Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Subject: Poker-Chefredakteur Noah Stephens-Davidowitz im Interview

Subject: Poker ist zu einer der wichtigsten Quellen für Neuigkeiten der Pokerwelt geworden - und das in weniger als einem Jahr und mit einem kleinen Team. Wir haben mit dem Chefredakteur der Seite, Noah Stephens-Davidowitz, über den steilen Aufstieg von Subject: Poker gesprochen.

Noah SD
Noah Stephens-Davidowitz

Wenn ihr euch für Poker-News interessiert, dann ist euch der Name Subject: Poker mit Sicherheit ein Begriff.

Sollte das nicht der Fall sein: Subject: Poker ist eine unabhängige Quelle für Poker-News. In diesem Jahr hat sich die Seite einen Namen gemacht, indem sie zahlreiche wichtige Storys noch vor deutlich größeren und bekannteren News-Seiten brachte.

Noah Stephens-Davidowitz (vielen besser bekannt als Noah SD) ist die treibende Kraft hinter der redaktionellen Webseite. Als Chefredakteur ist er für einen großen Teil der dort veröffentlichten Neuigkeiten verantwortlich.

Subject: Poker ist erst seit Mai 2011 im Netz. Wenn man aber bedenkt, welchen Bekanntheitsgrad die Seite bereits erreicht hat, könnte man meinen, dass sie bereits seit Ewigkeiten existiert.

Weil die Nachrichten, die auf der Seite veröffentlicht werden, oft so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, geht die Seite selbst und das Team dahinter leicht unter. Um dies zu ändern, haben wir mit Noah Stephens-Davidowitz gesprochen. Erfahrt hier mehr über ihn selbst und Subject: Poker!

PokerStrategy.com: Die meisten unserer Leser haben deine Texte wahrscheinlich schon gelesen, wissen aber nicht, wer du bist. Kannst du uns ein bisschen was über dich erzählen?

Noah SD: Zuerst einmal muss ich sagen: Ich bin ein Nerd. Das weiß die Pokerwelt mittlerweile wahrscheinlich auch. Außerhalb dieser bin ich einfach ein Typ, der in New York wohnt. Ich bin als Bachelor-Student zur Brown University gegangen und habe da meinen Abschluss in Mathematik gemacht. Ich bin Informatiker und bewerbe mich derzeit um eine Promotionsstelle.

Ich bin großer Fan von Achterbahnen, gehe gern essen, mag Kurt Vonnegut, Wikipedia, Quentin Tarantino und Karaoke. Im echten Leben bin ich viel redseliger, sarkastischer und spontaner, als es im Internet den Anschein hat. Wie meine Antwort bereits nahelegt, rede ich viel. Von daher entschuldige ich mich schon einmal für zu lange Antworten.

"Mein größter Erfolg in der Pokerwelt"

PokerStrategy.com: Wie bist du anfänglich mit der Pokerwelt in Berührung gekommen? Wann kam der Schritt zum Forenmoderator, Streitschlichter und letzten Endes Betreiber einer unabhängigen News-Seite?

Noah SD: Ich bin wie viele andere zum Poker gekommen: Ich spielte das Spiel mit meinen Freunden und hatte Spaß daran (wir haben zu Beginn der High School im Keller von meinem Freund Max mit $5-Spielen begonnen). Ich beschäftigte mich mehr mit dem Spiel und entdeckte, dass ich damit Geld verdienen konnte. Das tat ich dann eine Weile.

Ich unterscheide mich von vielen anderen Spielern dadurch, dass ich von Anfang an viel größeres Interesse am Lernen und Lesen über das Spiel hatte als am Spielen selbst. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich davon überzeugt hatte, dass es eine gute Idee sei, jeden Tag ein paar Stunden lang acht Tische zu spielen. Selbst als ich das gelernt hatte, spielte ich deutlich geringere Umfänge als die meisten anderen.

Im Frühjahr 2010 gab es dann sehr ernsthafte Beschuldigungen, dass Nick 'stoxtrader' Grudzien sowohl auf PokerStars als auch Full Tilt Poker betrogen hatte. Beide Pokerseiten aber überführten ihn keiner Verfehlungen. Da ich den Gedanken nicht mochte, dass ein Unschuldiger des Betrugs beschuldigt wurde oder ein Betrüger weiterhin spielen durfte, schaute ich mir die Sache genauer an. Das war eine unangenehme Geschichte, weil ich große Angst davor hatte, jemanden falsch zu beschuldigen. Nach einer vierwöchigen Recherche aber war ich sehr sicher, dass er betrogen hatte.

Ich machte meine Ergebnisse öffentlich und wurde plötzlich derjenige, den Spieler kontaktieren, wenn sie jemanden des Betruges verdächtigten oder einen Vermittler in einem Konflikt benötigten. All die Probleme, mit denen die Menschen zu mir kamen, erschienen mir sehr wichtig. Deshalb unterstützte ich sie nach Kräften. Dabei wurden viele Betrüger überführt.

Ein wenig später kam das Verschlüsselungsdebakel bei Cake ans Tageslicht. Nachdem ich unnachgiebig Kritik an ihrem Umgang damit geübt hatte, entschieden sie sich sogar dazu, Thomas Bakker und mich einzustellen, um herauszufinden, was wirklich passiert war. Daraus wurde die größte unabhängige Sicherheitsuntersuchung einer Pokerseite, die es je gab. Ich glaube, das ist wahrscheinlich mein größter Erfolg in der Pokerwelt, auch wenn wir herausfanden, dass ein Betrug nur sehr unwahrscheinlich war und nur wenige Menschen davon wissen bzw. noch weniger sich dafür interessieren.

"Die Online-Poker-Community ist mir unglaublich wichtig"

PokerStrategy.com: Was war der Grund für den Launch von Subject: Poker?

Noah SD: Subject: Poker war die Idee von Thomas Bakker, auch wenn wir so etwas in der Art beide seit einiger Zeit diskutiert hatten. Für mich war es klar (genau wie für jeden anderen, mit dem ich darüber sprach), dass die gesamten Pokermedien nicht dazu in der Lage waren, über die wirklichen Probleme zu berichten. Ein Jahr zuvor war das eigentlich noch kein Problem, weil es kaum Themen gab, über die man hätte wirklich berichten müssen. Die Poker-Community war zwar über einige Dinge sehr schlecht informiert, aber das erschien mir nicht als Krise oder so, weil es einfach nicht so viele Dinge gab, über die man wirklich Bescheid wissen musste.

Dann ereignete sich der Black Friday. Auf einmal gab es sehr regelmäßig wirklich wichtige Nachrichten, aber niemand berichtete darüber ordentlich. Thomas erzählte mir von seiner Idee und ich fand sie großartig. Die Online-Poker-Community ist mir unglaublich wichtig und ich war sehr frustriert angesichts der Tatsache, dass es kaum möglich war, herauszufinden, was wirklich passierte. Es gab so viele Fehlinformationen.

Ich verbrachte bereits eine Menge Zeit auf 2+2 und versuchte zu helfen. Eine eigene Webseite zu starten, wirkte da nur logisch. Ich denke, es war einfach die eine Gelegenheit, die man hat, etwas Großes zu machen. Es selbst zu machen und zwar richtig. Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt an einem Projekt für mein Studium, deshalb begannen wir erst so richtig, als der Black Friday schon einen Monat zurücklag.

"Das Leben vieler Menschen hängt von dieser Welt ab"

PokerStrategy.com: Was waren eure anfänglichen Ziele, als ihr die Seite gestartet habt? Hast du das Gefühl, diese erreicht zu haben?

Noah SD: Wir wollten die Poker-Community über alles informieren, das für sie wichtig war. Das Leben vieler Menschen hängt von dieser Welt ab. Deshalb wollten wir, dass sie gut informiert sind und darauf basierend bessere Entscheidungen treffen und ein besseres Leben leben können. Das ist auch schon alles. Vielleicht war auch der Spaß daran eine Motivation. Subject: Poker hat schon viel mehr geschafft, als ich erwartet habe.

Ursprünglich erwartete ich viele fundierte Analysen von öffentlich verfügbaren Informationen. Die Klarstellung von verwirrenden Sachverhalten und Ähnliches. Ich hatte erwartet, dass wir solide Zugriffszahlen bekommen - vielleicht 500 Besucher am Tag, wenn wir eine Story bringen. Hauptsächlich Nerds wie ich. Stattdessen haben wir sehr viel investigativ recherchiert und berichtet, dafür haben wir viele wirklich wichtige Storys bringen können, die wohl sonst nirgendwo anders gestanden hätten. Die Leserzahlen waren großartig.

"Ich habe etwas versprochen und ich halte meine Versprechen"

PokerStrategy.com: Subject: Poker ist komplett unabhängig und hat versprochen, dass dies auch so bleibt. Warum ist Unabhängigkeit für die Seite so wichtig?

Subject: Poker
Das Logo von Subject: Poker

Noah SD: Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was daran so besonders ist. Als ich die Seite gestartet habe, war ich sehr besorgt darum, dass unsere Leser uns als befangen wahrnehmen, wenn wir für Pokerräume Werbung schalten würden. Das liegt daran, dass die meisten Pokermedien für Pokerräume werben und offensichtlich voreingenommen sind - zum Vorteil des Werbenden.

Ich nahm an, dass viele unserer Artikel ziemlich kritisch mit den Pokeranbietern umgehen werden (weil die eine Menge Kritik verdienen). Ich wollte, dass niemand denkt, dass die bei uns Werbenden auch nur den geringsten Einfluss auf unsere Inhalte haben. Deshalb haben wir von Anfang an versprochen, unabhängig zu bleiben.

Trotzdem denken viele Leute, dass wir in unserer Berichterstattung befangen sind. In den Kommentaren auf der Seite und auf Two Plus Two gab es zahlreiche Anschuldigungen, dass wir von jemandem finanziert werden. Andere Medien haben uns ganze Artikel gewidmet, in denen spekuliert wird, welch böse Motivation ich haben könnte. Ich weiß nicht wirklich, ob das ein größeres Problem wäre, wenn wir ein Affiliate wären, aber ich schätze, dass das nicht der Fall wäre. Ich weiß aber mit Sicherheit, dass unser Content nicht anders aussehen würde, wenn wir Geld durch Affiliating angenommen hätten.

Nichtsdestotrotz habe ich beim Start von S:P das Versprechen gegeben, kein Geld mit Werbung für Pokerseiten zu verdienen. Dieses Versprechen zu halten, hat mich offensichtlich eine Menge Geld gekostet. Was aber noch viel wichtiger ist: Es bedeutet auch, dass wir unseren Redakteuren nicht annähernd das zahlen können, was eigentlich angemessen wäre für ihren Zeitaufwand. Das ärgert mich (besonders wenn man berücksichtigt, wie viel Zeit und Arbeit Diamond Flush in das Projekt gesteckt hat).

Es mag sein, dass wir von unseren Lesern nicht als seriös empfunden worden wären, wenn wir ein Affiliate wären - wer weiß das schon? Unabhängig davon habe ich ein Versprechen abgegeben und meine Versprechen halte ich auch.

"UB wurde noch viel zu wenig beachtet"

PokerStrategy.com: Gab es bestimmte Geschichten bei euch, die dich besonders stolz gemacht haben?

Noah SD: Viele sogar. Ich bin sehr stolz auf meinen ersten Artikel über den "e-check 'shortfall'" [S: P berichtete damals als erstes Medium über die Tatsache, dass FTP $60 Millionen Spieler-Konten gutschrieb, ohne dieses Geld von den Spielern erhalten zu haben, Anm. d. Red.] (auch wenn ich mittlerweile bereue, den Begriff genutzt zu haben). Ich glaube das war der Zeitpunkt, an dem ein Großteil unserer Leser zum ersten Mal verstanden hat, wie sorglos Full Tilt vorgegangen ist und wie lax sie im Besonderen mit unserem Geld umgegangen sind.

Außerdem gab es im Juni die Geschichte über die Tatsache, dass UB nur über $5,5 Millionen verfügte, obwohl sie Außenstände von $54 Millionen hatten. Ich denke diese Story half vielen Menschen dabei einzusehen, wie schlimm die Lage im Cereus-Netzwerk wirklich war. Ich hoffe, dass sie anschließend die entsprechenden Konsequenzen gezogen haben.

Brian Hortons Artikel über FTPs Konflikt mit Moneybookers ist ein weiteres Beispiel. Der wurde ein paar Tage vor dem Lizenzentzug von Full Tilt veröffentlicht, war insofern vorhersehend und der erste echte Beweis dafür, dass das Geld bei Full Tilt einfach nicht da war.

Außerdem hat Diamond Flush in der letzten Zeit hervorragende Arbeit gemacht. Sie hat die Story über Tapie am 21. September gebracht, das war lange bevor irgendjemand genauere Details über die Verhandlungen von FTP mit möglichen Käufern wusste. Sie hat die Community im Hinblick auf die Verhandlungen ausgezeichnet auf dem Laufenden gehalten - das ist ein echtes Husarenstück, denn die verhandelnden Parteien wollen natürlich nur so wenig Informationen wie möglich an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Sie hatte außerdem das Privileg, über einige gute Neuigkeiten berichten zu können. Das freut mich.

PokerStrategy.com: Gibt es irgendwelche Themen in der Pokerwelt, die deiner Meinung nach mehr Beachtung verdient hätten?

Noah SD: Die Situation um UB wurde viel zu wenig beachtet, nachdem FTP erst mal im Rampenlicht stand. Sie schulden den Spielern ebenfalls eine Menge Geld, das ist sehr schade.

"Die größte Herausforderung beim Betreiben von S:P"

PokerStrategy.com: Vielen in der Pokerwelt stellt sich die Frage, woher ihr eure Informationen bekommt. Kannst du etwas über eure Quellen preisgeben?

Noah SD: Ich werde natürlich keine Quellen preisgeben, die auf meine Verschwiegenheit vertrauen. Ich kann aber sagen, dass die typische anonyme Quelle zu uns kommt, weil sie Informationen hat, von denen sie denkt, dass die Menschen ein Recht darauf haben, sie zu kennen. Viele von ihnen riskieren ihren Ruf oder ihre finanzielle Zukunft, indem sie mit uns sprechen. Einige brechen sogar das Gesetz. Das wissen sie auch.

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Menschen dieses Risiko in Kauf nehmen, nur um Fremden zu helfen. Wir machen ihnen das Leben definitiv nicht einfach, weil wir sehr skeptisch unseren Quellen gegenüber sind. Ich habe das so gar nicht erwartet, aber die Komplexität der Behandlung anonymer Quellen, ihre Informationen zu überprüfen, ohne sie gleichzeitig weiterzugeben und die Quellen nicht zu gefährden - das ist bei Weitem die größte Herausforderung beim Betreiben von S:P.

PokerStrategy.com: Danke, dass du dir die Zeit genommen und mit uns gesprochen hast. Wir wissen, was für eine tolle und harte Arbeit ihr macht und wünschen euch für Subject: Poker viel Glück in der Zukunft!

Wenn euch dieses Interview gefallen hat, dann könnte euch auch unser Interview mit Michael & Nick von Pokerfuse.com interessieren, eine weitere Seite für unabhängige Poker-News.

von Matt Kaufman