Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Schuldet Ivey dem Casino 'erwartete Schäden'?

Ist es rechtens, dass das Borgata die Zahlung eines Betrags fordert, den Phil Ivey ohne Edge-Sorting hätte verlieren 'sollen'?

Phil Ivey at the casino
Phil Ivey

Der Edge-Sorting-Skandal um Phil Ivey auf beiden Seiten des Atlantiks nahm letzte Woche eine überraschende Wende. Grund dafür sind die Kompensationsforderungen des Borgata Casinos. Iveys Chancen gegen das Crockfords und Borgata schienen ohnehin schon aussichtslos, nun will das Borgata eine Gesamtsumme von $15,5 Millionen.

$10,1 Millionen davon sind die Rückzahlung der Gewinne, die Ivey unfair erspielt haben soll. Weitere $5,4 Millionen wurden dann als ‘erwartete Schäden’ bezeichnet. Sie beruhen darauf, dass Ivey ohne Vorteil über eine größere Anzahl an Händen eben jene $5,4 Millionen verloren hätte.

Mir scheint es das erste Mal zu sein, dass Expected Value (oder in diesem Fall Expected Loss) dazu genutzt wird, um zu berechnen, wie viel jemand einem Casino schulded. Nach ein wenig Recherche habe ich jedoch herausgefunden, dass Casinos ‘erwartete Schäden’ zuvor schon in ähnlicher Manier benutzt haben.

Ein gefährlicher Präzedenzfall

The Borgata Casino in Atlantic City
Das Borgata

Ob Phil nun betrogen hat oder nicht, diese ‘erwarteten Schäden’ scheinen ein sehr gefährliches Mittel zu sein, um Angelegenheiten wie diese zu klären. Ich habe keine Zweifel, dass die Berechnungen ihre Richtigkeit haben, sie gehen jedoch gegen den Grundgedanken der Glücksspielindustrie.

Schließlich gehen die Kunden ins Casino, um die Person zu sein, der die 1/1.000.000-Chance zugutekommt und mit einem fetten Gewinn nach Hause geht. Ivey hätte irgendwann nach einer großen Sample sicherlich den benannten Betrag verloren, aber wer will beweisen, dass er in dieser einzelnen Session auch ohne Edge-Sorting nicht gewinnen hätte können? Es scheint unfair jemanden eine Durchschnittsrechnung vorzulegen, wenn eine einzige nächtliche Session völlig zufällig verlaufen kann.

Außerdem wurde nicht berücksichtigt, dass Ivey vielleicht viel weniger gespielt hätte, wenn er Verluste verbucht hätte. Er ist ein kluger Spieler und hat womöglich ein Verlustlimit, wenn er Glücksspiel betreibt. Und dieses könnte weit unter $5,4 Millionen liegen. Geht man vom Gegenteil aus und er hätte weiter gespielt und verloren, was hält das Casino dann davon ab, noch mehr zu fordern?

Eine schlechte Botschaft

Phil Ivey outside court
Ivey vor dem Gericht

Es ist leicht Ivey zu verteufeln, weil es bereits sein zweiter Edge-Sorting-Skandal ist - spielt man mit dem Feuer, muss man damit rechnen, sich zu verbrennen. Trotzdem wurde Ivey niemals als Betrüger verurteilt und Edge-Sorting befindet sich in einer Grauzone.

'Erwartete Schäden’ können für uns alle gefährlich werden, sollten wir uns in einem uneindeutigen Streitfall befinden.

Vor allem ist es jedoch schlechte Werbung für die Casinoindustrie selbst. Wie beim Crockfords-Fall ist es eine Botschaft, dass Gewinner zur Strecke gebracht werden. Es ist ernüchternd zu sehen, wenn das Borgata selbst vorlegt, wie unprofitabel Baccarat und Punto Banco sind.

Haltet ihr die Forderungen für ‘erwartete Schäden’ durch das Borgata für fair? Schreibt es uns in die Kommentare.

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