Schachbetrugsvorwürfe erinnern an Jahresanfang
Nachdem der bekannteste Schachspieler der Welt Magnus Carlsen ein Turnier aus Boykott abgebrochen hat, könnte auch die Pokerszene etwas für die Arbeit gegen Betrug lernen...
In der Schachszene kam es in dieser Woche zu einer Schlagzeile, die Erinnerungen an die Betrugsvorwürfe wecken, die den Jahresbeginn in der Pokerszene bestimmt hatten. Ausgang war, dass der legendäre Schach-Weltmeister und von Unibet gesponserte Pokerfan Magnus Carlsen überraschend das Schachturnier Sinquefield Cup abbrach.
I've withdrawn from the tournament. I've always enjoyed playing in the @STLChessClub, and hope to be back in the future https://t.co/YFSpl8er3u
— Magnus Carlsen (@MagnusCarlsen) September 5, 2022
Es machten direkt im Anschluss Gerüchte die Runde, dass er sich aus Protest aus dem Turnier zurückgezogen hat, weil sein Gegenspieler Hans Niemann verdächtigt wird, bei Online-Schachpartien zu betrügen. Wer sich mit den Gepflogenheiten beim Schach nicht besonders gut auskennt, dem helfen die Einblicke von Jennifer Shahade, die bei Twitter einen Vergleich zum Betrugspotenzial bei den zwei Spielen erläutert hat:
Watching https://t.co/1ic0w5PWD6 who explains it's well known that Hans was previously banned for online cheating.
While it may appear rash for Magnus withdraw without 100% proof, the status quo bias is often *too* strong.
Drastic action may be a wise game integrity risk calc! https://t.co/QRextZnYew
— Jennifer Shahade (@JenShahade) September 5, 2022
Should clarify to non chess players that online cheating is SO much more common than live cheating- so the fact that someone cheated online is not a clear sign on its own that someone would cheat live.
— Jennifer Shahade (@JenShahade) September 5, 2022
4. another key difference: Live chess often involves major titles AND $$$.
That may infringe on a code of ethics that doesn't apply to kids who dabble in cheating online, get caught (invariably), and then (hopefully) grow out of it.
— Jennifer Shahade (@JenShahade) September 6, 2022
Kind of funny when you think about it:
The lack of money in online chess can make people feel less guilt over cheating.
Though adding money to online chess tournaments would def make some people want/try to cheat more--just may not be an *exact* overlap of individuals.
— Jennifer Shahade (@JenShahade) September 6, 2022
Parallelen zu den Betrugsvorwürfen in der Highstakes-Pokerszene

Die Pokerszene beschäftigen die Betrugsvorwürfe zu Jahresbeginn und mögliche Maßnahmen zur Vermeidung und Sanktionierung nach wie vor. Zur Erinnerung: Den drei etablierten Highstakes-Profis Ali Imsirovic, Jake Schindler und Bryn Kenney wurde Betrug an den Online-Tischen auf unterschiedliche Weise vorgeworfen und zumindest Imsirovic und Schindler wurden in der Folge von allen Turnieren der EPT und der Triton Series ausgeschlossen.
Dass der größte Name der Schachszene ein Turnier in der Form abbricht, ist ein gewaltiges Statement, das zweifellos mögliche Betrugsfälle in der Schachszene ins Rampenlicht bringen wird. Ähnliche Boykottversuche von Pokerspielern hatten zuvor hingegen wenig Erfolg, weil die Turniere letztlich softer werden, wenn eine Reihe von Highstakes-Profis aus Protest gar nicht erst antreten, was sie wiederum attraktiver für andere Spieler macht. Entsprechend müsste die Pokerszene geschlossen bei derartigen Maßnahmen vorgehen und ein Boykott von der gesamten Community unterstützt werden.
Persönlich bin ich zu unerfahren, was die Welt von Schach betrifft, um die Vorgänge darüber hinaus zu kommentieren. Es wird jedoch interessant bleiben, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und ich bin besonders an weiteren Ausführungen von Jennifer Shahade interessiert, die gleichermaßen viel Erfahrung im Bereich Poker und Schach vorweisen kann. Vielleicht kann man ja von der Schachszene etwas lernen, wie man in der Pokerszene mit möglichen Betrugsvorfällen verfahren sollte, insbesondere online.