Sollte die Hälfte aller Turnierteilnehmer ins Geld kommen?
Als die EPT vor ein paar Tagen das neue Double-Bubble-Format vorstellte, war das Echo in der Community geteilt. Könnten so vielleicht mehr Freizeitspieler für Live-Poker begeistert werden?
In der letzten Woche kündigte PokerStars an, dass man bei einigen Events des kommenden PCA ein neues Turnierformat ausprobieren werde. Bei den sogenannten 'Double Bubble'-Turnieren kommt die Hälfte des Feldes ins Preisgeld. Lee Jones erklärte das neue Format in einem Blog-Eintrag wie folgt:
"Wenn die Hälfte des Feldes ausgeschieden ist, zahlen wir allen im Turnier verbliebenen Spielern ihr ursprüngliches Buy-in zurück. Nehmen wir an, es handelt sich um ein Turnier mit 80 Spielern und einem Buy-in von $1.000+$100: Wenn noch 40 Spieler im Turnier sind, händigen wir jedem von ihnen $1.100 in bar (oder Chips) aus. Das restliche Preisgeld wird in einer 8%-Struktur ausgezahlt. Es gibt also zwei echte Bubbles: die erste bei 50% des Feldes und die zweite bei 8% des Feldes."
Ob dieses spezielle Format funktioniert oder nicht, steht in den Sternen. Mir gefällt aber der Umstand, dass PokerStars den Versuch wagt, ein Live-Event mit einer solch flachen Auszahlungsstruktur zu veranstalten. Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass sich Pokerspieler mehr oder größere Min-Cashs wünschen.
Alle wollen eine flachere Auszahlung
Wenn es um Turniere geht, dann steht sowohl für die Spieler als auch die gesamte Branche immer der große Gewinn im Vordergrund. Immer wieder heißt es, man spiele um den größten überhaupt möglichen Preis. Auf der anderen Seite ist das Ziel, einen kleineren, aber dafür garantierten Preis zu gewinnen, regelrecht mit einer Art Stigma behaftet.
Trotz dieses scheinbaren Wagemuts wollen die meisten Spieler in Wahrheit flachere Auszahlungsstrukturen. Ich habe zu diesem Thema viele Turnierdirektoren befragt und die meisten von ihnen sagen, dass ungefähr 85% der Turniere in einem Deal enden. In den Geschichtsbüchern wird dies zwar nicht immer festgehalten, aber die Realität sieht so aus, dass die meisten Spieler wissen, wie selten sie im Live-Poker eine Chance auf den ganz großen Erfolg haben. Entsprechend vermeiden sie auch die größtmögliche Varianz.
Der Hauptgrund für meine positive Einstellung gegenüber der Double Bubble ist folgender: Für Freizeitspieler ist es zunächst bei einem Turnier das große Ziel, es ins Geld zu schaffen. Es bedeutet diesen Spielern sehr viel, wenn sie sagen können, sie hätten in einem Major Event gecasht und eine neue Landesflagge in ihrem Eintrag in der Hendon-Mob-Datenbank bekommen. Dies gilt umso mehr, wenn sie für die Teilnahme am jeweiligen Event weit gereist sind.
Deshalb glaube ich, dass Double-Bubble-Events viele Freizeitspieler motivieren werden, zu Live-Events zu reisen, bei denen sie sonst nicht mitgemacht hätten. Es wird viele Spieler ansprechen (darunter auch mich), zu wissen, dass sie eine 50%-Chance haben, ihren Einsatz zurückzuerhalten, die Hendon-Mob-Flagge zu bekommen und anschließend ein Freeroll auf den großen Sieg spielen könnten.
Bislang wird das neue Format in Siede Events im Buy-in-Bereich von $1.100 und $2.200 beim PCA getestet. Ich hoffe aber, dass es auch in anderen Bereichen getestet wird: im europäischen Bereich der Tour, wo es einen starken lokalen Markt gibt (der in der Karibik so nicht existiert). Ich glaube daher, dass das PCA vor allem ein Event für ernsthafte und Profispieler ist, nicht hingegen für Freizeitspieler, die von diesem Format besonders angesprochen werden. Aber irgendwo muss der Anfang gemacht werden, warum also nicht in der Karibik.
Ich würde es besonders gut finden, wenn es Double Bubbles für solche Events gäbe, die so groß sind, dass man sich per Satellite für sie qualifizieren kann. Ich glaube, das würde Freizeitspieler besonders anziehen. Viele von uns würden insgeheim lieber das Geld behalten, welches ein Package wert ist, wenn wir ein Satellite hierfür gewinnen. Wenn wir aber wissen, dass wir mit dem Sieg eines Satellites für $215 eine 50%-Chance haben, anschließend das Startgeld in Höhe von $2.000-$10.000 behalten zu können, dann würde das viele Spieler zur Teilnahme an diesen Satellites anlocken.
Langsamere Bubbles?
Nur die logistischen Herausforderungen solch eines Events sorgen bei mir für Bedenken. Es besteht kein Zweifel, dass es nicht lange dauern wird, von der ersten zur zweiten Bubble zu kommen, weil das Spiel nach dem Platzen der ersten schnell und loose sein wird. Aber was ist mit der ersten Bubble?
Ich fürchte, dass das Spiel vor der ersten Bubble viel langsamer und nittier sein wird als bei einer normalen Bubble. Das Format ähnelt einem DoN, bei dem es um Alles oder Nichts geht. Hinzu kommt, dass die Struktur deutlich deeper sein wird, weil die erste Bubble in einer früheren Turnierphase stattfindet.
Aktuell sind aber beide Double Bubbles bei der PCA als Turbo Events geplant, bei denen jedes Level 15 Minuten dauert. Ich denke, dass dies die ideale Struktur für das Format ist (man könnte sogar darüber nachdenken, die Struktur nach der Bubble zu verlangsamen).
Ob das neue Format nun funktioniert oder nicht: Dass PokerStars es ausprobiert, ist lobenswert. Ich glaube daran, dass die Zukunft von Live-Poker flachere Auszahlungsstrukturen beinhaltet. Dies ist ein sehr guter erster Schritt in diese Richtung.
Was haltet ihr von Double-Bubble-Turnieren? Fändet ihr es gut, wenn mehr Spieler im Live-Poker ins Geld kämen? Teilt uns eure Meinungen in den Kommentaren mit.


