Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Sollten Twitch-Streamer auch Winning-Player sein?

Es ist möglich, seinen Lebensunterhalt mit dem Streamen von Poker bei Twitch zu verdienen, ohne dass man zu den Gewinnern an den Tischen zählen muss. Ist das gut oder schlecht für Poker?





Der Aufstieg von Poker bei Twitch hat die Industrie umfangreich und in vielerlei Hinsicht positiv verändert. Neue Türen haben sich geöffnet mit Blick darauf, wie wir das Spiel übertragen, wie Leute an Poker herangeführt werden und wie man mit Poker seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

So ist es mittlerweile möglich, dass ein Pokerspieler lediglich mit dem Streamen seines Spiels bei Twitch ein Einkommen erzielen kann. Parker Talbot schätzt, dass man $40.000 bis $300.000 pro Jahr als Pokerstreamer verdienen kann und PokerFuse spekuliert in einem kürzlich veröffentlichten Artikel, dass ein Streamer mit 1.000 Abonnenten rund $3.200 pro Monat oder mehr erreichen kann – allein mit dem bei Twitch intergierten Umsatzsystem. Bei der Karriereentwicklung von Spielern wie Jason Somerville und Lex Veldhuis hat Twitch zweifellos für den entscheidenden Schub gesorgt, der ihnen weltweite Bekanntheit beschert hat. Auch Eric Hollreiser von PokerStars erklärt im PokerFuse-Artikel, dass Twitch Spielern neue Wege eröffnet hat, um den Traum vom Dasein als Pokerprofi zu realisieren.

Angesichts der neuen Möglichkeiten ein Einkommen mit Poker zu erzielen, bevor man überhaupt tatsächliche Gewinne an den Tische berücksichtigt, scheint es also denkbar, dass ein Breakeven-Spieler allein mit dem Streamen von Poker seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Ist das jedoch überhaupt gut für Poker? Sollte ein erfolgreicher Twitch-Streamer nicht zwangsläufig auch zu den Gewinnern beim Poker gehören, wenn wir das richtige Image transportieren wollen?

Die Unterhaltung hat Priorität

Die ambitionierte Pokercommunity ist sehr anspruchsvoll, was die Glaubwürdigkeit eines Spielers betrifft. Eine vergeigte Hand im TV kann den Ruf eines Spielers über Jahre hinweg ruinieren. Wenn jemand mit seinem Skill an den Tischen prahlt, wollen wir auch entsprechende Graphen sehen. Wenn jemand ein hohes Markup beim Staking fordert, wollen wir eine plausible Begründung dafür. Wenn jemand sein Geld mit Coachings verdient, kann ein Verlustjahr zu einem regelrechten Skandal ausarten. Und wenn ein Promi einen Sponsorendeal eintütet, wenden wir uns gerne in Abneigung ab, hat er es doch weniger verdient als ein tatsächlich erfolgreicher Profispieler.

Die kurzfristige Reaktion der Pokercommunity auf die Frage, ob ein Twitch-Streamer auch ein Gewinner an den Tischen sein muss, wird vermutlich also ja lauten.

Das Problem dabei ist, dass wir vergessen, worum es bei Twitch hauptsächlich geht: Unterhaltung. Jahrelang haben wir Pokervideos, in denen jemand sein Spiel zeigt und seine Entscheidungen erläutert, als Übungsmaterial gesehen. In solch einem Fall ist es Pflicht, dass der Spieler auch zu den Gewinnern gehört, denn immerhin wollen wir seinem Rat folgen, um an den Tischen Erfolg zu haben.

Bei Twitch ist das jedoch anders und zum ersten Mal ist Online-Poker auch Vehikel, um die Leute lediglich zu unterhalten. Natürlich wollen Pokerstreamer in ihren Übertragungen den Zuschauern auch etwas beibringen, die Glaubwürdigkeit eines Spielers ist also nach wie vor wichtig. Aber man muss lediglich einen Blick auf die beliebtesten Twitch-Clips aller Zeiten werfen, um zu sehen, worum es den Zuschauern bei der Plattform hauptsächlich geht:

Am Ende werden die Winning-Player auch bei Twitch die Nase vorn haben

Im selben Ausmaß wie sich Twitch von allen anderen Plattformen unterscheidet, bei denen Poker eine Rolle spielt, genauso unterscheidet sich Poker auch von allen anderen Spielen bei Twitch. Denn alles, was wir beim Poker machen, hat letztendlich zur Folge, dass wir unser Geld darauf setzen. Wenn ein Streamer seinen Zuschauern Tipps gibt, wird das Publikum irgendwann den Ratschlag befolgen und Geld darauf setzen. Das Wichtige ist also Transparenz. Es muss klar sein, wann jemand bei Twitch auf Basis seiner Expertise tatsächlich einen wertvollen Tipp zum Spiel gibt und wann das Gezeigte einfach dem Spaß und der Unterhaltung dienen soll.

Ich finde, dass es völlig in Ordnung ist und dem Spiel sogar hilft, wenn unterhaltsame Spieler unabhängig von ihren Resultaten an den Tischen ihren Lebensunterhalt mit Poker verdienen können. Da es aber bereits viele unterhaltsame Streamer gibt, die gleichzeitig auch ausgewiesene Winning-Player an den Tischen sind, erwarte ich, dass das Publikum letztendlich sowieso zum Großteil bei den Gewinnern landen wird.

Sollte man ein Winning-Player sein, bevor man Poker bei Twitch streamt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!