Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

The Mental Game of Trading von Jared Tendler

Im Gespräch mit Mentalcoach Jared Tendler erfahren wir mehr über seinen Weg vom Poker- in den Tradingbereich, was es mit dem Begriff FOMO auf sich hat und was sein neues Buch verspricht.

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Jared Tendler

Hallo Jared! Du hast vor Kurzem ein Buch zum Thema Trading abgeschlossen, nachdem du letzten Jahre mit ihnen zusammengearbeitet hast. Nachdem du selbst weniger im Bereich Poker aktiv warst, hast du das Gefühl, dass auch ein nicht unerheblicher Anteil von Pokerspielern sich dem Krypto-Tradingmarkt zugewandt hat?

Jared Tendler: Ja, es gibt jede Menge Überschneidungen, die ich erstmals 2017 feststellen konnte. Einige sind mittlerweile Vollzeit-Trader geworden, andere wiederum sind in Kryptoprojekte wie Softwareentwicklung oder Miningbetriebe involviert.

In mancher Hinsicht konnte man mit solch einer Entwicklung nach dem Black Friday rechnen. In der Szene gab es das schleichende Gefühl, dass der Pokermarkt letztlich nicht den Spielern gehört und es wurde immer schwieriger, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Ich habe Poker immer als Sport gesehen und dass man es auch wie ein Athlet betreiben sollte. Irgendwann muss jeder Sportler seinen Hut an den Nagel hängen. Viele Spieler konnten sich nicht vorstellen, bis ans Lebensende zu grinden. Als Krypto auch bei der breiteren Masse die Runde machte, passte die Chance letztlich wie die Faust aufs Auge für die Risikotoleranz eines Pokerspielers.

Die eine Sache, die ich mit Blick auf Trading im Vergleich zu Poker weiß, ist, dass Geduld eine Tugend ist und einen wichtigen Skill darstellt, wenn man langfristig in etwas investiert hat. Ist genau diese Geduld eine der größten Hürden, wenn man das Spiel im Kopf beim Thema Trading betrachtet?

Jared Tendler: Es gibt in dieser Hinsicht zweifellos Ähnlichkeiten mit Poker. Jeder kennt die Phasen, in denen man card-dead ist und nichts spielen kann. Beim Trading spricht man von einem Sideways-Markt, wenn sich die Kurse weder merklich nach oben oder unten verschieben. Ich denke, dass die Herausforderung für Pokerspieler, die vom Pokertisch in den Bereich Trading wechseln, darin liegt zu verstehen, dass es einen Unterschied zwischen einem Trader und einem Investor gibt. Manche Trader kaufen Vermögenswerte, die sie ein Jahr oder länger halten wollen, andere Trader wiederum kaufen und verkaufen mehr als 100-mal am Tag. In begrenztem Ausmaß ist es vergleichbar mit dem Online-Grinder, der 14 Tische gleichzeitig spielt, und dem Live-Spieler, der nur an einem Tisch Platz nimmt.

Die unterschiedliche Herausforderung bei den beiden Ansätzen liegt nicht etwa in der Art von Problemen, die sich ergeben können, sondern vielmehr im Ansatz, wie genau man mit diesen Problemen umgehen will. Das ist schwierig zu erlernen, weil es manchmal nur eine Frage ist, einen gewissen Skill zu entwickeln, manchmal aber auch ein Problem im Mentalbereich darstellen kann, wenn man zum Beispiel unter FOMO leidet, das heißt, das Gefühl hat, man würde etwas verpassen ("Fear of missing out").

Ist FOMO als Mentalproblem beim Trading vergleichbar mit dem generellen Gefühl etwas in der kurzweiligen Technologiewelt zu verpassen, in der wir leben?

Jared Tendler: Dem Begriff an sich mangelt es etwas an Klarheit. Es handelt sich eigentlich nicht um eine richtige Angst, sondern manchmal einfach um Gier. Es ist letztlich eine groß gefasste Bezeichnung, die vieles bedeuten kann. Wie zum Beispiel auch Tilt. Für manche bedeutet FOMO, dass man nicht in der Lage ist, an der Seitenlinie ruhig zu bleiben und Entscheidungen zu treffen, die den eigenen Kriterien entsprechen. Für andere wiederum ist es Eifersucht und Neid, zu dem es kommt, wenn man sieht, wie andere Geld verdienen. In manchen Fällen ist es aber auch reale Angst, die ein Zögern bedingt und manchmal dafür sorgt, dass man tatsächlich etwas verpasst.

Eine falsche Annahme, die das Konzept von FOMO aber grundlegend begleitet, ist die Sorge, dass es nur diese eine Chance geben würde, sodass man unmittelbar zuschlagen muss. Macht man sich das Ganze wortwörtlich bewusst, merkt man wie offensichtlich absurd es ist, mein Job ist dabei lediglich aufzuzeigen, wo die tieferliegende Schwachstelle bei einem liegt, dass derartige Fehler als Trader bedingt.

Die Gamestop-Saga und das neue Buch

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Die große Chance bei der Gamestop-Saga verpasst?

FOMO dürfte während der Gamestop-Saga in diesem Jahr ein Allzeithoch erreicht haben oder?

Jared Tendler: Ähnlich wie es zu einem Mini-Boom beim Poker in den ersten Monaten der Pandemie kam, gab es eine derartige Entwicklung mit Verzögerung auch beim Trading. Es gibt jede Menge neues globales Interesse an diesem Bereich, was immer eine spannende Zeit ist. Viele Leute haben bisher gedacht, dass sie keinen Zugang zu den traditionellen Finanzmärkten hätten, neue Technologie-Plattformen sorgen aber für eine immer bessere Verfügbarkeit. Das bedeutet aber auch, dass es auch ein Mehr an Gründen gibt sich entsprechend weiterzubilden. Wie beim Poker ist es sehr einfach Geld zu machen und zu glauben, man würde alles richtig machen.

Für Nicht-Trader, denen deine Pokerbücher gefallen haben: Was kann man von The Mental Game of Trading erwarten?

Jared Tendler: Wenn man das Pokerbuch gelesen hat und vernünftige Fortschritte machen konnte, fand man darin nicht allzu viele neue Techniken, um das eigene Spiel noch weiter zu verfeinern. Das Tradingbuch hilft einem derweil, neue Wege zu finden, um die Ursache zu finden, die entsprechend Mentalprobleme beim Traden bedingt. Ich habe schon in der Vergangenheit festgestellt, dass ein wesentliches Problem bei The Mental Game of Poker war, dass wir nicht eindeutig genug betont haben, wie wichtig die Erkennung und Lösung der ursächlichen Probleme für mentale Schwierigkeiten ist. Im neuen Buch zum Thema Trading wird genau das verbessert. Es gibt mehr Inhalte, die dabei helfen, den genauen Grund für den eigenen Tilt zu finden, während auch eine Strategie präsentiert wird, wie man die Ursachen beseitigen kann.

Entsprechend ist das Tradingbuch auch rund 80% länger ausgefallen als das Pokerbuch. Das Kapitel zum Thema Tilt war darin das längste, beim Tradingbuch wird hingegen jede Art von Mentalproblem mit diesem Ausmaß an Detail beleuchtet.

Darüber hinaus ist mein Coachingansatz über die Jahre deutlich gezielter geworden. Das Pokerbuch zur Behebung mentaler Defizite wurde vor mehr als zehn Jahren verfasst. Das neue Buch zeigt den Leuten viel deutlich die erforderlichen Schritte auf, die man bei einem Mentalcoaching und eigener Weiterentwicklung durchlaufen würde.

Im nächsten Teil unseres Interviews mit Mentalcoach Jared Tendler erfahren wir, wie sich ein Pokerspieler auf einen hochkarätigen Turniermonat wie den aktuellen April vorbereiten sollte und was Jared von der Debatte GTO vs. exploitatives Spiel hält.

Das neue Buch The Mental Game of Trading von Jared Tendler ist als Taschenbuch oder Kindle-Version bei Amazon verfügbar.