Sebastian Ruthenberg: Ich möchte in Hamburg ein Restaurant aufmachen
Mit Live-Turniergewinnen in Höhe von $3,4 Millionen gehört Sebastian "miamivice" Ruthenberg zu den erfolgreichsten deutschen Spielern. Im exklusiven PokerStrategy.com-Interview spricht der künftige Koch über seine E-Sports-Vergangenheit, deutsche Pokerspieler und seine Zukunftspläne.
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| miamivice |
PokerStrategy.com: Sebastian, in den vergangenen Monaten haben wir eher weniger von dir gehört. Wo warst du in der letzten Zeit?
miamivice: Ich war mit meiner ehemaligen WG (Ramin Henke, Cort Kibler-Melby und Philipp philgruissem Gruissem) und weiteren Freunden auf einer Weltreise. Wir haben in Südamerika angefangen und sind dann hoch zu den Bahamas, um die PCA zu spielen. Anschließend sind wir rüber nach Melbourne zu den Aussie Millions und dann haben wir eine lange Asienreise mit Sandra Naujoks unternommen, wo sie uns unter anderem das Allin4Kids-Projekt in Kambodscha gezeigt hat.
PokerStrategy.com: Stichwort Asienreise - das Spielerparadies Macao dürfte auf eurem Weg gelegen haben.
miamivice: Ja, natürlich. Macao ist wahrscheinlich auch richtig interessant für Pokerspieler, aber ich wollte dieses Mal einfach mal Urlaub machen. Die Summen dort sind gigantisch und ich muss ehrlich sagen, dass auch bei mir inzwischen auf den hohen Limits die Pumpe rast und der Adrenalinspiegel steigt. Einen Macao-Trip habe ich aber auf jeden Fall für das kommende Jahr geplant.
"Ich würde sogar sagen, dass wir Europäer die Amerikaner überholt haben"
PokerStrategy.com: Lass uns über die heutige Pokerszene sprechen. Früher waren Spieler aus den USA das Maß aller Dinge - glaubst du, dass wir Europäer aufgeholt haben?
miamivice: Man hat in den letzten Jahren mitbekommen, wie sich viele junge Spieler entwickelt haben und zurzeit gibt es ein großes talentiertes Feld in Deutschland. Ich würde sogar sagen, dass wir Europäer die Amerikaner überholt haben. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass sich vor allem die deutsche Community mehr untereinander austauscht als die Spieler in den USA.
PokerStrategy.com: Ein talentierter Spieler ist dein PokerStars-Teamkollege Pius Heinz. Wie hat sich deiner Meinung nach das Pokerimage in Deutschland nach seinem WSOP-Sieg geändert?
miamivice: Ich merke auf jeden Fall, dass der Pokersport jetzt mehr Respekt bekommt und vor allem als normaler Sport in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Vor Kurzem hat mich sogar meine Oma angesprochen und gefragt, ob ich den Heinz kenne und daraufhin habe ich ihr von meinen Händen gegen ihn bei der WSOP erzählt. Sie meinte dann, dass er ein richtig netter Kerl ist (lacht).
PokerStrategy.com: Bleiben wir gleich beim Sport - du warst früher ein bekannter E-Sportler und hast erfolgreich FIFA gespielt. Welche Games zockst du zurzeit?
miamivice: Das einzige Spiel, was ich aktuell noch intensiv spiele, ist FIFA 2012. Da findet auch ein jährliches Turnier mit einigen Pokerspielern statt, bei dem ich leider nicht so gut abschneide, weil meine Reaktionen nicht mehr so gut wie früher sind. Es macht mir aber einfach Spaß, mich mit anderen zu messen. Im Herzen bin und bleibe ich ein Zocker und das möchte ich auch nicht ablegen. Das ist einfach in mir drin und das lasse ich auch nicht wieder raus.
Zwischen dem E-Sportsbereich und Poker gibt es meiner Meinung nach viele Gemeinsamkeiten: Es gibt eine Menge Leute, die den Wettkampf lieben und sich weiterentwickeln möchten. Ich bin auch der Meinung, dass es für viele Spieler gar nicht um das Geld geht, sondern um das perfekte Spiel und den Spaß.
PokerStrategy.com: Wie wichtig ist im Pokerbereich die mentale und körperliche Frische?
miamivice: Sehr wichtig! Es ist schade, dass man durch die vielen Reisen aus dem Rhythmus geworfen wird und es ist schwer, eine Balance in seinem Leben zu finden. Ich halte mich mit Sport fit und koche selbst, was natürlich organisatorisch auf Reisen etwas schwerer fällt. Was ich in den letzten Jahren mitbekommen habe: Es ist vielen Spielern wichtiger geworden, auf gesunde Ernährung und Sport zu achten. Bei den jüngeren Spielern sehe ich bei diesem Thema eher eine Egal-Mentalität, was sehr schade ist.
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| Sebastian Ruthenberg im Foyer des Grand Hyatt Hotel in Berlin |
"Ich plane jetzt eine Kochausbildung und möchte irgendwann in Hamburg ein Restaurant aufmachen"
PokerStrategy.com: Du wirst Ende des Monats nach Las Vegas reisen und an der diesjährigen World Series of Poker teilnehmen. Bei welchen Events werden wir dich sehen?
miamivice: Ich werde dieses Mal nicht so viele Turniere spielen. Die letzten Jahre war ich immer sieben Wochen da und ich möchte die WSOP dieses Jahr nicht so extrem angehen, also bleibe ich nur zwei Wochen. Teilnehmen werde ich zum Beispiel am $50k-Event und am Main Event. Die ganzen Side-Events sind mir einfach zu viel und da man ja auch langsam etwas älter wird und teilweise nicht mehr so frisch wie die jungen Wilden ist, nehme ich mir auch gerne die Zeit für etwas Ruhe und plane ein paar Tage am Lake Mead ein, um mit voller Energie bei den großen Events angreifen zu können.
PokerStrategy.com: Wie sehen deine Zukunftspläne aus: Wird man dich immer am Pokertisch sehen?
miamivice: Mein Leben lang möchte ich nicht spielen, aber es wird schwer, es abzustellen. Ich plane jetzt erst einmal eine Kochausbildung und möchte irgendwann in Hamburg ein Restaurant aufmachen. Ich mache das Ganze in der Schweiz, es geht zwei Jahre lang und ist ein Mix zwischen Kochausbildung und Restaurantmanagement. Natürlich werde ich noch die EPTs spielen und - da ich sonntags freihabe - auch die Majors bei PokerStars grinden.
PokerStrategy.com: Als professioneller Pokerspieler plötzlich wieder in das Berufsleben einsteigen - geht das überhaupt langfristig?
miamivice: Ich möchte auf jeden Fall in der Zukunft etwas Eigenes machen. Es wird schwer, normal zu arbeiten, nachdem ich jetzt neun Jahre auf mich alleine gestellt war. Ich merke aber, dass mir das Kochen im vergangenen Jahr wirklich gut getan hat und fühle in mir eine innere Ruhe, wenn ich Gemüse schnibbel und neue Sachen ausprobiere und deshalb starte ich diese Ausbildung.
Als Hobbykoch bin ich zurzeit noch nicht wirklich erfahren - das muss sich ändern (lacht). Wenn man etwas hat, das einem wirklich Spaß macht und erfüllt, sollte es egal sein, ob man mal morgens um sechs Uhr aufstehen oder länger arbeiten muss.
PokerStrategy.com: Sebastian miamivice Ruthenberg, vielen Dank für das Interview.
von Tobias tooobi123 Frey

