Sebastian Ruthenberg: Wir wollen eine vietnamesische Strandbar eröffnen
Im ersten Teil des Interviews spricht der Team PokerStars Pro über seine Rückkehr an die Tische, seine beruflichen Pläne als Koch und Restaurantmanager sowie deutsche Topspieler.
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| Sebastian bei der EPT Berlin 2013 |
Sebastian Ruthenberg wird euch in den kommenden Wochen bei PokerStrategy.com mit exklusiven Blogeinträgen über seine WCOOP-Erlebnisse informieren.
PokerStrategy.com: Sebastian, wir haben dich eine Zeit lang nicht bei Turnieren gesehen, dann hast du in diesem Jahr die EPT Berlin und auch teilweise Events bei der WSOP gespielt. Ist es schwierig, wieder in das Game reinzufinden?
Sebastian miamivice Ruthenberg: Ja, natürlich. Ich merke, dass ich leicht eingerostet bin, und musste mich mit meinen Kumpels erst mal wieder über manche Hände unterhalten, damit ich wieder auf den aktuellen Stand komme.
Generell gesehen ist das Niveau von Poker in den vergangenen Monaten noch mal gestiegen und die Leute, die zurzeit auf einem hohen Level spielen, sind verdammt stark - die befinden sich aktuell auf einem anderen Level als ich.
Ich merke aber definitiv, dass mir Poker wieder mehr Spaß macht. Im vergangenen Jahr hatte ich nicht die riesige Motivation und jetzt bin ich wieder richtig heiß auf das Spiel. Ich spiele zurzeit auch wieder etwas mehr im Internet und versuche mich an Varianten wie H.O.R.S.E oder 8-Game.
PokerStrategy.com: Also willst du künftig auch wieder mehr andere Formate spielen?
miamivice: Genau, vor allem 8-Game interessiert mich. Das hatte ich 2008 oder 2009 schon angefangen - damals mit Alexander Jung. Wir waren mit schnibl0r und georgedanzer die ersten Spieler aus Deutschland, die diese Variante gespielt haben.
PokerStrategy.com: Bei der World Series of Poker konzentriert sich allerdings fast alles auf No-Limit-Turniere. Etliche Topspieler hatten sich darüber beklagt, dass andere Varianten keine Chancen hätten.
miamivice: Das ist eben Angebot und Nachfrage. Es ist einfach so, dass die meisten Spieler an No-Limit oder Omaha interessiert sind. Deshalb ergibt es auch Sinn, dafür mehr Turniere zu organisieren....auch wenn es insgesamt gesehen natürlich schade ist.
"Vielleicht wird es aber auch darauf hinauslaufen, dass wir nur am Strand chillen, Cocktails genießen und abends pokern"
PokerStrategy.com: Zeitlich eingeschränkt bist du durch deine Kochausbildung, die du in der Schweiz absolvierst. Wie sieht es da zurzeit aus?
miamivice: Da das Culinary Arts-Studium ein Mix zwischen Kochausbildung und Restaurantmanagement ist, habe ich zuerst ein halbes Jahr im Cesar Ritz College in Luzern verbracht. Zu Jahresbeginn ging es dann in ein Michelin-Restaurant nach Zürich, dort habe ich ein Praktikum absolviert - da hatte ich auch meine eigene Station. Zurzeit suche ich eine Praktikumsstelle in Hamburg.
PokerStrategy.com: Wenn du sagst "eigene Station" - warst du dann der Mann für die Soßen?
miamivice: Ja, ich war zuständig für Beilagen, Soßen und Suppen. Ich musste viel schnippeln und habe viel gelernt. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber mir macht das einfach unheimlich viel Spaß und ich möchte das auch in der Zukunft weitermachen.
PokerStrategy.com: Im vergangenen Jahr hattest du angekündigt, möglicherweise ein Restaurant in Hamburg zu eröffnen. Gibt es schon weitere Pläne?
miamivice: Zurzeit bin ich mir noch unsicher, aber es gibt eine interessante Idee. Gemeinsam mit ein paar Pokerspielern (unter anderem Nasr El Nasr und Cort Kibler-Melby) überlegen wir, nach Vietnam zu ziehen und eine Strandbar auf einer Insel namens Phu Quoc zu eröffnen. Natürlich wird es dann auch ein Restaurant geben. Wir waren im Januar dort und sind auf diese Idee gekommen.
Wir wollen es nicht primär machen, um damit unser Haupteinkommen zu verdienen, sondern einfach um Spaß in einem neuen Lebensabschnitt zu haben. Der Plan ist das Ganze zwischen zwei und vier Jahren zu machen. Zudem lernt man dadurch ja auch einiges und das Wetter ist besser als in Deutschland. Nasr würde kellnern, Cort würde sich um die Buchhaltung kümmern und ich werde etwas kochen...vielleicht wird es aber auch darauf hinauslaufen, dass wir nur am Strand chillen, Cocktails genießen und abends pokern (lacht).
PokerStrategy.com: Deine Restaurantpläne in Hamburg haben sich also erledigt?
miamivice: In den vergangenen Monaten habe ich in der Schweiz gemerkt, dass der Mangel an Sonne schlechte Auswirkungen auf mein Mindset hat. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, nicht zu lange in Europa zu sein - geplant ist, immer ein halbes Jahr in Vietnam zu leben und dann ein halbes Jahr in Deutschland zu verbringen. Da wird es schwierig, ein eigenes Restaurant in Hamburg zu leiten.
PokerStrategy.com: Wer in der Restaurantbranche arbeitet, hat normalerweise wenig Zeit für andere Aktivitäten. Wie schwierig ist der Spagat für dich als Pokerprofi?
miamivice: Ich kann nicht an jedem EPT-Event teilnehmen, da ich nicht immer freibekomme. Zudem muss ich auch Rücksicht auf mein Team im Restaurant nehmen - ich kann normalerweise nicht sagen, dass ich jetzt mal eine Woche lang nicht dabei bin. Gerade am Anfang war es eine harte Umstellung, da man teilweise von morgens bis abends nonstop durcharbeitet. Diese Anstrengung merkt man sowohl mental als auch körperlich. Wichtig ist dabei ein guter Ausgleich wie zum Beispiel Sport oder Meditation.
Ganz ehrlich: Ich hätte mir die Ausbildung nicht so anstrengend vorgestellt. Ich weiß jetzt, dass ich nicht mein Leben lang in der Küche arbeiten will, sondern sehe mich eher im Managementbereich - eben als Ruthenboss (lacht).
"Die deutschen Jungs haben einfach nicht dieses egoistische Denken"
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| Sebastian Ruthenberg |
PokerStrategy.com: Lass uns wieder über Poker sprechen: Du hast vorhin gesagt, dass du dich regelmäßig mit deinen Kumpels und anderen Pokerspielern austauscht. Mit wem stehst du in Kontakt?
miamivice: Da gibt es eine ganze Menge, unter anderem plaudere ich gern mit Igor lechuckpoker Kurganov, Cort, Nasr, Niklas ragen Heinecker oder Fabian fabstinho Quoss.
PokerStrategy.com: Wie würdest du die Spielstärke der deutschen Topspieler einschätzen?
miamivice: Die meisten befinden sich wirklich zurzeit auf dem höchsten Level. Die vorhin genannten Spieler gehören zu den erfolgreichsten Regulars bei Turnieren. Man merkt, dass sich die Spieler untereinander austauschen und miteinander mehr lernen - das ist der Knackpunkt. Viele ausländische Spieler haben sich abgekapselt und denken nur noch an sich selbst. Die deutschen Jungs haben einfach nicht dieses egoistische Denken.
von tobiasfrey

