Sind Pokerbücher noch zeitgemäß?
Mittlerweile gibt es zahlreiche Wege das Spiel zu lernen. Sind Strategiebücher also ein überholtes Konzept?

In unserer Community kam letzten Monat eine Diskussion auf, ob Pokerbücher nicht mehr zeitgemäß seien und so ihr Geld nicht wert. Das Hauptargument ist, dass Poker sich schnell entwickelt und der Content eines Buches schon während des Schreibprozesses überholt wird.
Viele sehen Videos, Webinare, Handhistory-Reviews und Coaching als effektivere Varianten zu lernen.
Meine Position in dieser Debatte ist etwas einzigartig. Ich bin Redakteur einer Pokerschule, die ‘fortgeschrittene’ Lernwege anbietet, aber ebenso Co-Autor zweier Pokerbücher, welche auch ziemlich erfolgreich waren.
Meine Kurzantwort wäre wohl, dass wenn ich eine Lernmethode aussuchen müsste, ich mich immer für die interaktive und dynamische Methode, wie Coachings oder eine Pokerschule, entscheiden würde.
Bücher komplett abzuschreiben wäre aber ein Fehler. Man kann viele gute Dinge aus ihnen ziehen, besonders weil viele heute traurigerweise gar keine Bücher mehr Lesen und man so an Inhalte kommt, die anderen als Nichtlesern verschlossen bleiben.
Das Spiel verändert sich zu schnell

Der Punkt, dass Geschriebenes schnell nicht mehr aktuell ist, ist ein Wichtiger. Aus persönlicher Erfahrung und von vielen anderen Autoren weiß ich, dass es ca. ein Jahr dauert, um ein gutes Buch zu schreiben. Genauso lange dauert es dann ein Buch zu veröffentlichen und auf dem Markt zu platzieren. Ein Jahr kann aber eine sehr lange Zeitspanne sein, besonders in einer jungen Industrie wie Onlinepoker.
Man kann aber nicht den Schluss ziehen, dass alle Pokerbücher auch immer überholt sind. Es sind nur jene, die eine geheime Strategie zum Schlagen der Partien versprechen, welche sich nicht bewähren können. Damit ist nicht gemeint, dass alle Autoren dieser Bücher Quacksalber sind, aber was im August 2015 noch gut war, wird euch im August 2016 wahrscheinlich nicht mehr helfen.
Ich habe vor dem Boom viele Bücher gelesen, die Preflop einzig ein Min-Raise empfehlen. In den 2000ern hieß es dann, man solle um vier bis sechs Big Blinds raisen. Später wurden drei Big Blinds dann zum ‘Standard’. In den letzten Jahren wurde das Min-Raise folglich wieder beliebt. Die Autoren mögen also zum spezifischen Zeitpunkt rechtgehabt haben, jedoch nicht mehr heute.
Ein Gedankengerüst

Pokerbücher bleiben länger aktuell, wenn sie einem beibringen, wie man denken sollte, anstatt was. Also Bücher, welche euch fundamentales Wissen darüber vermitteln, wie ihr bessere Entscheidungen treffen könnt, egal wo sich das Spiel gerade befindet. Theoriebücher, Mathebücher, Bücher über Psychologie und jene, die euch die grundlegendsten regeln nahebringen, sind immer noch sehr wertvoll. Sie helfen euch beim Anpassen eurer Strategie und schicken euch nicht in eine falsche Richtung.
Pokerschulen und Coachings sprechen wohl viel mehr Leute an, da sie dynamisch, herausfordernd und angepasster sind. Manche lesen aber einfach gerne. Für diese Menschen haben Pokerbücher immer noch einen hohen Wert. Ein Buch zu lesen ist oft auch einfacher – im Bus, Zug, Bett, auf dem Smartphone - als andere Lernformen.
Zuletzt darf nicht vergessen werden, dass Bücher oft einen großartigen Return on Investment (ROI) bieten. Für $10 erhält man das Lebenswerk eines Pokerprofis, penibel auf 200 Seiten zusammengefasst. Wo sonst bekommt man jahrelange Erfahrung zum Preis von ein paar Bieren?
Sich beim modernen Poker nur auf Bücher zu verlassen wäre wohl ein Fehler, es wäre aber genauso närrisch Bücher komplett zu ignorieren.
Lest ihr noch Pokerbücher? Wo ordnet ihr sie unter euren Lernmaterialien ein? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.