Aktualisiert am 29 Juli 26 von

Straight zur Edge – Liverdracon Zweiter im Sunday Brawl

Die FTOPS ist zu Ende, doch die Erfolge reißen nicht ab. Handbewerter Liverdracon sicherte sich im Sunday Brawl den zweiten Platz und damit über $50.000.

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Im Finale unterlag Liverdracon nur dem FTOPS Maineventgewinner Julian Verse. Fast hatte er den Sieg dabei sogar schon in der Tasche.

Nachdem Liverdracon mit einem Rückstand von etwa 1:3 in Chips ins Heads-up ging, konnte er früh mit QJ gegen A5 verdoppeln und zog so fast gleich. Mit AA erhielt er dann genau zum richtigen Zeitpunkt einen Preflopraise von Verse. Er 3-bettete, Julian Verse setzte ihn all-in und zeigte Pocketbuben. Liverdracons Asse hielten und dem Onlinepro blieben nur rund 600.000 Chips, während euer Handbewerter über 4 Millionen hielt.

Als es dann zum All-in kam und Liverdracon mit KT gegen JT antrat war er preflop bereits zu 70% der Sieger, doch das Board brachte Julian Verse die Straße. Der Wendepunkt eines "Cardrushes", der fast zum Sieg führte. Kaum eine spielbare Hand sollte nun noch kommen und wenn, dann sollte sie dominiert sein.

Sunday Brawl auf FTPSo holte sich sein Kontrahent Chip um Chip zurück. Nach fast einer Stunde Heads-up stellte Liverdracon seine letzten 8BB mit 34 suited in die Mitte und wurde von AQ gecallt. Das Board brachte keine Hilfe und Verse sicherte sich nach dem FTOPS Mainevent auch den Sunday Brawl. Maddyhh belegte übrigens den 14. Platz.

liverdracon: durch Selbstkritik zum erfolg

"Mein Fehler war häufig, dass ich zu ungeduldig agiert habe und zuviel forcieren wollte. Als Cashgamespieler packt man dann Moves aus und bekommt dann schnell durch dumme Fehler auf den Sack. In manchen Phasen war ich auch einfach nur Carddead. Mein Kumpel musste mich dann beruhigen, dass ich nicht anfange zu tilten. Hier noch einmal ein dickes Danke für die so wichtige moralische Unterstützung. Später gab es für mich dann ein paar Cardrushes, die mich fast bis zum Sieg trugen. Am Ende bin ich schon fast der Sieger und bekomme den Suckout. Danach ging einfach nichts mehr. Zweimal AJ vs AQ und dann das Aus.“

sunday brawl

Datum:
23.11. 14.01 Uhr ET bis 23.11. 22.37 Uhr ET

Spiel:
No-Limit Hold'em
Knockout


Buy-in:
€240 + 16

Teilnehmer:
1.931

Preispool:
$386.200 +
$350.000 Knockouts

Bezahlte Plätze:
189

So selbstkritisch analysierte Liverdracon im Gespräch darauf seine eigene Leistung. Ein Statement, dass seine professionelle Einstellung dem Spiel gegenüber reflektiert. Immerhin hatte er gerade über $50.000 gewonnen und im Sunday Brawl einige der besten Onlinepokerspieler der Welt hinter sich gelassen. Im Heads-up gegen Julian Verse zu verlieren ist wohl auch keine Schande.

Er sei schon sehr glücklich über den Erfolg, doch eine gesunde Selbstkritik sei der einzige Weg zum Erfolg. "Klar bin ich glücklich. Aber ich strebe nach höherem. Die besten Leute ihres Metiers wurden nur gut, weil sie selbst ihre größten Kritiker waren", so Liverdracon.

Seine Disziplin trug ihn in frühen Jahren unter anderem zur Jugendeuropameisterschaft im Schach. Dort vertrat er sein Heimatland Luxemburg gegen über 100 Teilnehmer aus ganz Europa. Zu einem Sieg hat es damals nicht gereicht, doch das Spiel lehrte ihm den Willen zum Aufstieg. "Ich denke, durch das Schachspiel habe ich den Ehrgeiz bekommen, immer höher gehen zu wollen. Und ich habe wohl Geduld als Tugend gelernt." Genauso „Straight Edge“ geht er auch durch sein restliches Leben. Viel Sport, "vor allem Joggen und Fitnessstudio", stehen auf seinem Plan. Rauchen würde er als Sportler sowieso nicht.

Ansonsten ist sein Leben international geprägt. Als "halber Schwede und halber Luxemburger" studiert er derzeit in Wien Ernährungswissenschaften.

Coach und Handbewerter in der franzöischen CommunityEr spricht sechs Sprachen, vier davon fließend. Momentan ist er als Handbewerter in der französischen Community tätig.

Er selbst fing auch bei PokerStrategy an. Von einem Freund geworben, startete er mit den bereits legendären $5 auf PokerStars. Schnell ging es in Fixed Limit rauf auf $3/$6. Auf $1/$2 Shorthanded kam dann jedoch der Dämpfer. Regelrecht „Untergegangen“ sei er damals. Mit $200 auf NL10 neu angefangen, spielt Liverdracon inzwischen mit großem Erfolg NL600 bis NL2000, was ihm die Möglichkeit gibt sich mit den großen Onlinemajors auseinanderzusetzten.

"Der Brawl-Erfolg war natürlich nicht mein erster Versuch, doch der erste, in dem die Coinflips mal hielten und auch mal ne 30-70 Situation zu meinem Gunsten ausging", schätzt er die Vorraussetzungen für einen solchen Erfolg auch sehr realistisch ein. Denn bei allem guten Spiel ist man in solch einem Turnier auch immer von ein paar knappen Entscheidungen abhängig.

Die wohl "wichtigste Hand" war am Final Table mit noch sechs Spielern am Tisch. Die Blinds lagen bei 17k/34k und Liverdracon openraiste mit QQ auf 72.000. Julian Verse 3-bettete auf 200k und der BB shovte shortstacked rein. Liverdracon pushte seine 800k noch mal drüber und Verse callte. AK bei Verse und KK bei dem Shorty ließen Liverdracon preflop gerade einmal rund 20%, doch schon auf dem Flop kam eine Dame und rettete ihm so das Turnier.

Prag, die
Dass es aber kein Glück alleine war, beweisen auch seine weiteren Ergebnisse der letzten Zeit. Drei weitere Finaltische in den letzten Tagen und diverse andere Cashes zeigen die klare Marschrichtung Liverdracons an. Als nächstes hat er sich die EPT Prag vorgenommen. "Die wäre schon schön zu spielen, derzeit spiele ich einige Steps dafür" Wäre ja gelacht, wenn wir ihn nicht bald auch bei dem einen oder anderen Liveevent zu sehen bekommen.