| PokerNoob bei der WSOP 2009 |
PokerStrategy.com: Wenn Team PokerStrategy.com-Spieler in Turnieren weit kommen, gibt es dazu News und Live-Ticker. Zahlreiche PokerStrategen fiebern mit und drücken die Daumen. Bekommt man das eigentlich während eines Turniers mit?
pokernoob: Klar bekommt man das mit und es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, dass so viele Leute einem die Daumen drücken! Vielen Dank nochmal an die Community für den tollen Support bei den Turnieren während des letzten Jahres - ihr seid echt der Hammer!!
PokerStrategy.com: Welche konkreten Pläne hast du für deine Pokerkarriere in diesem und im nächsten Jahr? Hast du bestimmte Ziele?
pokernoob: Ich muss an dieser Stelle leider bekannt geben, dass ich meinen Vertrag mit PokerStrategy.com, der nach Monte Carlo ausgelaufen ist, nicht verlängert habe. Ich weiß das Angebot von PokerStrategy.com auf jeden Fall zu schätzen, das im Rahmen des Team PokerStrategy.com-Konzepts auch definitiv gut war.
Ich habe mich, nachdem es Gespräche mit verschiedenen Seiten und PokerStrategy.com gab, schlussendlich für MyBet, einen Ipoker Skin einer deutschen Sportwettenfirma, entschieden und werde jetzt für mindestens ein Jahr im MyBet-Trikot unterwegs sein.
Pokerbezogene Ziele setze ich mir eigentlich wenig konkrete für die nächste Zeit. Sich dort erfolgsbezogene Ziele zu setzen, führt meistens eh zu nichts außer Enttäuschung. Mein Anspruch ist es, bei jedem Turnier mein A-Game zu spielen und was dann geschieht, kann ich sowieso nur bedingt beeinflussen. Zum A-Game Aspekt gehören für mich allerdings eine ganze Menge an Faktoren, wie zum Beispiel eine gesunde Balance zwischen Pokern und anderen Lebensbereichen (z.B. Sport) zu haben.
PokerStrategy.com: Wir danken dir für die tolle Zeit im Team PokerStrategy.com und wünschen dir alles Gute für die Zukunft!
pokernoob: Vielen Dank für das Interview!


